taz.de -- Politik und Showbiz: Maggus Söder, seine Leehdäjaggn und ich

Was trägt man so als Ministerpräsident? Und zu welcher Gelegenheit? Oder ist das alles sowieso nur eine Show? Eine Stilkritik der besonderen Art.

Bild: Markus Söder, gekleidet wie ein Jetpilot bei der Rüstungsfirma Helsing im September 2025

Haben wir angesichts der – die Autorin gestikuliert in alle Richtungen – allgemeinen Lage noch Nerven, über Bekleidung zu sprechen? Aber ja. Scharf gezogene Grenzen zwischen Entertainment und Politik sind ohnehin ausgedacht. Im breiten Strom der Melange aus Politik und Showbiz treiben fetischisierte Fleischwaren vorbei, gefolgt von einer im [1][Reality-TV debütierenden Söder-Tochter], die sich mutig beim Verhältnis zwischen Anlage und Umwelt unterhakt, während die Sendung „Deutschlands dümmsten Promi“ zu identifizieren sucht.

Dann kommt der CSU-Vorsitzende Maggus auch noch höchstselbst: als Jüngling, mit dunkler Haartolle und schwarzer Lederjacke, einen Fuß auf einem Holzstuhl abgestellt.

Es ist ein älterer Post auf dem Tiktok-Account der CSU, in dem das echte Foto in einer hektisch rotierenden Bildfolge aus KI-generierten Söder-Bildern gefunden werden muss. Aber dann: Als Gedenkpost zu Elvis Presleys Todestag, mit der Frage versehen, ob Lederjacke tragen eine Jugendsünde sei. Flugs darauf eine aktuelle Lederjacke: Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder tritt Ende September mit seinem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Rüstungsunternehmen Helsing im Allgäu auf.

Während der [2][mit Jugendsünden durchaus vertraute Aiwanger] zum PR-Termin im Trachtenanzug erscheint, dreht Markus „Showbiz“ Söder voll auf: Obenrum gekleidet wie ein Jetpilot, streichelt er, unterstützt vom Helsing-Geschäftsführer, eine unbemannte Drohne am Schnabel, als sei das Kampfwerkzeug ein dressierter Delfin.

Praktischer Klett an der Rückseite?

Söder erklärt, durch die Verbindung von KI und Drohnen seien technologische Dominanz und Souveränität zu erreichen. Um den Weg in ein Bayern der Rüstungsindustrie zu feiern, scheint es Sonderanfertigungen von Werbeaufnähern zu geben. Vielleicht mit praktischem Klett an der Rückseite?

Die Merchandising-Jacke schmücken jedenfalls die deutsche und die bayerische Flagge, ein personalisierter Namens-Patch und das Trainingsflugzeug Grob G 120. Kostümbildnerisch zu bemängeln wäre nur, dass das Kleidungsstück mit den Textilbündchen stark an die „Original Bundeswehr Fliegerjacke“ denken lässt, auf die fröhlich einige Textilpatches mit Logos privatwirtschaftlich hergestellter [3][Kampfmittel] geklettet wurden.

Das nimmt, ich muss es leider sagen, so von Fränkin zu Franke, der ganzen Aggzion eimpfach des Loggere. Da verlassen wir die Melange und sind wieder ganz bei der Politik.

4 Oct 2025

[1] /Politikerkinder/!6108935

[2] /Das-Aiwanger-Problem/!5955230

[3] /Online-Atlas-gegen-Militarisierung/!6110288

AUTOREN

Donata Künßberg

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