taz.de -- Olympiabewerbung: Grünes Licht ohne Grüne

Nur CDU, SPD und AfD stimmen im Landesparlament der Olympiabewerbung des schwarz-roten Senats zu – und ein einzelner Abgeordneter der Linksfraktion.

Bild: Das Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag den Weg für eine Berliner Olympiabewerbung freigemacht

Berlin ist eben anders – auch beim Thema Olympia: Während die Grünen [1][bei den Konkurrenten München, Hamburg, Nordrhein-Westfalen] und [2][im Bundestag eine Olympiabewerbung unterstütze]n, so hat sich ihre Abgeordnetenhausfraktion am Donnerstag dagegen ausgesprochen. In einer Debatte, die vielfach von genereller gegenseitiger Kritik mit Blick auf die Berlin-Wahl am 20. September geprägt war, unterstützte auch ein einzelner Abgeordneter der Linksfraktion die Bewerbung, Philipp Bertram.

In einer persönlichen Erklärung zu seinem Abstimmungsverhalten kritisierte Bertram [3][die Argumentation seiner Partei]: Ein „Trugschluss“ sei es, wenn man die Kosten für die Spiele nur den vier Wochen der Olympischen und Paralympischen Spiele gegenüber stelle, statt auch weitere Effekte zu betrachten. „Augenwischerei“ nannte er es zu sagen, dass man Berlins teilweise marode Sportanlagen auch ohne Olympia sanieren könne. Dort gibt es einen von allen Seiten anerkannten Sanierungsstau von 1,2 Milliarden Euro.

In seiner Fraktion ist Bertram damit zwar allein, doch an anderer Stelle gibt es weitere Befürworter innerhalb der Linkspartei: Ihr früherer Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch sitzt – genau wie der grüne Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann – [4][im Berliner Bewerbungskuratorium]. Und in Rostock, als Austragungsort der Segelwettbewerbe Teil der Berliner Bewerbung, sagt die Oberbürgermeisterin, die Linken-Politikerin Eva-Maria Kröger [5][in einem Rathaus-Video]: „Bei uns geht das besonders gut.“

Im Plenarsaal hingegen stemmte sich Linksfraktionschef Tobias Schulze gegen eine Bewerbung – und das nicht immer entlang der Fakten. So legte er etwa nahe, man wolle für Olympia die Spree dort nutzen, wo noch am Mittwoch kurzfristig das Flussbaden abgesagt wurde. Tatsächlich aber sind die Freiwasserwettbewerbe deutlich weiter östlich vorgesehen, wo bereits jetzt Jahr für Jahr ein offizieller Triathlon ausgetragen wird.

„Sie sind nicht der Sonnenkönig!“

Außerdem behauptete Schulze, der Senat wolle eine 20 Kilometer lange goldene Brücke bauen. Tatsächlich ist laut Konzept lediglich eine farbige Wegführung durch die Stadt vorgesehen und eine Brücke allein am Brandenburger Tor nördlich der Quadriga geplant. Schulze aber sah eine Idee, die sich nach Feudalzeiten und Ludwig XIV. anhöre und rief Richtung Regierungschef: „Herr Wegner, Sie sind aber nicht der Sonnenkönig.“

Äußerst kritisch äußerte sich auch Grünen-Fraktionschef Werner Graf, zugleich Spitzenkandidat seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl. „Sie wollen Olympische Spiele morgen auf die Beine stellen, bekommen aber nicht mal den Alltag der Menschen organisiert“, griff er den CDUler Wegner an und verwies unter anderem auf Stromausfall, Glättechaos und die Fördergeldaffäre.

In der Olympiabewerbung vermochte Graf nur „Luftschlösser“ und „leere Versprechungen“ erkennen. Aufgabe des Senats sei es vielmehr, jetzt Sportstätten zu sanieren – „erst kommt die Pflicht, dann die Kür“. Wobei der Grüne sich eben nicht als Sport-Gegner sah: „Wir sind für den Sport und deshalb gegen diese aussichtslose Bewerbung.“ In einer zunehmend hitziger werdenden Debatte hielt ihm SPD-Sportpolitiker Dennis Buchner entgegen, es sei „großer Blödsinn“ zu fordern, vor einer Bewerbung müssten erst alle Sportanlagen saniert sein – weil dafür eben kein Geld da sei, aber durch Olympia etwas hereinkommen soll.

Wegner: Stadt nicht schlecht reden

Regierungschef Wegner als Schlussredner warb auch mit wenig nötigen Neubauten: „Wir haben das nachhaltigste Konzept.“ Tatsächlich sieht die Bewerbung vor, dass nur das Olympische Dorf komplett neu entstehen, aber nachher Wohnraum für 5.000 Berliner bieten soll. „Reden Sie unsere Stadt doch nicht klein und schlecht“, forderte er und sprach von einer großen Chance für Freiheit und Demokratie.

Worauf von der Linken-Abgeordnete Katina Schubert der Zwischenruf kam: „Das Wort zum Sonntag.“ Davon äußerlich unbeeindruckt legte Wegner nach. „Berlin gewinnt mit Olympia, und ich glaube, Olympia gewinnt auch mit Berlin.“

21 May 2026

[1] /Gruene-und-Olympische-Spiele/!6133218

[2] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1128860

[3] https://dielinke.berlin/presse/detail/news/die-linke-unterstuetzt-nolympia-volksbegehren-kieze-sanieren-statt-milliarden-fuer-ioc-party/

[4] https://www.berlin.de/aktuelles/10075099-958090-kuratorium-fuer-die-olympiabewerbung-kon.html

[5] https://www.youtube.com/watch?v=ihQjjN3rrWs

AUTOREN

Stefan Alberti

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Schwerpunkt Olympische Spiele

Kai Wegner

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