taz.de -- AfD-Gruppe störte in KZ-Gedenkstätte: Geldstrafe rechtskräftig

Als im Juli 2018 AfD-Anhänger die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen besuchten, verharmloste ein Gast die Nazi-Verbrechen. Er muss nun 4.000 Euro zahlen.

Bild: Ein Teil der Besuchergruppe von Weidel hatte die Tour in der Gedenkstätte massiv gestört

Oranienburgepd | Wegen Volksverhetzung und Störung der Totenruhe in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen muss ein 69-jähriger Mann aus der Bodenseeregion 4.000 Euro Geldstrafe zahlen. Der Einspruch gegen den Strafbefehl sei zurückgenommen worden, teilte das Amtsgericht Oranienburg am Dienstag mit. Die Geldstrafe sei damit rechtskräftig, eine Hauptverhandlung werde es nicht geben. (AZ: 18 Cs 114/19)

Der Mann war im Juli 2018 mit einer AfD-Besuchergruppe in Sachsenhausen und hatte dabei [1][die Existenz von Gaskammern unter dem NS-Regime angezweifelt]. Die Gruppe war auf Einladung von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel in der Region und wurde [2][wegen massiver Störungen der Gedenkstätte verwiesen].

Der Prozess gegen den Mann war am 8. Oktober zunächst geplatzt, weil der Angeklagte nicht erschienen war und eine ordentliche Ladung nicht nachgewiesen werden konnte. Am Folgetag sei dann bei Gericht eine Mitteilung mit Datum vom 30. September über eine schwere Erkrankung des Angeklagten sowie dessen Reise- und Verhandlungsunfähigkeit eingegangen.

Damit stehe auch fest, dass der Mann die Ladung zu dem Gerichtstermin rechtzeitig erhalten habe, betonte das Gericht. Die Zustellungsurkunde war nicht beim Gericht eingegangen. Deshalb konnte bei der Verhandlung am 8. Oktober keine Entscheidung getroffen werden.

Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben auf andere Weise. 1942 wurde in Sachsenhausen eine Vernichtungsanlage mit Krematorium, Genickschussanlage und später eingebauter Gaskammer errichtet.

16 Oct 2019

[1] /Eklat-in-KZ-Gedenkstaette-Sachsenhausen/!5533767

[2] /Gedenkstaettenleiter-ueber-rechte-Besucher/!5588946

TAGS

Alice Weidel

Schwerpunkt AfD

Konzentrationslager

Gedenkstätte

Sachsenhausen

Volksverhetzung

ARTIKEL ZUM THEMA

Wer ist ein guter Migrant?: Scheitern dürfen

Ein AfD-Politiker hat Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind, als „Gesindel“ bezeichnet. Daran erinnert eine Aktion im Netz. Und nun?

Meuthen im ZDF zum Anschlag von Halle: Der langweiligste Interviewpartner

Es brennt und die geistigen Brandstifter erklären im Fernsehen ihre Unschuld. Egal wie souverän das Interview geführt wird, das ist nicht hilfreich.

Gedenkstättenleiter über rechte Besucher: „Hier ist es passiert“

Axel Drecoll leitet die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. In Sachsenhausen hatte eine rechte Besuchergruppe für einen Skandal gesorgt.

Gedenken an den Holocaust: AfD in Gedenkstätte unerwünscht

Die Stiftung Buchenwald verbittet sich AfD-Teilnehmer. Außenminister Maas warnt: „Erinnerungskultur steht unter Druck von extremen Rechten.“

Proxied content from gemini://taz.de/%215634336 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215634336
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.