taz.de -- Abstimmung über US-Militärhilfe geplant: Hoffnungsschimmer für die Ukraine

Nach monatelanger Blockade durch die Re­pu­bli­ka­ne­r*in­nen könnte in dieser Woche im US-Kongress über neue Militärhilfen entschieden werden.

Bild: Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, am 16.4. in Washington

Berlintaz | Nach Monaten der Blockade von Finanzmitteln und Militärhilfe für die Ukraine, Israel und den Indopazifik kommt Bewegung in das US-Repräsentantenhaus. Am Montagnachmittag (Ortszeit) kündigte dessen republikanischer [1][Sprecher Mike Johnson] an, noch in dieser Woche Abstimmungen in der Kammer anzusetzen – allerdings nicht über da[2][s im Februar vom Senat mit überparteilicher Mehrheit verabschiedete 95-Milliarden-Dollar-Paket] für alle Regionen, sondern getrennt: Ukraine, Israel, Taiwan.

Seit Oktober vergangenen Jahres hatte sich US-Präsident Joe Biden um die Hilfen bemüht. Dass Johnson die Abstimmung stets verweigerte, sorgte dafür, dass seit Ende des Jahres für die Ukraine [3][keine Hilfe mehr aus Washington] ankam, was sich im Frontverlauf im Osten des angegriffenen Landes auch klar widerspiegelt.

Anfangs hatten die Republikaner*innen gefordert, vor jeder weiteren Hilfe an die Ukraine müssten Investitionen in die Sicherung der US-Südgrenze vor dem Andrang von Migrant*innen aus Mittel- und Südamerika stehen. Und so sah [4][das ursprüngliche Pake]t, das vom Kongress verabschiedet werden sollte, neben rund 60 Milliarden US-Dollar für die Ukraine und 14 Milliarden für Israel auch mehrere Milliarden Dollar für die US-Grenzsicherung vor.

Da aber kam Ex-Präsident Donald Trump ins Spiel: Der machte bei Abgeordneten und Senator*innen seiner Partei Stimmung dafür, dem Paket auf keinen Fall zuzustimmen. Verbesserungen im Grenzschutz könnten ihn schließlich sein wichtigstes Wahlkampfthema kosten.

Problem: Andere Mehrheiten für unterschiedliche Pakete

Sollte Johnson darüber eine Abstimmung ansetzen – die womöglich mit einer überparteilichen Mehrheit gegen den Willen von Trump-Hardlinern gewonnen werden würde –, drohten Hardliner*innen wie die Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schon mit einem neuen Amtsenthebungsverfahren gegen den Sprecher. Den Antrag dafür hatte sie präventiv schon Ende März gestellt.

In mehreren Presseauftritten und in seiner [5][Rede zur Lage der Nation] im Kongress Anfang März flehte Präsident Biden das Abgeordnetenhaus an, endlich zu handeln. Die Welt schaue genau, was die USA täten und ob sie ihre Verbündeten im Stich ließen, sagte Biden.

Genau diese Formulierungen nahm Johnson selbst auf, auch wenn er das nach dem iranischen Angriff vom vergangenen Wochenende vor allem auf Israel bezog. „Wir wissen, dass die Welt beobachtet, wie wir reagieren“, sagte Johnson. „Wir haben auf der ganzen Welt Terroristen und Tyrannen und schreckliche Führer wie Putin und Xi und in Iran, und sie schauen, ob Amerika hinter seinen Verbündeten und seinen Interessen auf der Welt steht – und das werden wir.“

Unklar ist, wie die einzelnen Pakete genau aussehen werden, und wie die Mehrheiten dafür zustande kommen. Während die republikanische Rechte eigentlich kein Geld mehr für die Ukraine bereitstellen will, allenfalls auf Pump, sträubt sich der [6][progressive Flügel der Demokrat*innen], im Senat angeführt durch die linke Ikone Bernie Sanders, gegen weitere Militärhilfen für Israel. Sanders und wenige andere hatten auch dem ursprünglichen Gesamtpaket im Senat ihre Zustimmung verweigert – in der demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus ist dieser Flügel noch größer.

Für Mike Johnson ist es ein gewagter Schritt, den er diese Woche unternommen hat. Die Mehrheit der republikanischen Fraktion ist durch Todesfälle und Rücktritte derzeit auf eine einzige Stimme geschrumpft, intern ist die Fraktion zerstritten. Für unterschiedliche Finanzpakete wechselnde Mehrheiten zu suchen, braucht viel Erfahrung und Rückhalt. Beides hat Johnson nicht.

Allerdings: Auch für seine Abwahl bräuchte es, wie schon bei seinem Vorgänger [7][Kevin McCarthy], die Stimmen vieler Demokrat*innen. Es bleibt also kompliziert.

16 Apr 2024

[1] /Neuer-Speaker-im-US-Repraesentantenhaus/!5969006

[2] /US-Militaerhilfe-fuer-Israel-und-Ukraine/!5988968

[3] /Hilfe-laeuft-aus-/!5978484

[4] /Abstimmung-zu-US-Ukrainehilfen/!5991257

[5] /Joe-Bidens-Rede-zur-Lage-der-Nation/!5997005

[6] /Vorwahlen-in-den-USA/!5992245

[7] /Abwahl-von-McCarthy-im-US-Kongress/!5964436

AUTOREN

Bernd Pickert

TAGS

US-Wahl 2024

USA

Militär

Repräsentantenhaus

Schwerpunkt Nahost-Konflikt

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Republikaner

US-Kongress

Joe Biden

ARTIKEL ZUM THEMA

Bluttat in Murnau: Die Suche nach dem Motiv

Ein Russe soll in Bayern zwei ukrainische Soldaten getötet haben. Doch noch rätseln die Ermittler, ob das Blutbad einen politischen Hintergrund hat.

Abstimmung im US-Repräsentantenhaus: Ende der Blockadepolitik

Das US-Repräsentantenhaus verabschiedet neue Militärhilfe für die Ukraine. Alle Demokraten und eine Minderheit der Republikaner stimmen dafür.

Die Zukunft der Ukraine: Mehr Diplomatie oder mehr Waffen?

Während die BRD Hilfen für die Ukraine verstärkt, stehen Gelder aus den USA auf der Kippe. Doch eine Niederlage gefährdet die ganze westliche Welt.

Verteidigung Israels: Keine Blaupause für die Ukraine

Der Krieg in der Ukraine stockt. Eine gemeinsame Militäraktion der Verbündeten wie im Fall des jüdischen Staates ist unwahrscheinlich.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Habeck auf Kurzbesuch in Kyjiw

Der Wirtschaftsminister wirbt für deutsche Investitionen. Nach der Festnahme mutmaßlicher Spione bestellt das Auswärtige Amt Russlands Botschafter ein.

Gerichtsprozess gegen Trump: Anonym und unbefangen

Die ersten Geschworenen im New Yorker Strafprozess gegen Ex-Präsident Donald Trump sind gefunden. Das Verfahren könnte am Montag beginnen.

G7 zu weiteren Ukraine-Hilfen: Luftabwehr auf Capri

Die G7-Außenminister:innen ringen um Antworten für Nahost und die Ukraine. Vor allem neue Waffensysteme sollen bald kommen.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Waffen trotz Kongressblockade

Die USA schicken für 300 Millionen Dollar Waffen. Selenskyj kündigt Vergeltung für russische Raketenangriffe an. Treffer auf russische Ölraffinerien.

US-Militärhilfe für Israel und Ukraine: Trotz Erfolg in der Schwebe

Nach langen Verhandlungen beschließt der US-Senat ein 95-Milliarden-Dollar Hilfspaket für die Ukraine und Israel. Aufatmen kann Kyjiw aber noch nicht.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Selenski wirbt um US-Militärhilfe

US-Präsident Biden und Kanzler Scholz warnen vor schwindender Unterstützung für die Ukraine. Ein Drohnenangriff auf Charkiw fordert sieben Tote.

Proxied content from gemini://taz.de/%216001821 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216001821
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.