taz.de -- Studie zu Pestiziden: Gift in der Kaffeetasse
Wer konventionellen Kaffee kauft, muss mit Pestizidrückständen rechnen, die in der EU verboten sind. Die schlimmsten Folgen erleiden die Bäuer*innen.
Bild: Verbotene Pestizide im Kaffeeanbau: Umweltorganisationen kritisieren Risiken für Mensch und Umwelt
Insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe werden in der Kaffeeproduktion eingesetzt, über die Hälfte davon sind in der Europäischen Union verboten. Das ist das Ergebnis eines [1][am Donnerstag veröffentlichten Berichts] der Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Coffee Watch, Deutscher Umwelthilfe, Inkota und dem Pesticide Action Network (PAN) UK.
Diese Pestizide stehen im Zusammenhang mit Krebs und hormonellen Störungen, können zu Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit beitragen, das Nervensystem schädigen [2][oder zu Parkinson] führen.
Die Autorin des Berichts, Silke Bollmohr von Inkota, kritisiert eine Doppelmoral: „Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt.“
Für den Bericht haben die Autor*innen wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus den wichtigsten Anbaugebieten zusammengetragen. Die Datenlage über die Rückstände von Pestiziden im Kaffee, der in europäischen Supermärkten landet, ist dünn. Der Bericht zitiert eine Analyse von EU-Behörden im Jahr 2022, wonach 23 Prozent von 44 getesteten Proben in der EU verbotene Pestizide enthielten.
Fehlender Schutz für Farmarbeiter*innen
Europa ist weltweit der größte Kaffeeimporteur, allein Deutschland liegt auf Platz vier. Angebaut wird der Kaffee in Brasilien, Kenia oder Kolumbien. Für die Farmarbeiter*innen dort sind die direkten Auswirkungen der chemischen Mittel weitaus schlimmer als für die Konsument*innen. Häufig fehlt es an Schutzkleidung und -maßnahmen. Auch bei der Überwachung der Gesundheit der Arbeiter*innen versage die Branche, heißt es im Bericht. „Das wahre Ausmaß von Berufskrankheiten bleibt systematisch im Dunkeln“.
Die Pestizide sind darüber hinaus umweltschädlich, sie verschmutzen Gewässer, schädigen Böden und Ökosysteme. Die Organisationen fordern die Bundesregierung und die EU auf, den [3][Export von Pestiziden zu beenden, die in Europa verbotenen sind]. Ebenso müssten Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden, für eine ökologisch verträgliche und menschenrechtskonforme Kaffeeproduktion zu sorgen und diese mitzufinanzieren.
25 Jun 2026
LINKS
[1] https://www.inkota.de/sites/default/files/2026-06/Poison_in_Your_Coffee_full_report_smaller-file.pdf
[2] /Berufskrankheit-durch-Ackergifte/!6115674
[3] /Forderung-von-Aktivisten-zu-Pestiziden/!6177040
AUTOREN
Leila van Rinsum
Schwerpunkt Pestizide
Kaffee
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