taz.de -- Umstrittenes Handelsabkommen: Französische Bauern protestieren gegen Mercosur-Vertrag

Landwirte machen mobil gegen den Wirtschaftspakt zwischen der EU und südamerikanischen Staaten. In 80 Départements sind Aktionen geplant.

Bild: Bauernproteste in Frankreich: „Manu, stopp Mercosur, das macht einen taub.“ Gemeint ist Präsident Emmanuel Macron

Parisdpa | Mit Traktorkolonnen haben französische Bauern gegen das geplante [1][Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur] demonstriert. „Wir sind gegen den Abschluss eines unausgewogenen Abkommens, das imstande ist, einen Teil der französischen Landwirtschaft zu zerstören“, sagte Arnaud Rousseau, Chef der Landwirtschaftsgewerkschaft FNSEA, der Zeitung La Tribune Dimanche. Das Abkommen müsse grundlegend geändert werden. [2][Es respektiere das Pariser Klimaabkommen und gleiche Produktionsbedingungen nicht.]

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ist derzeit auf einer mehrtägigen Reise in Lateinamerika. Nach einem Gespräch mit dem argentinischen Präsidenten Javier Milei sagte Macron, er habe klargemacht, dass Frankreich das Abkommen in seiner jetzigen Form nicht unterschreiben werde. Macron gehört in der EU zu den schärfsten Kritikern des umstrittenen Vertrags.

Mit dem Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur-Bündnis mit seinen Mitgliedsstaaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay würde eine der weltweit größten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen. Es soll vor allem Zölle abbauen und damit den Handel ankurbeln.

Schon zu Jahresanfang hatten Frankreichs Landwirte ihren Unmut kundgetan. [3][Sie demonstrierten tagelang] vor allem mit Autobahnblockaden gegen sinkende Einnahmen, Umweltvorschriften aus Brüssel und ihrer Meinung nach zu viele Vorgaben. Die damalige Regierung sagte ihnen umfassende Hilfen zu.

Weitere Demonstrationen

Rousseau zufolge wurde davon nur ein geringer Teil umgesetzt. Die Bauern hätten das Gefühl, der bisherige Protest habe nicht die erhofften Erfolge gebracht. Auch deshalb wollen sie nun erneut Druck auf die Regierung ausüben.

Die Gewerkschaften FNSEA und Jeunes Agriculteurs haben für Montag und Dienstag zu landesweitem Protest aufgerufen. Der Zeitung Le Parisien zufolge sind in 80 der rund 100 französischen Départements Aktionen geplant.

18 Nov 2024

[1] /Mercosur/!t5295520

[2] /EU-Mercosur-Handelsabkommen/!5994331

[3] /Regierung-macht-Zugestaendnisse/!5989838

TAGS

Mercosur

Schwerpunkt Emmanuel Macron

Landwirtschaft

Schwerpunkt Frankreich

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

Mercosur-Deal: Aus der Zeit gefallen

Das Abkommen fokussiert sich zu sehr auf den Freihandel und zu wenig auf Klima- und Umweltschutz. Für einen Neustart ist es noch nicht zu spät.

Neue Freihandelspläne mit Mercosur: Bauern gegen Autoindustrie

Erneut demonstrieren französische Landwirte, um den Handelsvertrag mit südameri­kanischen Staaten zu stoppen, der im Dezember kommen könnte. Doch die Autoindustrie will den Deal.

Mercosur-Verhandlungen in Paraguay: Milei bleibt Mercosur fern

Argentiniens Präsident fehlt beim Treffen der Mercosur-Staaten. Stattdessen schickt er seine Außenministerin, die zu viel „Regulierung“ beklagt.

Aufweichen der Agrarvorgaben: EU lockert Umweltschutz

Beim Treffen der EU-Agrarminister werden ökologische Vorgaben für die Landwirtschaft aufgeweicht. Bauern protestieren in Brüssel jedoch weiter.

Vereint gegen Freihandel: Frankreichs Senat lehnt CETA ab

Die Ratifizierung des Freihandelsabkommens ist in Frankreich damit zunächst gescheitert. Die Opposition fürchtet zu viel Konkurrenz aus Kanada.

Proxied content from gemini://taz.de/%216049613 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216049613
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.