taz.de -- Spanien trotzt Trump: Dem Tyrannen bloß nicht nachgeben
Beim Nato-Gipfel lässt sich Spaniens Staatschef Pedro Sánchez nicht von den USA einschüchtern. Davon könnten andere europäische Länder lernen.
Bild: Sánchez hat den Schlagabtausch mit dem Riesenbaby gewonnen
Es bringt nichts, sich von jeder Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump einschüchtern zu lassen. Davon ist der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez überzeugt. Als einer der wenigen Regierungschefs verfällt er nicht in Hektik, wenn [1][Trump mit Zöllen und Boykott] droht. Er bleibt ruhig und gelassen. So auch jetzt auf dem Nato-Gipfel. Und siehe da, Trump rudert zurück.
Was am morgen noch ein Land „schlechter Leute“ war, mit denen die USA gar nichts zu tun haben wolle, wurde bei Abreise hochgelobt und „rehabilitiert“. Warum, weiß keiner so genau. Irgendetwas von Zahlungsforderungen, denen Spanien nachgekommen sei. Die spanische Presse rätselt, was damit gemeint sein könnte. Nur so viel ist klar: Sánchez hat den Schlagabtausch gewonnen, ohne selbst der Versuchung zu erliegen, mit harschen Worten zu antworten.
Trump wettert schon lange gegen Spanien und Sánchez. Denn der Chef der spanischen Linkskoalition – und damit der letzten fortschrittlichen Regierung in einem der großen EU-Länder – traut sich, was andere nicht zu denken wagen: Er bietet Trump entschlossen die Stirn, ob beim 5-Prozent-Ziel der Rüstungsinvestition oder beim [2][Irankrieg] und auch beim Gazafeldzug Israels. Er spricht von illegalem Überfall, was der Angriff auf Iran zweifelsohne ist, verurteilt die Entführung des [3][venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro], redet von Völkermord in Gaza und verteidigt das Völkerrecht. Zudem zieht der Staatschef Konsequenzen: Waffenlieferungen für Israel dürfen nicht über Spanien laufen und die US-Armee kann ihre Basen in Spanien nicht für den völkerrechtswidrigen Krieg in Iran nutzen.
Sánchez zeigt damit, dass einem Pausenhoftyrannen wie Trump nur mit Entschlossenheit beizukommen ist. Wer ihm nachgibt und etwa Zölle verhandelt, ist in den Augen des Republikaners schwach und wird getriezt. Nur wer Trump die Stirn bietet, nötigt ihm Respekt ab. Die restlichen europäischen Länder und die Europäische Union als Ganzes sollten das endlich von Sánchez lernen.
9 Jul 2026
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AUTOREN
Reiner Wandler
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