taz.de -- EU-Flüchtlingspolitik: Selten Rücknahme von Geflüchteten

Deutschland gelingt es laut einem Medienbericht kaum, Geflüchtete in andere EU-Staaten zurückzuschicken, wenn sie dort bereits Asyl beantragt haben.

Bild: Wegweiser im Eingangsbereich des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

Berlinafp | Deutschland scheitert oft an der Rückübernahme von [1][Flüchtlingen durch die EU-Länder], in denen diese bereits einen Asylantrag gestellt haben. Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berichtet, stellte die Behörde im vergangenen Jahr 68.709 Rückübernahme-Ersuchen an andere Länder. Nur 4.158 Personen wurden zurückgenommen.

Grundlage für die europäische Asylgesetzgebung sind derzeit die sogenannten Dublin-Regeln. Nach ihnen ist normalerweise der Staat für Asylanträge zuständig, in dem ein Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. Reist der Flüchtling nach seiner Ankunft in der EU weiter und stellt in einem anderen Land erneut einen Antrag auf Asyl, kann er in das Erstaufnahmeland zurückgeschickt werden.

Dem Bericht der Bild zufolge hat die Zahl der deutschen Ersuchen auf eine Rückübernahme im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert seit Inkrafttreten der aktualisierten Dublin-Regeln im Jahr 2014 erreicht: Er lag 62,5 Prozent höher als 2021 (42.284). Die Rücknahmequote lag dagegen dem Bericht zufolge mit 6,05 Prozent so niedrig wie nie zuvor.

Deutschland hat nach Angaben der Bild seit 2014 insgesamt 444.849 Anträge auf Rückübernahme an andere Länder gestellt. Tatsächlich zurückgenommen wurden aber nur 46.838 Personen.

Insbesondere die Zahlen [2][aus Griechenland] und Italien sind auffällig. Im Jahr 2021 etwa stellte Deutschland 10.427 Rücknahme-Ersuchen an Griechenland, tatsächlich zurückgeführt wurde jedoch lediglich ein Flüchtling. Italien sollte 6.623 Flüchtlinge zurücknehmen, tatsächlich kehrten nur 287 zurück.

16 Jan 2023

[1] /Europas-Grenzschutz/!5900923

[2] /Frontex-Chef-tritt-ab/!5849366

TAGS

EU-Politik

Flüchtlinge

Migration

Schwerpunkt Flucht

Asylpolitik

ARTIKEL ZUM THEMA

Skandalöse Flüchtlingsunterbringung: Willkommen im Wartesaal

Geflüchtete machen dem überfüllten Ankunftszentrum im niedersächsischen Bramsche-Hesepe schwere Vorwürfe: Die Zustände seien unhaltbar.

Asyl für Ira­ne­r*in­nen: Kein bisschen besser geschützt

Das iranische Regime geht brutal gegen die Protestierenden im Land vor. Auf deutsche Asylentscheidungen hat das bisher offenbar keinen Einfluss.

Unterbringung von Geflüchteten: Ankunftszentrum überlaufen

Geflüchtete warten wochenlang auf ihre Registrierung, weil das Landesamt nicht hinterherkommt. Der Flüchtlingsrat kritisiert Versorgungsmangel.

Proxied content from gemini://taz.de/%215908807 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215908807
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.