taz.de -- Russische Drohnen über Polen: Testballon in Richtung Nato
Die Drohnen im polnischen Luftraum sind keine gute Nachricht für die Nato. Mit gutem Grund wird vermieden, von einem gezielten Angriff zu reden.
Bild: Das von einer Drohne zerstörte Dach eines Wohngebäudes in Wyryki, Ostpolen
Die Ukraine Tag für Tag wie besinnungslos flächendeckend mit massiven Angriffen zu überziehen, reicht Moskau offensichtlich nicht mehr aus. In der Nacht zu Mittwoch drangen [1][russische Drohnen], mutmaßlich von Belarus aus, in den Luftraum über Polen ein. Einige von ihnen wurden abgeschossen – der erste derartige Einsatz von Streitkräften eines Nato-Mitgliedsstaates seit dem Beginn von Russlands vollumfänglicher Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022.
Damit könnte in diesem [2][barbarischen Krieg Russlands], der sich längst gegen den „dekadenten“ Westen in Gänze richtet, eine weitere Eskalationsstufe erreicht sein. Denn dass es sich bei diesen Drohnen nicht um einige bedauerliche Irrläufer handelt, liegt auf der Hand. Vielmehr dürften wir es mit einer Provokation Moskaus zu tun haben – ein Testballon in Richtung Nato.
Auch der Zeitpunkt der Aktion ist kaum zufällig – wenige Stunden vor der Rede von [3][EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen] zur Lage der EU und drei Tage vor Beginn des Manövers „[4][Zapad-25]“ von belarussischen und russischen Truppen. Was auf die personell deutlich besser ausgestattete [5][Vorgängerveranstaltung im Herbst 2021] folgte, wissen wir. Es ist müßig, an dieser Stelle daran zu erinnern, dass die militärischen Erfolge von Russlands sogenannter Spezialoperation in der Ukraine überschaubar sind.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte wurde am Mittwoch mit den Worten zitiert, das Bündnis sei bereit, jeden Zentimeter des Nato-Gebiets zu verteidigen. Was heißt das? Auch nach dem jüngsten „Vorfall“ spricht die Nato aus durchaus nachvollziehbaren Gründen nicht von einem gezielten Angriff Russlands. Täte sie es doch, würde Artikel 5 des Nordatlantikvertrags, die Beistandsklausel, greifen. Diese beinhaltet zwar nicht zwangsläufig den Einsatz militärischer Mittel, brächte die Nato jedoch in Zugzwang.
Angesichts des unsicheren Kantonisten Donald Trump und der begründeten Annahme, dass diese Provokation Moskaus wohl nicht die letzte ihrer Art gewesen sein dürfte, sind das keine erfreulichen Aussichten.
10 Sep 2025
LINKS
[1] /-Nachrichten-im-Ukraine-Krieg-/!6113151
[2] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
[3] /Nach-Zoll-Deal-mit-Donald-Trump/!6109227
[4] /Militaerexperte-ueber-Zapad-Manoever/!6108889
[5] https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-09/russland-belarus-gemeinsames-militaermanoever-sapad-2021
AUTOREN
Barbara Oertel
Nato
Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
Polen
Drohnen
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