taz.de -- Kommentar Guantánamo-Schließung: Obamas Alibiplan

Der Schutz der Menschenrechte hat wegen des Gefangenenlagers Schaden genommen. Obamas Vorstoß wird daran nichts ändern.

Bild: Waterboarding ist inzwischen abgeschafft, dafür hat Obama den Krieg mittels Drohnen ausgebaut.

US-Präsident Barack Obama weiß ganz genau, dass er eines seiner stärksten Wahlversprechen nicht mehr wird einlösen können. Als erste Amtshandlung überhaupt hatte er im Januar 2009 die Schließung des Gefangenenlagers in Guantánamo angeordnet. Doch daraus wurde nichts. Das Gefängnis besteht bis heute.

Jetzt versucht Obama [1][ein letztes Mal], das Lager doch noch dicht zu bekommen. Einen entsprechenden Plan hat er dem Kongress vorgelegt. Ein Teil der noch 91 Insassen soll freigelassen werden, der Rest in bestimmte Hochsicherheitsgefängnisse auf US-Territorium überführt werden. [2][Noch einmal] hat Obama alle Argumente aufgezählt, die schon seit bald 15 Jahren gegen Guantánamo sprechen. Vergebens. Aus dem Kongress kam ein sofortiges, unmissverständliches Nein.

Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Wahljahre sind für vernünftige Entscheidungen schon immer schlecht gewesen. Die Republikaner allerdings befinden sich in dieser Hinsicht immer im Wahlkampf. Immer größere Teile ihrer Vertreter und Basis sind rationalen Argumenten in etwa so zugänglich wie hierzulande Anhänger der Chemtrail-Theorie. Die diesjährigen Vorwahlen sind dafür ein beeindruckender Beleg – es geht immer noch irrer.

Der Schaden für den internationalen [3][Schutz der Menschenrechte] setzt sich dabei unvermindert fort. Was die USA sich herausnehmen, kopieren und perfektionieren andere mit Freude. Obama hat in seiner Amtszeit einen Teil der schwersten Verbrechen im Rahmen des „Kriegs gegen den Terror“ abstellen können, etwa die [4][Folter] durch Waterboarding. Andere hat er wiederum ausgebaut, etwa die Hinrichtung mutmaßlicher Terroristen per Drohnenkrieg.

Obamas neuer Plan ist kaum mehr als ein Alibi, ein Tätigkeitsnachweis ohne Wirkung. Der Präsident will sagen können, er habe es wirklich versucht, die anderen seien schuld gewesen. Das stimmt ein bisschen. Nutzen wird es niemandem.

24 Feb 2016

[1] http://www.taz.de/Ende-von-Guantanamo/!5281436/

[2] http://www.taz.de/Verteidigungsetat-in-den-USA/!5255566/

[3] http://www.taz.de/Kommentar-Urteil-zu-CIA-Gefaengnissen/!5036941/

[4] http://www.taz.de/Bericht-aus-Guantanamo/!5020184/

AUTOREN

Bernd Pickert

TAGS

Guantanamo

Barack Obama

USA

ARTIKEL ZUM THEMA

Freilassung aus Guantanamo: Da waren es noch 39

Erstmals unter US-Präsident Biden kommt ein Guantanamo-Häftling frei. Der Marokkaner Abdellatif Nacer sitzt nun in der Heimat in Gewahrsam.

Trump erwägt Folter bei Verhören: „Feuer mit Feuer bekämpfen“

Der US-Präsident kann sich vorstellen, im Kampf gegen den Terror wieder brutale Verhörmethoden zuzulassen. Folter funktioniere, habe er gehört, sagt Trump.

US-Gefangenenlager Guantánamo: Saudi-Arabien nimmt Häftlinge auf

Neun jemenitische Guantánamo-Gefangene wurden am Samstag nach Saudi-Arabien ausgeflogen. 80 Menschen werden dort noch immer festgehalten.

Justizirrtum im US-Bundesstaat Virginia: Nach 33 Jahren frei

Der Oberste Gerichtshof widerrief sein Urteil nach einer DNA-Probe. Dem Angeklagten waren fälschlicherweise Mord und Vergewaltigung vorgeworfen worden.

Ende von Guantanamo: Obamas letzter Anlauf

US-Präsident Obama unternimmt noch einen Versuch zur Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo. Er könnte jedoch im Kongress scheitern.

US-Gefangenenlager Guantánamo: Wieder zwei frei

Zwei Jemeniten werden aus dem Gefängnis entlassen und von Ghana übernommen. Das Land gewährt ihnen Asyl, ihr Aufenthalt ist aber auf zwei Jahre begrenzt.

Verwechslung eines US-Häftlings: Aus Versehen 13 Jahre in Guantánamo

Ein Häftling des Gefangenenlagers Guantánamo wurde offenbar mit einem wichtigen Mitglied von al-Qaida verwechselt. Er saß deshalb 13 Jahre in Haft.

Verteidigungsetat in den USA: Obama unterschreibt

Der US-Präsident ist „tief enttäuscht“, dass die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo erschwert wird. Dennoch bringt er den Verteidigungsetat auf den Weg.

Geplante Schließung von Guantánamo: US-Senat durchkreuzt Obamas Pläne

Präsident Obama will das umstrittene Gefangenenlager in Kuba schließen. Eine große Mehrheit des Senats hat das jetzt untersagt.

Proxied content from gemini://taz.de/%215278053 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215278053
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.