taz.de -- Verletzte bei Demo gegen AfD-Parteitag: Parteitagsbesucher fährt in Demo

Ein Besucher des Hamburger AfD-Landesparteitags verletzte mehrere Demonstrant*innen mit seinem Auto. Ein Video dokumentiert den Vorfall.

Bild: Bald darauf gab es Verletzte: Demo gegen den AfD-Landesparteitag am 15. November in Hamburg

Hamburgtaz | Von Protest begleitet, hat sich am Sonntag die AfD in Hamburg zum Landesparteitag getroffen. Während sie drinnen Bernd Baumann zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl kürten, lenkte draußen ein Mann seinen Wagen in die Demo.

Das Hamburger Bündnis gegen rechts hatte zu einer Kundgebung mobilisiert und rund 50 Demonstrierende stellten sich den Parteitagsgästen in den Weg. In den Händen Transparente, auf denen beispielsweise “Ekel-HAfD“ stand. Laut Polizei kam es zu „Schubsereien“. Auf Twitter schimpfte die AfD, dass „die Polizei“ die Einfahrt zum Gelände „vor Blockaden“ hätte schützen müssen, „Anreisende wurden von ‚der Antifa‘ angeschrien und beleidigt“.

Gegen den Fahrer eines Wagens laufen Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Demonstrierende hatten dem Wagen, mit dem offenbar ein AfD-Mitglied die Veranstaltung hatte verlassen wollen, den Weg versperrt. Der Fahrer des Wagens gab Gas und traf mit seinem Fahrzeug eine Person. Ein 6-Sekunden-Handy-Film dokumentiert die Szene. Mehrere Personen seien verletzt worden, teilten die Demonstrierenden mit.

Bereits am Sonntag hatte ein Polizeisprecher dem NDR gesagt, dass nur „eine Person verletzt“ worden sei, und dargelegt, dass „ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienst Pfefferspray“ eingesetzt hätte. In dem kurzen Video ist allerdings ein uniformierter Mann zu sehen, dessen weißer Helm am Gürtel hängt und auf dessen Rücken in Weiß in Großbuchstaben Polizei steht. Im Video ist weiter zu verfolgen, wie der Wagen einfach weiterfährt.

Wie in Henstedt-Ulzburg

Dieser Zwischenfall wurde von der AfD nicht kommentiert – weder via Twitter noch auf ihrer Website. Dort verkündeten sie bloß, dass die über 100 anwesenden Mitglieder „unter Einhaltung der Hygieneregeln“ mit „über 85 Prozent“ der Stimmen Bernd Baumann zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt haben. Gefolgt von der AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Olga Petersen und der AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bezirk Hamburg-Mitte, Nicole Jordan, auf Platz 2 beziehungsweise 3.

Der Vorfall erinnert an einen [1][Angriff mit einem Wagen nach einer AfD-Veranstaltung in Henstedt-Ulzburg]. Am 17. Oktober fuhr am Ende der Veranstaltung in Schleswig-Holstein ein Fahrer gezielt auf den Gehweg und gab Gas, um Gegendemonstranten anzufahren. Die Ermittlungen liefen zuerst nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Mittlerweile, auch nachdem die taz einen Betroffenen zitierte, wird nun auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

17 Nov 2020

[1] /Vorfall-nach-einer-AfD-Veranstaltung/!5719987

AUTOREN

Andreas Speit

TAGS

AfD Hamburg

Schwerpunkt AfD

Polizei Hamburg

Rechtsextremismus

Demonstrationen

Rechte Gewalt

ARTIKEL ZUM THEMA

Nach Angriff bei Demo gegen die AfD: Anklage gegen Auto-Attentäter

Die Attacke auf eine AfD-Gegendemo im Oktober sei versuchter Totschlag gewesen, befindet die Kieler Staatsanwaltschaft. Sie hat nun Anklage erhoben.

Verbindung der AfD zu Auto-Attentäter: Man kennt sich von Insta

Mit dem Fahrer der Auto-Attacke gegen Antifaschist*innen in Henstedt-Ulzburg will die AfD nichts zu tun haben. Aber online gibt es Verbindungen.

Studie zu rechten Einstellungen: Erschreckend autoritär

Rechte Einstellungen sind in Deutschland weit verbreitet, zeigt eine Studie der Uni Leipzig. Sie enthält zum ersten Mal auch Zahlen zu Antifeminismus.

Berichterstattung über Angriff per Auto: Falsch abgeschrieben

Die Polizei bezeichnete die Attacke auf eine AfD-Gegendemonstrantin als „Verkehrsunfall“. Viele Medien haben das einfach übernommen.

Vorfall nach einer AfD-Veranstaltung: Angriff mit dem Auto

Nach dem Besuch einer AfD-Veranstaltung fuhr ein Mann Gegendemonstrant*innen an. Gezielt, so ein Betroffener. Die Polizei stellt das anders dar.

Proxied content from gemini://taz.de/%215729245 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215729245
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.