taz.de -- Mutmaßlich rechtsextremer Verein Uniter: Verfassungsschutz nahm Hinweise nicht ernst

Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern soll Informationen über den Verein Uniter zurückgehalten haben.

Bild: Das Schloss in Schwerin, Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern

Berlintaz | Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern hat offenbar Informationen über den [1][mutmaßlich rechtsextremen Verein Uniter] zurückgehalten. [2][Nach Informationen der taz] hat das Innenministerium den Landtag in Schwerin nicht darüber informiert, dass er bereits seit Herbst 2018 detaillierte Informationen über den Verein vorliegen hatte, konkret sogar über einen Polizisten aus dem Bundesland, der Uniter-Mitglied war. Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt Uniter inzwischen als Verdachtsfall, also auf einer Stufe mit der [3][AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative] und der Ein-Prozent-Bewegung.

Die taz beruft sich bei ihren Recherchen unter anderem auf Aussagen eines Hinweisgebers aus dem Verein, der eidesstattlich versichert, dass er sich mehrfach mit Verfassungsschutzmitarbeitern getroffen und Dateien mit Informationen über Uniter übergeben habe. Der taz ist der Name des Hinweisgebers bekannt.

Der Landesverfassungsschutz wusste demnach nicht nur früh über bundesweite Verbindungen des Vereins Bescheid, sondern auch darüber, dass ein Polizist aus Wismar sich im Verein engagierte und dort Selbstverteidigungstrainings anbot. Darüber hinaus hatte er als Kampfsporttrainer Kontakt zu einem Ex-Agenten einer Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Inzwischen läuft gegen den Polizisten ein Disziplinarverfahren.

Der Hinweisgeber hat sich nun auch an den SPD-Abgeordneten Dirk Friedriszik gewandt, der in der Parlamentarischen Kontrollkommission des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern sitzt. Friedriszik sagt der taz: “Ich bin mehr als verwundert darüber, dass gewählte Parlamentarier nicht informiert worden sind. Ich habe nachgefragt, aber uns sind keine Informationen zugekommen.“ Und weiter: “Offensichtlich weiß der Verfassungsschutz viel, aber es passiert nichts. Es reicht nicht, Informationen zu sammeln, sie aber nicht zu verwenden, um Extremismus auch aktiv zu bekämpfen.“

Eine Sprecherin des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern teilte auf taz-Anfrage mit: „Sie können davon ausgehen, dass den parlamentarischen Unterrichtungsverpflichtungen nachgekommen wird.“ Zu operativen Angelegenheiten des Verfassungsschutzes werde grundsätzlich keine Auskunft erteilt.

Erst kürzlich hatten WDR und SZ darüber berichtet, dass Informationen zum [4][Fall Anis Amri] dem Landesverfassungsschutz in Schwerin übergeben wurden, dort aber offenbar liegen blieben. Damit befasst sich nun auch der Untersuchungsausschuss zum Breitscheidplatz-Anschlag im Bundestag.

Die [5][taz-Recherche in Langfassung] erscheint am Dienstagabend auf [6][taz.de] und am Mittwoch in der Printausgabe.

28 Jul 2020

[1] /Rechtsextreme-in-Bundeswehr/!5693515

[2] /Verfassungsschutz-ignoriert-Hinweise-zu-rechtem-Netzwerk/!5704654

[3] /Radikale-Rechte-gegen-Verfassungsschutz/!5652401

[4] /Neue-Erkenntnisse-zum-Breitscheidplatz/!5669920

[5] /Verfassungsschutz-ignoriert-Hinweise-zu-rechtem-Netzwerk/!5704654

[6] http://taz.de

AUTOREN

Christina Schmidt

Sebastian Erb

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Verfassungsschutz

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