Digitalisierung, Einsparungen, Stellenabbau: Beim rbb stehen komplexe Veränderungen an. Externe Expertise sei da wichtig, sagt rbb-Intendantin Ulrike Demmer.
Bild: Zieht Hilfe von außen zu Rate und steht damit in der Kritik: Ulrike Demmer, Intendantin des rbb
Der rbb hat die Anstellung der Transformations- und Kommunikationsexperten Peter Parycek und Oliver Herrgesell verteidigt. Dem finanziell angeschlagenen Sender stünden große, strukturelle Veränderungen bevor, sagte rbb-Intendantin Ulrike Demmer der taz. „Die Umsetzung dieses komplexen Vorhabens verlangt ausgewiesene Expertise“, so Demmer. Vorherige Darstellungen der Bild-Zeitung, dabei habe es Gehaltstricksereien gegeben, wies die Intendantin ausdrücklich zurück. „Es gab und gibt keinen Vorgang im Geheimen und keine Trickserei, der Verwaltungsrat hat dem Vorgehen zugestimmt.“
Die Bild hatte behauptet, das Gehalt des Transformationsexperten Peter Parycek von 167.000 Euro pro Jahr [1][umginge gesetzliche Gehaltsgrenzen des rbb]. Der Professor für E-Governance und ehemalige Berater von Angela Merkel ist seit März 2025 mit einer Mindesttätigkeit von drei Tagen pro Woche beim rbb angestellt. Sein Gehalt entspreche dabei dem eines Hauptabteilungsleiters, so Demmer. Weiter sagte sie: „Paryceks Vertrag gewährleistet eine Form, die für den rbb wirtschaftlicher ist als etwa die Beauftragung externer Beratungsfirmen.“
Auch die Formulierung, der rbb zahle dem Top-Manager einen „üppigen Vertrauensvorschuss“, wies Demmer als unseriös zurück. Es unterstelle der aktuellen Geschäftsleitung, sorglos mit Geld umzugehen, und Peter Parycek, er würde auf Kosten des rbb Dienst nach Vorschrift machen. „Die Steuerung der Transformation, die er verantwortet, ist keine Teilzeitaufgabe“, so Demmer. Der Verzicht auf die Expertise würde hingegen keines der strukturellen Probleme des rbb lösen, sondern im Gegenteil den Umgang damit und die Überwindung der Schwierigkeiten erschweren, so die Intendantin weiter.
254 Vollzeitstellen sollen eingespart werden
Durch die derzeitige finanzielle Schieflage des rbb sieht sich die Geschäftsführung veranlasst, den Sender strukturell kleiner und günstiger zu machen. Erste Transformationspläne dafür gab es bereits seit Herbst 2023. Im Januar 2025 war nun angekündigt worden, dass der Sender 22 Millionen Euro einsparen muss.
Noch in diesem Jahr [2][sollen deshalb 254 Vollzeitstellenäquivalente in der öffentlich-rechtlichen Anstalt abgebaut] werden. Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband fordern indes dazu auf, sich für den Schutz der Freien und Festangestellten einzusetzen. „Es kann es nicht sein, dass einmal mehr diejenigen die Leidtragenden sind, die für diese Krise nicht die geringste Verantwortung tragen“, [3][hieß es vom DJV] in Berlin und Brandenburg.
Neben dem Abbau von Personal- und Honorarkosten erforderten auch die Ansprüche an Digitalisierung und Medienwandel Veränderungen, heißt es von Demmer. Dies käme beim Programmportfolio, in der Produktion, der Technik und der Flächennutzung zum Tragen.
Finanzielle und strukturelle Herausforderungen
Aus diesem Grund sei auch der Kommunikationsexperte Oliver Herrgesell projektbezogen beauftragt worden: „Klare und den besonderen Anforderungen gerechte Kommunikation ist Teil jeder größeren Sanierungsaufgabe und liegt im Interesse aller Beteiligten“, heißt es vom rbb. Auslöser seien die bekannten, erheblichen finanziellen und strukturellen Herausforderungen.
Seit der [4][Affäre um die Ex-Intendantin Patricia Schlesinger] im August 2022 kommt der öffentlich-rechtliche Sender nicht zur Ruhe. Zuletzt hatte neben den angekündigten Stellenstreichungen auch die [5][umstrittene Recherche um den Berliner Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar] für Wirbel gesorgt. Für Ulrike Demmer, die die Intendanz im September 2023 übernommen hat, gilt es, den Sender sowohl nach innen als auch nach außen neu aufzustellen.
1 Apr 2025
LINKS
[1] /Krise-beim-rbb/!6078860
[2] /Massiver-Stellenabbau/!6063314
[3] https://www.djv-berlin.de/blog-detail/stellenabbau-muss-oben-beginnen/
[4] /Schlesinger-Affaere-beim-RBB/!5876613
[5] /Gelbhaar-Affaere-hat-Folgen/!6075862
AUTOREN
Amelie Sittenauer
RBB
Patricia Schlesinger
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Medienpolitik
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Berlin
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Brandenburg
Stefan Gelbhaar
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