taz.de -- Shitstorm gegen Grüne Zoe Mayer: Die Art junge Politikerin, vor der in der CDU gewarnt wird

Hat Zoe Mayer im Alleingang Manuel Hagel um den Wahlsieg in Baden-Württemberg gebracht? Die CDU stellt es so dar – und entlarvt damit ihren Sexismus.

Bild: Mit Härte ein Thema gesetzt: Zoe Mayer, Grünen-Abgeordnete

Hat sie für Özdemir die Wahl gewonnen? Oder die erste Koalitionskrise in Baden-Württemberg ausgelöst, noch bevor sich die Regierung gebildet hat? Auf alle Fälle ist die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer durch das acht Jahre alte [1][Rehaugen-Video von Manuel Hagel], das sie zwei Wochen vor der Wahl veröffentlicht und kommentiert hat, fast ebenso bekannt geworden wie der CDU-Spitzenkandidat selbst. Von beiden dürften viele Bundesbürger bis dahin nicht gehört haben.

Jetzt, drei Wochen und eine Landtagswahl später, ist das Thema immer noch nicht abgeräumt. Vor allem, weil es die Südwest-CDU für die anstehenden Koalitionsverhandlungen nutzt.

Zoe Mayer ist vielleicht die Art junger Politikerin, vor der in der CDU gewarnt wird: Jung, links und schon seit sie 14 Jahre alt ist politisch tätig. Aber eben auch eine studierte Wirtschaftsingenieurin mit Doktortitel. Für ihre Partei holte sie zweimal das Direktmandat in Karlsruhe, auf Landesparteitagen erntet sie für ihre geschliffenen Reden regelmäßig Jubel.

Ihre Karriere begann Mayer bei der Grünen Jugend in ihrer Geburtsstadt Karlsruhe. 2014 nominierten sie die Grünen für den Gemeinderat, mit gerade mal 19 wurde sie die jüngste Abgeordnete. Schon in der Kommunalpolitik verfolgte sie ihre Themen: Tier- und Klimaschutz und biologische Landwirtschaft. Bis heute ist das so geblieben. Als Mitglied im Agrarausschuss im Bundestag traf sie auch auf Cem Özdemir, der damals Landwirtschaftsminister war.

Drei Tage vor der Veröffentlichung des Videos macht sie in Karlsruhe Wahlkampf mit ihm. Die CDU glaubt da nicht an Zufall und erklärt sie zur Erfüllungsgehilfin einer [2][„Schmutzkampagne“ von Cem Özdemir]. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, sieht eine „Sittenpolizei“ am Werke, der man Einhalt gebieten müsse.

Mayer gibt sich unbeirrt

Trotz Hunderten Hass-Mails, Pöbelanrufen und Vorwürfen aus den Reihen der CDU, zeigt sich Mayer unbeirrt: Die CDU habe die Debatte natürlich „für einen selbstreflektierten Umgang über Sexismus in der Politik genutzt“, witzelt sie nach einer Woche Social-Media-Abstinenz. Mayer, das müssten auch politische Gegner anerkennen, zeigt in dem Sturm der Entrüstung echte Steherqualitäten.

Immer wieder betont sie, es sei ihr um das Thema Sexismus in der Politik gegangen, nicht darum, den Wahlkampf zu beeinflussen. Und sie besteht darauf, allein darüber entschieden zu haben, das ihr zugespielte Video zu veröffentlichen. Auch für Entgleisungen anderer gegenüber Manuel Hagel auf Social Media lässt sie sich nicht verantwortlich machen.

Jetzt weiß natürlich eine Profipolitikerin wie Mayer ganz genau, welchen Impact ein solches Video in einem laufenden Wahlkampf hat. Und es sagt mehr über die Machtstrukturen der CDU aus, dass man sich dort nicht vorstellen kann, dass eine Abgeordnete für solche Veröffentlichungen nicht bei der Parteispitze um Erlaubnis bittet. So oder so, Zoe Mayer hat mit Härte ein wichtiges Thema gespielt. Wer sagt eigentlich, dass das nur Männer dürfen?

11 Mar 2026

[1] https://www.handelsblatt.com/dpa/rehbraune-augen-baden-wuerttemberg-was-hagels-frau-zu-dem-video-sagt/100205452.html

[2] /Stotternder-Start-fuer-Gruen-Schwarz/!6161291

AUTOREN

Benno Stieber

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