taz.de -- Vorwurf kriminelle Vereinigung: Durchsuchungen bei Aktivist*in­nen

Bei Ak­ti­vis­t*in­nen der „Letzten Generation“ soll es Hausdurchsuchungen gegeben haben. Der Vorwurf: „Bildung einer kriminellen Vereinigung.“

Bild: Eine Durchsuchung gab es auch bei ihr, sagt Carla Hinrichs, Sprecherin der „Letzten Generation“

Berlintaz | Die Klimaaktivist*innen der Gruppe „Letzte Generation“ vermeldeten am Dienstagvormittag [1][auf Twitter], dass es Hausdurchsuchungen bei elf Personen aus ihrer Bewegung gegeben habe.

Ab fünf Uhr morgens seien Wohnungen durchsucht worden, unter Angabe des Vorwurfs der [2][„Bildung einer kriminellen Vereinigung“]. Die Aktivist*innen schreiben, dass elektronische Geräte wie Laptops und Handys konfisziert wurden, außerdem Plakate. Der Staatsanwalt Cyrill Klement bestätigte den Einsatz. Es gehe um elf Objekte im gesamten Bundesgebiet. Als Grund nannte er die mehrfachen Attacken von den Klimaaktivist*innen auf Anlagen der Raffinerie PCK Schwedt.

Unter anderem durchsuchte die Polizei die Wohnung der Aktivistin Carla Hinrichs, die auch bereits in mehreren Talkshow-Formaten über ihren Aktivismus gesprochen hat. Sie schrieb dazu auf Twitter: „Und jetzt? ja, das ist beängstigend, wenn die Polizei deinen Kleiderschrank durchwühlt. Aber denkt ihr ernsthaft, dass wir jetzt aufhören werden?“

Die Aktivist*innen der „Letzten Generation“ werteten die Durchsuchungen als „Einschüchterungsversuch“, der sie nicht stoppen werde. „Wir stehen mit Gesicht und Namen für das, was wir tun – wenn der Wunsch nach Informationen besteht, braucht es keine Hausdurchsuchung.“

Schon Ende November hatte es nach der Aktion der „Letzten Generation“ in der Dresdner Gemäldegalerie Hausdurchsuchungen bei Aktiven der Gruppe in Leipzig gegeben. Im August 2022 hatten sich zwei Mitglieder der „Letzten Generation“ am Rahmen der Sixtinischen Madonna festgeklebt und die Aktion gefilmt.

Die „Letzte Generation“ sorgt mit ihren Straßenblockaden und Klebeaktionen, um auf den Klimawandel hinzuweisen, seit vielen Wochen für Diskussionen. Für ihre Aktionen des zivilen Ungehorsams unter Angabe ihrer Klarnamen nehmen sie Gefängnis- und Geldstrafen in Kauf.

Auch am Montag hatten die Aktivist*innen erneut Autobahnzufahrten [3][in Berlin blockiert]. Die Gruppe fordert unter anderem einen konsequenten Klimaschutz, Tempo 100 auf Autobahnen, ein Neun-Euro-Ticket und generell die Abkehr von fossilen Energien wie Öl, Gas und Kohle.

13 Dec 2022

[1] https://twitter.com/AufstandLastGen

[2] /Wer-ist-die-Letzte-Generation/!5898641

[3] /Strasse-in-Berlin-blockiert/!5902229

AUTOREN

Linda Gerner

TAGS

Sitzblockade

Hausdurchsuchung

Schwerpunkt Klimawandel

Aktivismus

GNS

Neue Generation

Schwerpunkt Klimaproteste

ARTIKEL ZUM THEMA

Echo auf Razzia gegen Letzte Generation: „Wann kommt Razzia bei Lindner?“

Im Netz sind die Reaktionen auf die Durchsuchungen bei der Letzten Generationen geteilt. Viele solidarisieren sich mit der Gruppe, aber es gibt auch befürwortende Kommentare zu den Maßnahmen.

Jesus, Alice Schwarzer, Beate Zschäpe: Aktivismus und seine Grenzen

Was macht einen Menschen zum/zur Aktivisten/Aktivist*in? Ein fiktives Gespräch unter Freundinnen.

Razzien bei der Letzten Generation: Klima der Kriminalisierung

Es ist unsäglich, die Klimabewegung auch nur annähernd wie die „Reichsbürger“-Terrorgruppe zu behandeln. Derweil verschärft sich die Klimakrise immer weiter.

Ermittlungen gegen die Letzte Generation: Kriminalisierter Klimaschutz

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Elf Hausdurchsuchungen soll es gegeben haben.

Debatte um eine „grüne RAF“: Klimakrise nicht verstanden

Warnungen vor einer „grünen RAF“ wurden von rechts bereitwillig aufgenommen. Ökoterrorismus ist Fiktion – die Klimakrise aber ist real.

Wer ist die Letzte Generation?: Ungehorsam, aber zivil

Die Aktionen der Letzten Generation bekommen gerade viel Aufmerksamkeit. Wer engagiert sich da – und ist die Gruppe jetzt hierarchisch organisiert?

Straße in Berlin blockiert: Letzte Generation klebt weiter

Kli­ma­ak­ti­vis­t:in­nen blockieren eine Straße. Berlins Kultursenator Lederer (Linke) meint, die Proteste provozierten nur Ärger.

Proxied content from gemini://taz.de/Vorwurf-kriminelle-Vereinigung/%215902573 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Vorwurf-kriminelle-Vereinigung/%215902573
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.