taz.de -- Attacke auf Leipziger Flughafen: Jetzt waren es schon drei Drohnen

Der Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen war offenbar größer als gedacht. Ermittler fanden eine weitere Sprengstoff-Drohne.

Bild: Einsatzkräfte der Polizei suchen ein Feld am Flughafen Leipzig/Halle nach Spuren ab, am 12.8.2026

afp | Beim [1][Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen] Anfang August kam offenbar eine weitere Drohne zum Einsatz. Am 14. August fanden Ermittler auf einem Feld in Kabelsketal westlich des Flughafens eine Drohne, wie die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR am Dienstag berichteten. Die Polizei entdeckte dort zudem eine Substanz, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um militärischen Sprengstoff handeln könnte.

Demnach handelte es sich vermutlich um rund 50 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs Hexogen. „Die Täter hatten womöglich einen weitaus größeren Anschlag im Sinn als bislang öffentlich bekannt“, schrieben NDR und WDR. Die Bundesanwaltschaft, welche die Ermittlungen in dem Fall leitet, äußerte sich demnach auf Anfrage nicht dazu.

Am Abend des 4. August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland.

Wie die Bundesanwaltschaft zwei Tage später mitteilte, gibt es tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass auf dem Flughafengelände „mittels einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte“. An der Drohne seien professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden.

Explosion in verlassenem Ort

Wenig später stieß außerdem eine Frachtmaschine, die wegen des Vorfalls durchstarten musste, in der Luft mit einem Gegenstand zusammen – „mutmaßlich einer weiteren Drohne“, wie die Bundesanwaltschaft am 6. August erklärte.

[2][Diese übernahm die Ermittlungen von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden], sie sprach von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“. Die Tat könne die Sicherheit Deutschlands beeinträchtigen. Die polizeilichen Ermittlungen übernahm das Bundeskriminalamt.

Im Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall am Flughafen wurde auch der verlassene Ort Kursdorf in der Nähe durchsucht. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte vor einigen Tagen Durchsuchungen dort, nannte aber keine Einzelheiten. Berichten von Zeit und ARD zufolge sollen Zeugen schon Stunden vor dem Fund der Sprengstoffdrohne am Flughafen eine Detonation in Kursdorf gehört haben. Dort sei später ein Stück verbrannte Erde entdeckt worden.

Unklar ist nach wie vor, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlagsplan steckte. Die Bundesregierung ‌wird nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz „in Kürze“ eine Aussage treffen, wer ihrer Meinung nach hinter den Drohnenangriffen in Leipzig steckt. „Sie werden dafür bezahlen“, sagte Merz am Dienstag vor Beginn der Kabinettsklausur im brandenburgischen [3][Neuhardenberg]. Dort sei ‌nicht der Ort, dies aufzuklären. „(Aber) daran arbeiten wir zusammen mit den Sicherheitsbehörden intensiv und wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern“, fügte er hinzu.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte vergangene Woche bei der Eröffnung eines Zentrums zur Drohnensicherheit in Sachsen-Anhalt, dass er Verbindungen zu anderen Anschlagsplanungen für möglich halte. „Leipzig ist kein singulärer Fall, sondern Leipzig ist Teil eines größeren Gebildes“, sagte Dobrindt.

Den neuen Medienberichten zufolge sollen Sicherheitskreise davon ausgehen, dass russische Geheimdienste in die Planung involviert waren. Moskau weist eine Beteiligung zurück.

25 Aug 2026

[1] /Drohnenvorfall-in-Leipzig/!6201945

[2] /Sprengstoff-Drohne-am-Leipziger-Flughafen-Teil-einer-gezielten-Sabotageaktion/!6201891

[3] /Regierungsklausur-in-Neuhardenberg/!6202745

TAGS

Leipzig

Drohnen

Ukraine

Russland

Friedrich Merz

ARTIKEL ZUM THEMA

Drohnen auf Leipziger Flughafen: Bundesregierung: Russland steckt hinter Sprengstoff-Drohne

Die Bundesregierung macht Russland für den versuchten Anschlag in Leipzig verantwortlich. Berlin verhängt deshalb neue Strafmaßnahmen gegen Russland.

Drohnenüberwachung in Hamburg: Neue Augen in der Luft

Hamburgs Polizeihubschrauber „Libelle“ und „Libelle 1“ werden aussortiert und durch ein flächendeckendes Drohnennetz ersetzt. Die Drohnen sind: leise.

Berliner Demo für die Ukraine: Drohnennetz vor dem Brandenburger Tor

In Berlin ist der Himmel frei, in der Ukraine kommt von dort die Todesgefahr. „Wir teilen einen Himmel“ war das Motto der Demo zu ihrem Unabhängigkeitstag.

Kabinettsklausur nach der Sommerpause: Neustart in Neuhardenberg

Mit seiner Kabinettsumbildung hat der Kanzler vor der Sommerpause die Regierung durcheinandergewirbelt. Bewährt sich die neue Aufstellung in Neuhardenberg?

Drohnenvorfälle in Rumänien: Neptun ist ein verlockendes Ziel

Rumänien ist es gelungen, eine Marinedrohne nahe einem Offshore-Gasprojekt zu zerstören. Die Vorfälle häufen sich und stellen Bukarest auf die Probe.

Proxied content from gemini://taz.de/Leipziger-Flughafen-Weitere-Sprengstoff-Drohne-gefunden/%216206966 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Leipziger-Flughafen-Weitere-Sprengstoff-Drohne-gefunden/%216206966
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.