taz.de -- SPD-Politiker über sein Direktmandat: „Erklären kann ich das auch nicht“

Matthias Hey hat in Thüringen das einzige SPD-Direktmandat gewonnen. In Gotha führt er ein Bürgerbüro wie ein „Modegeschäft“. Sein Erfolgsrezept?

Bild: Matthias Hey, Fraktionvorsitzender der SPD im Thüringer Landtag

taz: Herr Hey, Sie haben in Thüringen das einzige Direktmandat für die SPD gewonnen – mit 38 Prozent der Erststimmen in Gotha. Wie haben Sie das gemacht?

Matthias Hey: Wenn ich wüsste, wie das geht, würde ich das in Dosen füllen und ins Willy-Brandt-Haus schicken.

Haben Sie gar keine Ahnung?

Hier in Gotha hat unser Laden das Laufen gelernt. Der Tivoli steht hier, wo 1875 der Vorläufer der SPD gegründet wurde. Der Tivoli ist quasi das sozialdemokratische Stonehenge.

Das ist ja eine Weile her …

Klar. Und soweit ich weiß, bin ich der einzige Landtagsabgeordnete, der ein Bürgerbüro direkt am Markt im Herzen der Stadt hat, das jeden Tag von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist. Wie ein Modegeschäft. Ich bin oft hier, engagiere mich in Vereinen und kümmere mich. Vielleicht gefällt den Bürgern das.

Ein aktives Bürgerbüro haben auch andere SPD-Politiker. Nur 16 Prozent haben in Ihrem Wahlkreis SPD gewählt, aber mehr als doppelt so viel Sie. Warum?

So richtig erklären kann ich mir das auch nicht. Da müssen Sie die Leute fragen, die mich gewählt haben. Was hilft, ist auch mal auf gedrechselte Reden zu verzichten.

Warum hat die SPD in Thüringen insgesamt so mies abgeschnitten?

Wir konnten den Trend im Bund nicht stoppen.

Also ist die SPD in Berlin schuld?

Im Wahlkampf haben mich 2 von 10 Bürgern und Bürgerinnen nach Landespolitik gefragt und 8 nach Bundespolitik. Und die 8 waren unzufrieden. Die Große Koalition ist zweifellos mitverantwortlich für das Ergebnis in Thüringen, auch für das schlechte Abschneiden der CDU. Die Große Koalition in Berlin ist unbeliebt und zieht jetzt auch die CDU mit in ihren negativen Sog.

29 Oct 2019

AUTOREN

Stefan Reinecke

TAGS

Schwerpunkt Landtagswahlen

Schwerpunkt Thüringen

SPD

Schwerpunkt Landtagswahl Thüringen

Wahlen in Ostdeutschland 2024

Direktmandat

ARTIKEL ZUM THEMA

Nach dem CDU-Debakel in Thüringen: Frontaler Angriff auf Merkel

Friedrich Merz nörgelt mal wieder. Er fordert ein Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel und nennt das Erscheinungsbild der GroKo „grottenschlecht“.

Landtagswahl in Thüringen: CDU marginalisiert Frauen

Der Frauenanteil im Landesparlament schrumpft auch dieses Jahr. „Rekordhalter“ ist die CDU: Dort sind von den 21 Abgeordneten nur zwei weiblich.

Zusammenarbeit CDU und Linke: Vom Feind zum Freund

Das, was nach der Landtagswahl in Thüringen heiß diskutiert wird, ist auf kommunaler Ebene längst Alltag: Die Zusammenarbeit von Linke und CDU.

Nach der Landtagswahl in Thüringen: Es wird kompliziert

Wahlsieger in Thüringen ist Ministerpräsident Ramelow mit den Linken. Doch wichtig ist: Ist die CDU bereit, den linken Regierungschef zu stützen?

Proxied content from gemini://taz.de/%215636457 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215636457
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.