taz.de -- Kommentar Nordkorea-Sanktionen: USA erfolgreich gestoppt
Es ist gut, dass die USA sich mit ihrer Forderung nach einem kompletten Lieferstopp für Öl nicht durchsetzen konnten. Ein Flächenbrand wäre die Folge gewesen.
Bild: Kim Jong Un ist vermutlich auch mit einem vollständigen Ölembargo nicht umzustimmen
Der Weltsicherheitsrat hat neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt – bereits zum siebten Mal. Anlass dafür ist Nordkoreas Nukleartest vergangener Woche, bei dem es sich um die bislang mit Abstand stärkste Explosion handelte – womöglich gar einer Wasserstoffbombe.
Keine Frage: Die Weltgemeinschaft musste darauf reagieren. Denn mit der Weiterentwicklung seines Atomwaffenprogramms verstoßen Kim Jong Un und sein Regime immer weiter gegen UN-Resolutionen. Zugleich ist es aber richtig, dass sich die USA nicht mit ihrer Forderung nach einem totalen Öl-Embargo durchsetzen konnten. Denn das hätte den Konflikt noch sehr viel gefährlicher gemacht. Nun wird die Ölzufuhr lediglich eingeschränkt.
Öl ist die Lebensader eines jeden Landes. Ein Totalembargo wäre schmerzhaft für Nordkorea – jedoch nicht so sehr für das Militär, sondern für die Bevölkerung. Das Regime ist ja nicht dumm, es hat mit Vorräten längst vorgesorgt. Sein Atomwaffenprogramm könnte es unbeirrt fortführen.
Sehr viel härter hätte ein Ölembargo die Menschen getroffen. Sie brauchen Öl für Bewässerungsysteme und für die Landwirtschaft. Nach nur wenigen Wochen Lieferstopp würde sich das Leben für die Bevölkerung so sehr verschlimmern, dass sie in ihrer Verzweiflung eher den Anweisungen der Führung folgten, als gegen das Regime aufzubegehren.
Zumindest waren das die Erfahrungen, die die Welt mit Japan im Zweiten Weltkrieg machen musste. Damals stachelte ein weltweites Ölembargo die Japaner so sehr auf, dass das Militär unter dem Jubel der Bevölkerung Pearl Harbour angriff.
Aus Furcht vor einer ähnlichen Radikalisierung haben China und Russland ein Totalembargo gegen Nordkorea erfolgreich verhindert Das war gut so. Ein Flächenbrand von globalem Ausmaß wäre ansonsten die Folge gewesen. Und das kann und sollte keiner wollen.
12 Sep 2017
AUTOREN
Felix Lee
Atomabkommen
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