taz.de -- Verhandlungen über Ukraine-Krieg: Davos, Moskau, Abu Dhabi

Die USA, Russland und die Ukraine verhandeln am Freitag in den Emiraten. In Davos hatte Selenskyj eine Einigung über US-Sicherheitsgarantien verkündet.

Bild: Ein Verhandlungsmarathon: Treffen der Delegationen von Selenskij und Trump am Donnerstag in Davos

Zufrieden über die [3][Gespräche in Davos] äußerte sich Präsident Trump. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe ihm gegenüber den Wunsch geäußert, ein Friedensabkommen mit Russland zu schließen. Bei seinem Gespräch mit Journalisten an Bord der Air Force One sprach er zugleich von einer „finalen Phase“ der Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. Dies berichtet das Portal des öffentlich-rechtlichen ukrainischen Senders Suspilne am Freitag kurz nach Mitternacht.

Konkret wurde Trump indessen nicht. Auf die Frage nach möglichen Zugeständnissen sagte Trump, dass alle Seiten Kompromisse eingehen müssten – auch Europa. Trump betonte zudem, dass sowohl Russlands Präsident Wladimir Putin als auch Selenskyj seiner Einschätzung nach derzeit an einem Abkommen interessiert seien. Selenskyj habe ihm persönlich gesagt, dass er verhandeln wolle. „Er kam und sagte, dass er eine Einigung möchte. Ich war mir dessen zuvor nicht ganz sicher“, zitiert Suspilne Trump.

Wenige Stunden zuvor hatte der ukrainische Präsident Selenskyj erklärt, er habe mit Trump eine Einigung über Sicherheitsgarantien erzielt. Konkrete Details dieser Sicherheitsgarantien nannte er indes nicht. Eine Bestätigung von Seiten Trumps liegt nicht vor.

Sicherheitsgarantien oder Sackgasse?

Deutlicher über die Aussichten auf einen Frieden äußerte sich der ukrainische Parlamentarier Olexandr Mereschko, Vorsitzender des Ausschusses für Außenpolitik und interparlamentarische Zusammenarbeit, [4][in einem Gespräch mit dem ukrainischen Dienst von Radio Liberty.] „Die wichtigsten Fragen bleiben unverändert stehen. Herr Witkoff besteht auf dem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk. Möglicherweise wird über die sogenannten Sicherheitsgarantien diskutiert, die derzeit eher symbolischer Natur sind als echte Garantien“, sagte Mereschko. Und: „Das ist im Grunde genommen eine Sackgasse.“

Bei seinen Gesprächen und Auftritten beim [5][Weltwirtschaftsgipfel in Davos] hatte Selenskyj sich gegenüber Trump betont versöhnlich gezeigt. „Der Dialog ist vielleicht nicht einfach, aber heute war er positiv – das reicht“, zitiert der ukrainische Dienst von Radio Liberty den ukrainischen Präsidenten über dessen Gespräch mit Trump. In seiner Rede vor dem Plenum betonte Selenskyj, wie wichtig die Unterstützung der USA sei.

„Wenn der Waffenstillstand beginnt, wird es Kontingente, gemeinsame Patrouillen und Flaggen der Partner auf ukrainischem Boden geben. Und das ist das richtige Signal … Aber es gibt immer ein ‚Aber‘. Wir brauchen die Unterstützung von Präsident Trump. Ohne die Vereinigten Staaten funktionieren keine Sicherheitsgarantien“, zitiert die Nachrichtenagentur unian.ua Selenskyj.

Selenskyj kritisiert Europas Zögern

Weniger versöhnlich klang Selenskyjs Ton gegenüber den europäischen Verbündeten. So kritisierte er ihre zögernde Haltung zu einer Lieferung von Waffensystemen wie Tomahawk oder Taurus an die Ukraine. Ihm sei in Europa geraten worden, man solle Amerika gegenüber nicht von den Tomahawk–Waffen sprechen, um die Stimmung nicht zu verderben, so Selenskyj. Und man sage, man solle besser nicht nach Taurus fragen.

Europa fehle Geschlossenheit. Diese Zersplitterung schwäche Europas Fähigkeit, Russland wirksam entgegenzutreten. Europa verspiele eine historische Chance, sich zu einer globalen Gestaltungsmacht zu entwickeln, [6][so der Präsident].

Treffen in Abu Dhabi mit US-Vertretern am Freitag

Unterdessen geht der Verhandlungsmarathon weiter. Am heutigen Freitag werden russische und ukrainische Verhandlungsteams in Anwesenheit von Vertretern der USA in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zusammentreffen. Bereits in der Nacht hatten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Russlands Präsident Wladimir Putin mehr als dreieinhalb Stunden in Moskau verhandelt.

Mit dabei waren auch Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und Regierungsberater Josh Gruenbaum. Auf russischer Seite waren neben Putin sein Sondergesandter Kirill Dmitrijew und Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow dabei.

Doch in der Ukraine sind die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende gedämpft. Er glaube nicht, dass der Krieg in diesem Jahr ende, so Olexandr Mereschko.

23 Jan 2026

[3] /Davos-und-der-Krieg-in-der-Ukraine/!6147446

[4] https://www.radiosvoboda.org/a/zelenskyy-tramp-davos-dialoh/33656928.html

[5] /-Weltwirtschaftsforum-in-Davos-/!6147374

[6] https://www.president.gov.ua/news/zvernennya-prezidenta-do-uchasnikiv-specialnogo-zasidannya-v-102517

AUTOREN

Bernhard Clasen

TAGS

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Donald Trump

Wolodymyr Selenskyj

Davos

Friedensgespräche

Moskau

Wladimir Putin

GNS

ARTIKEL ZUM THEMA

Ukraine-Verhandlungen in Genf: Kleine Schritte

In Europa herrscht das Narrativ vor, dass man mit der russischen Regierung nicht reden kann. Warum hätten die Europäer dann in Genf vertreten sein sollen?

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Papst kritisiert anhaltende Angriffe auf die Ukraine

Papst Leo XIV. ruft zu Frieden und „Respekt vor den Völkern“ auf. Der US-Sondergesandte Witkoff kündigt weitere Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi an.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Massive russische Angriffe trotz Verhandlungen

Nach massivem Beschuss durch Russland kommt es in Kiew erneut zu Ausfällen der Wärme- und Wasserversorgung. In Abu Dhabi sind die trilateralen Gespräche vorerst beendet worden. Beide Kriegsparteien äußerten Zuversicht.

+++ Trump-Show in Davos geht weiter +++: Selenskyj verkündet Einigung über US-Sicherheitsgarantien

Nach einem Treffen mit Trump spricht Selenskyj davon, dass es eine Abmachung mit US-Präsident Donald Trump über US-Sicherheitsgarantien gebe.

Davos und der Krieg in der Ukraine: Kalte Schulter für die Ukraine

Der Ukrainekrieg spielt in Davos kaum eine Rolle. Präsident Selenskyj reiste zunächst gar nicht in die Schweiz. Russland intensiviert seine Angriffe.

Attacken auf die Ukraine: Kyjiwer haben kaum noch Hoffnung auf Wärme

Nach den russischen Angriffen haben einige Viertel der ukrainischen Hauptstadt seit zehn Tagen weder Strom noch Heizung. Und das bei Dauerfrost.

Proxied content from gemini://taz.de/Verhandlungen-ueber-Ukraine-Krieg/%216148026 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Verhandlungen-ueber-Ukraine-Krieg/%216148026
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.