taz.de -- Rücktritt des Barclays-Chefs: Allzu gute Bekannte

Die Verbindung von Barclays-Chef Jes Staley zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein war offenbar enger als von Staley behauptet. Nun tritt er zurück.

Bild: Jes Staley, der zurückgetretene CEO von Barclays

Lange hatte sich der Chef der Großbank Barclays, Jes Staley, im Rahmen [1][der Epstein-Untersuchungen] im Amt gehalten. Nun musste er nach Untersuchungen der Aufsichtsbehörden zurücktreten. Es ging dabei darum, welche Beziehung Staley zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte. Hintergrund seien vorläufige Schlussfolgerungen der britischen Behörden, die man erhalten habe, teilte Barclays am Montag mit. Welche Schlüsse genau das waren, darüber herrscht Stillschweigen.

Die Bank gab lediglich bekannt, sie habe keine Befunde dazu, dass Staley über die mutmaßlichen Sexualstraftaten Epsteins Bescheid gewusst hätte oder zugegen gewesen sei. Vor allem scheint es um falsche Auskünfte zu gehen, berichtet etwa das Handelsblatt.

Epstein hat sich 2019 in einem Gefängnis in New York mutmaßlich das Leben genommen, nachdem er wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verhaftet worden war. Der US-Millionär soll einen illegalen Menschenhandelsring aufgebaut haben.

Epstein und Staley kannten sich seit dem Jahr 2000, als Staley für JP Morgan arbeitete. Staley hatte stets behauptet, nach 2015 nicht mehr mit Epstein in Kontakt gestanden und nur ein berufliches Verhältnis gepflegt zu haben. Das scheint nicht korrekt zu sein. „E-Mails, die 2019 von den US-Behörden nach London übermittelt wurden, legen offenbar nahe, dass das Verhältnis darüber hinausging“, [2][so das Handelsblatt].

Mit der Jacht auf Besuch

Schon vorher war bekannt, dass Staley etwa mit seiner Jacht zu Epsteins Privatinsel gesegelt war und den Kontakt auch nach Epsteins erster Verurteilung 2008 aufrecht erhielt. Die Bank erklärte, man habe sich auf einen Rücktritt geeinigt, da Staley das vorläufige Ergebnis der Untersuchung anfechten wollte. Staleys Nachfolger wird C. S. Venkatakrishnan, der bislang das Segment Globale Märkte leitete.

Staley leitete Barclays seit Dezember 2015. Er stand schon 2018 in Kritik, als er versucht hatte, einen Whistleblower zu enttarnen, statt auf dessen Anschuldigungen zu reagieren. Er soll noch ein Jahr lang sein Gehalt von 2,4 Millionen Pfund erhalten. (mit Reuters)

1 Nov 2021

[1] /Fall-Jeffrey-Epstein/!5698014

[2] https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/jes-staley-chef-der-britischen-grossbank-barclays-tritt-wegen-epstein-untersuchung-zurueck/27756620.html?ticket=ST-3821257-44gGOTiVtWvQUP4XEK2C-cas01.example.org

AUTOREN

Alina Schwermer

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