taz.de -- Nationale Verkehrssicherheitskonferenz: Lebensretter Radweg

Die Unfallzahlen im Straßenverkehr sind alarmierend hoch, obwohl der Bund mehr Verkehrssicherheit will. Verbände machen Vorschläge, wie das klappen kann.

Bild: Ein Geisterfahrrad in Gelsenkirchen erinnert an einen im Straßenverkehr getöteten Radfahrer

Gut 2,5 Millionen erfasste Unfälle, rund 366.000 Verletzte, 2.814 Verkehrstote, mehr Todesopfer als im Vorjahr bei allen Verkehrsmitteln. Die deutschen Unfallzahlen für das Jahr 2025 liefern Bund, Ländern und Kommunen bitteres Futter für die Nationale Verkehrssicherheitskonferenz, die das Bundesverkehrsministerium am Dienstag in Berlin ausrichtet. Kurz vor der Konferenz nun machen sich Verbände für sicherere Straßen stark.

Die [1][Bundesregierung habe angepeilt], die Zahl der getöteten Fahrradfahrer:innen deutlich zu senken, [2][erinnert etwa der Radverband ADFC]: 2030 sollen 40 Prozent weniger Radfahrende im Straßenverkehr umkommen als noch 2019. Bisher aber seien die Straßen für Fahrräder kaum sicherer geworden. 2024 [3][starben 445 Radfahrende im Straßenverkehr] – 12 Prozent mehr als [4][noch 2014].

Die Bilanz sei „alarmierend“, sagt Caroline Lodemann, Bundesgeschäftsführerin des ADFC. Meistens [5][seien Autos der „Unfallgegner“] von Fahrradfahrenden, schlecht ausgebaute oder schadhafte Radwege sorgten für weitere Gefahr. „Radfahrende brauchen eigene, geschützte Infrastruktur“, fordert Lodemann. In vielen Städten und Gemeinden aber laufe der Radwegeausbau nur schleppend, auf dem Land gebe es oft gar keine Fahrradwege.

Ein Beispiel aus der Hauptstadt: Die Filandastraße im Südwesten Berlins ist eine Hauptverkehrsader – und Hotspot für Unfälle. Zwischen Januar 2020 und März 2025 krachte es dort und auf der Verlängerung, der Neuen Filandastraße, laut Polizei 84 Mal. 10 der 169 beteiligten Menschen wurden leicht verletzt.

Neue Fahrbahn, kein Radweg

Autos haben im Normalfall Platz auf drei Spuren in jeder Richtung. Und es sind Autofahrer:innen, die eine überwiegende Mehrheit der insgesamt 254 Unfälle verursachten. 2022 [6][plante der damalige Berliner Senat], die Straße mit einer Spur für Fahrradfahrende, einer Spur für parkende und einer für fahrende Autos übersichtlicher und sicherer zu machen.

2025 wurde auf einem ersten Abschnitt die Fahrbahn erneuert, nun haben die Bauarbeiten auf einem zweiten Abschnitt begonnen. Doch in beiden Fällen ließ die aktuelle Senatsverwaltung aus CDU und SPD die Chance für neu verteilte Spuren verstreichen, ein Radweg ist bei den aktuellen Bauarbeiten nicht eingeplant.

Um den Verkehr in Ortschaften generell sicherer zu machen, wirbt der ADFC dafür, innerorts Tempo 30 als Standardgeschwindigkeit einzuführen. Bremswege würden im Vergleich zu Tempo 50 verkürzt, das Risiko für schwere Unfälle sinke deutlich. [7][Laut dem ökologischen Verkehrsclub VCD] waren fast zwei von drei Menschen, die 2024 innerorts bei Unfällen getötet wurden, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. „Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Versäumnisse“, sagt Christiane Rohleder, VCD-Bundesvorsitzende. „Die Freiheit, schnell zu fahren, wird über Menschenleben gestellt.“

[8][Zusammen mit anderen Verbänden und der Gewerkschaft der Polizei] fordert der VCD außerdem ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen und ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Nebeneffekt: weniger Spritverbrauch, weniger klimaschädliche CO₂-Emissionen – und weniger Abhängigkeit von teuren Öl-Importen.

14 Apr 2026

[1] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Radverkehr/nationaler-radverkehrsplan-3-0.html

[2] https://www.adfc.de/pressemitteilung/nationale-verkehrssicherheitskonferenz-adfc-fordert-sichere-radwege

[3] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Tabellen/getoetete-fahrzeugart.html?templateQueryString=Fahrradunfall

[4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N020_461.html

[5] /Raserunfaelle-und-die-Autoindustrie/!6144030

[6] https://changing-cities.org/filanda-was-senat-streicht-heimlich-radverkehrsplanungen/

[7] https://www.vcd.org/service/presse/pressemitteilungen/vcd-fordert-kurswechsel-tempolimits-als-lebensretter

[8] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/zur-verkehrssicherheitskonferenz-breites-buendnis-fordert-tempolimit-fuer-mehr-verkehrssicherheit-und/

AUTOREN

Nanja Boenisch

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