taz.de -- Protest gegen Alice Schwarzer in Berlin: Keine Bühne für Diskriminierung
Feministische Organisationen protestieren gegen Alice Schwarzers Lesung im Berliner Babylon-Kino. Schwarzers Positionen schadeten trans Personen, kritisieren sie.
Bild: Demonstration am Rande der Vorstellung des Eckpunktepapiers zum Selbstbestimmungsgesetz
Bereits vor dem Auftritt von Alice Schwarzer im Babylon-Kino in Berlin-Mitte hagelt es Kritik seitens queerer und queerfeministischer Organisationen. In einem offenen Brief – gestartet vom Queeren Referat der [1][Alice-Salomon-Hochschule] (ASH) – fordern 45 Unterzeichner:innen die Absage der Veranstaltung und eine klare Positionierung gegen Queerfeindlichkeit und Rassismus. Außerdem ist laut der Pressestelle der Polizei eine Kundgebung vor dem Kino geplant.
„Alice Schwarzer setzt sich unter dem Label von Feminismus gegen die Selbstbestimmung und Interessen von queeren Personen, Geflüchteten, muslimischen Menschen und Sexarbeiter*innen ein“, erklärt das Queere Referat der ASH gegenüber der taz. Dabei seien ihre Argumente unwissenschaftlich und bauten rassistische und queerphobe Feindbilder auf. Es könne nicht sein, dass das Kino Babylon einerseits das Bild einer progressiven Kulturinstitution vertrete und queere Filme zeige, andererseits Schwarzers Positionen eine Bühne biete.
In den vergangenen Tagen stand Schwarzer insbesondere aufgrund eines Spiegel-Interviews in der Kritik. Darin hatte sie erklärt, dass sie in Alice Weidel [2][als potenzielle Bundeskanzlerin „trotz allem“ eine Ermutigung für Frauen] sehe. Sie behauptete auch, dass Frauen mit Hijab keine Feministinnen sein könnten. Aber zu knappe Miniröcke sollten sich Frauen auch nicht anziehen, sonst schauten ihnen Männer hinterher.
Schwarzer kommentiert auf ihrer Website die Kritik um ihr Interview so: „Ich gerate als Journalistin auch selber immer wieder in den Strudel der Fake-News und Fake-Interpretation.“ Gerade deshalb habe sie für ihr neuestes Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ Begriffe gesammelt, um diese genau zu definieren. „Damit wir weniger drum herumreden und uns genauer beim Wort nehmen können.“
Warum Schwarzer nicht auftreten soll
Daraus möchte sie am Dienstagabend für das Publikum lesen und anschließend Fragen beantworten. Doch für die protestierenden Organisationen und Initiativen ist klar: Sie möchten nicht mit Schwarzer sprechen. Im offenen Brief erklären sie, dass Schwarzers Positionen reale Konsequenzen hätten und Menschen schädigten.
Schwarzer unterscheide in echte und unechte trans Personen und beharre auf der Theorie, dass es ein binäres, unveränderliches biologisches Geschlecht gebe. Sie stelle trans Personen als Gefahr dar und fordere die CDU auf, das diskriminierende und in Teilen verfassungswidrige Transsexuellengesetz wieder einzuführen.
Zu der zweistündigen Kundgebung gegen die Lesung rief unter anderem die Jugendgruppe [3][QueerDurchBerlin] auf. Dort meinen sie, das kürzlich gegebene Spiegel-Interview bestätige, dass Schwarzer sich mit ihrem neuen Buch weder persönlich noch politisch weiterentwickelt habe.
24 Feb 2026
LINKS
[1] /Alice-Salomon-Hochschule-Juedische-Studierende-und-Mitarbeitende-verteidigen-Praesidentin/!6061702
[2] /Alice-Schwarzer-Eine-Frauenrechtlerin-fuer-die-Rechte/!6155961
[3] https://www.instagram.com/p/DU-ihkqDCee/
AUTOREN
Beritan Dik
Kundgebung
Offener Brief
Feministinnen
Antifeminismus
Alice Schwarzer
Transfeindlichkeit
Reden wir darüber
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