taz.de -- EU-Kommission erlaubt Einfuhr: Genmais nach Europa

Gentechnisch veränderte Sojabohnen, Nelken, Raps und andere Pflanzen werden auf den europäischen Markt geworfen. Die EU erteilt die Zulassungen für zehn Jahre.

Bild: Diese Bio-Sojapflanze mit Bohne kann bald Konkurrenz bekommen

BRÜSSEL dpa | Die EU-Kommission erlaubt die Einfuhr von 19 gentechnisch veränderten Pflanzen und Früchten nach Europa. Es geht um Mais, Sojabohnen, Raps und Baumwolle zur Verwendung in Lebens- und Futtermitteln sowie um zwei Nelkensorten. Zehn davon wurden neu zugelassen, für den Rest wurden am Freitag geltende Genehmigungen erneuert.

Die Zulassungen gelten für zehn Jahre und nur für die Vermarktung, aber nicht für den Anbau der Pflanzen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte die genveränderten Pflanzen zuvor für unbedenklich erklärt. Die EU-Kommission gab grünes Licht, nachdem unter den EU-Ländern keine ausreichenden Mehrheiten dafür oder dagegen zustande gekommen waren.

Die Brüsseler Behörde hat diese Woche vorgeschlagen, das Verfahren zu ändern und den Staaten mehr Spielraum für nationale Verbote zu geben. Landwirte, die Biotech-Branche und Umweltschützer hatten die Pläne kritisiert, weil sie aus ihrer Sicht keine Rechtssicherheit schaffen.

Der belgische Grünen-Europaabgeordnete Bart Staes nannte die Entscheidung vom Freitag zynisch. „Die europäischen Bürger wollen keine genetisch veränderten Organismen. Die Kommission muss aufhören, diese Tatsache zu ignorieren.“ Die Umweltschutzorganisation Greenpeace unterstellte, die Brüsseler Behörde habe bei der Entscheidung die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den USA im Hinterkopf gehabt. „Dies ist TTIP in Aktion.“

24 Apr 2015

TAGS

EU-Kommission

Pflanzen

Soja

Mais

Schwerpunkt Gentechnik

Europäische Union

ARTIKEL ZUM THEMA

Protest gegen Saatgutfabrik in Argentinien: Anwohner stoppen Monsanto

Der US-Konzern Monsanto räumt eine Baustelle in der argentinischen Provinz Córdoba. Grund sind nicht nur die andauernden Proteste.

Gentech-Food durch die Hintertür: Gentechnik reloaded

Mit neuen Entwicklungen versucht die Industrie, ihre Gentech-Früchte doch auf den Teller zu bringen. Die Verbraucher sollen davon nichts merken.

Kommentar TTIP-Handelsgericht: Gabriel will nur minimalen Fortschritt

Der Kompromissvorschlag von Wirtschaftsminister Gabriel streicht einige Nachteile der Schiedsgerichte. Aber auch er will eine Paralleljustiz für Konzerne.

Verhandlungen um TTIP: Nicht ganz einig

Bei der neunten Gesprächsrunde um das transatlantische Freihandelsabkommen zeigen sich die Teilnehmer zwar zuversichtlich. Was dabei rumkam, bleibt aber unklar.

Studie zum Flug von Maispollen: „Größere Abstände zu Genmais“

Eine Studie zeigt: Pollen von Mais – also auch gentechnisch verändertem – fliegen nicht 25 Meter weit, wie man bisher dachte. Sondern vier Kilometer. Mindestens.

Anbauverbote für Gentech-Pflanzen: Flickenteppich befürchtet

Agrarminister Schmidt will für Genpflanzen eine Regelung auf Länderebene, weil diese „rechtssicherer“ sei. Nicht nur das SPD-geführte Umweltministerium widerspricht.

Genetisch veränderte Lebensmittel: Kosmetik für Äpfel

Die USA lassen Gen-Äpfel zu, die nicht braun werden. Damit könne die Lebensmittelverschwendung eingedämmt werden – sagt der Hersteller.

Gentechnik-Anbau in der EU: Jetzt macht jeder seins

Das EU-Parlament beschließt mehr Rechte für Staaten, Pflanzen auf ihrem Gebiet zu verbieten. Die Grünen befürchten nun mehr Zulassungen.

Proxied content from gemini://taz.de/%215010916 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215010916
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.