Die Linkspartei ist am vergangenen Wochenende krachend gescheitert. Die Gründe? Eine fehlende Vision, Sahra Wagenknecht und kein Plan.
Bild: Wenn es um den fehlenden Linksrutsch geht, zeigen viele mit dem Finger auf sie: Sahra Wagenknecht
Die Bundestagswahl ist gelaufen und ich warte immer noch ungeduldig auf den versprochenen Linksrutsch. Zwar sind Parteien nicht die Akteure meiner Wahl, um einen progressiven Wandel der Gesellschaft maßgeblich anzutreiben, but I take what I can get. Bekommen hat Deutschland am Wochenende eine Linkspartei, die bei 4,9 Prozent landete und nur Dank drei errungener Direktmandate in Berlin und Leipzig eine [1][Minifraktion im Bundestag] stellen kann. Was ist da nur schiefgelaufen?
Naheliegend ist hierbei, auf die prominenteste Figur der Partei zu schauen: [2][Sahra Wagenknecht] meldet sich seit dem Wahldebakel der Linken, aber auch generell sehr gerne zu Wort, sie bekommt dafür oft eine Bühne und spricht dann herablassend über „Lifestyle-Linke“, spielt (in ihren Worten) „skurrile Minderheiten“ gegen den deutschen Arbeiter aus und kuschelt rhetorisch mit außen rechts. Wagenknecht lässt progressive Wähler*innen zweifeln und verzweifeln. Genauso wie Parteimitglieder, die antifaschistische wichtige Oppositionsarbeit geleistet haben. Auf jeden Fall holte sie als Spitzenkandidatin in Nordrhein-Westfalen mit 3,7 Prozent der Stimmen nur halb so viele wie vor vier Jahren. Sie ist also nicht qualifiziert, neutral auf das Desaster ihrer Partei zu blicken, wie sie es eben gerne tut. Die Linke ist mit und wegen Sahra Wagenknecht untergegangen.
Aber was hat abgesehen von der deutschen [3][Sarah Palin] (und der stabil hässlichen Gestaltung der Linken-Plakate) eigentlich die Wähler*innen in Deutschland dazu bewegt, sich von der selbsternannten Partei der sozialen Gerechtigkeit abzuwenden? Wie kann es sein, dass rund 820.000 ehemalige Wähler*innen der Linken diesmal ausgerechnet zur SPD gewandert sind? Zu jener Partei, die mit der Agenda 2010 die Linke überhaupt in Stellung gebracht hat? Warum konnte diese Linke nicht davon profitieren, dass viele Menschen in Deutschland soziale Gerechtigkeit als eins der wichtigsten Themen angeben?
Wo sind die Konzepte?
Es fehlte der Linken diesmal definitiv eine mitreißende Vision, die eine solidarische Gesellschaft nicht nur als Utopie erscheinen lässt. Zu Recht analysieren die ersten Beobachter*innen, dass es nicht reicht, einfach einen Euro mehr Mindestlohn als die SPD zu versprechen. Wo bleibt da der Plan für eine solidarische Gemeinschaft, in der niemand mehr vom Kapital ausgebeutet wird? Wo sind die Konzepte, um genug [4][bezahlbaren Wohnraum] zur Verfügung zu stellen?
Um eine diskriminierungsfreie Gesellschaft zu ermöglichen, die Menschen nicht aufgrund der Hautfarbe, der sozialen Herkunft oder des Geschlechts ausschließt? Wo hat mal die Linkspartei klar gesagt, wie die Lebensverhältnisse zwischen Ost und West angeglichen werden können? Hier und da ist das vielleicht passiert: eine stringente und sinnvolle Erzählung einer echten linken Politik fehlte aber.
Ich werde wohl auf diesen ominösen Linksrutsch weiter warten müssen. Mal schauen, ob er 2025 über uns hereinbrechen wird.
30 Sep 2021
LINKS
[1] /Katja-Kipping-ueber-Linken-Absturz/!5800260
[2] /Sahra-Wagenknecht/!t5013304
[3] https://www.independent.co.uk/news/world/americas/sarah-palin-covid-vaccine-cdc-b1922702.html
[4] /Wohnungslos-trotz-Job/!5794140
AUTOREN
Mohamed Amjahid
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
Die Linke
Kolumne Die Nafrichten
Sahra Wagenknecht
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