taz.de -- Lateinamerikanisch-karibische Staaten: Uneins über den US-Imperialismus
Lateinamerika ist in der Bewertung des US-Angriffs auf Venezuela gespalten. Brasiliens Rechte wünscht sich eine US-Intervention auch in ihrem Land.
Bild: Übt scharfe Kritik an Trump und berief Lateinamerika-Treffen ein: Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva
Nach dem [1][US-Angriff auf Venezuela] hat Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva am Sonntag ein Treffen der Minister der lateinamerikanischen und karibischen Celac-Staaten einberufen. Er hatte bereits am Samstag die Militäraktion der USA verurteilt. Sie überschreite eine Grenze, sei inakzeptabel und verletze die Souveränität Venezuelas. [2][Es handele sich um einen Präzedenzfall,] der für die internationale Gemeinschaft extrem gefährlich sei.
Das Treffen sollte, so Lulas Hoffnung, zu einer gemeinsamen Verurteilung durch die Staaten des gesamten Kontinents führen. Im Celac-Block sind seit 2010 alle 33 Entwicklungsländer des amerikanischen Kontinents vereint.
Doch Lulas Rechnung ging nicht auf: Die Videokonferenz endete nach zwei Stunden ergebnislos, [3][da man sich nicht auf eine gemeinsame Position einigen konnten.] Brasilien, Mexiko, Chile, Kolumbien, Uruguay und Spanien hatten immerhin Stunden zuvor gemeinsam ihre Besorgnis über den Vorfall formuliert: „Der Versuch, Regierungskontrolle auszuüben, ist nicht mit internationalem Recht zu vereinbaren.“
Lula blieb bei seiner Verurteilung der Militär-Intervention und erkannte außerdem, ebenso wie Kolumbien, die venezolanische Vizepräsidentin [4][Delcy Rodríguez] als Interimspräsidentin an. Eine widersprüchliche Entscheidung, da Brasilien ursprünglich die Wahl Maduros nicht anerkannt hatte. Auf X erklärte Lula: „Länder in offener Verletzung des internationalen Rechts anzugreifen, ist der erste Schritt in eine Welt der Gewalt, des Chaos und der Instabilität, in der das Recht des Stärkeren sich gegen den Multilateralismus durchsetzt.“
Argentiniens Milei gegen gemeinsame Erklärung
Venezuelas Außenminister Yván Gil bezeichnete den Angriff während der Konferenz als „feige und kriminell“. Es handele sich um eine Attacke auf ganz Lateinamerika und die Karibik. Argentiniens Präsident Javier Milei hingegen begrüßte die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro als „Fortschritt der Freiheit“. Milei war es auch, der sich gegen eine gemeinsame Erklärung der Celac-Staaten einsetzte.
Maduro soll sich in den USA unter anderem wegen Drogenterrorismus vor Gericht verantworten. Die brasilianische Linke sieht die Kontrolle über [5][die venezolanische Erdölförderung als wahres Motiv der US-Invasion]. Brasilien als Land mit dem weltweit zweitgrößten Vorkommen an seltenen Erden könne künftig ebenfalls Ziel eines US-Angriffs werden, so die Befürchtungen.
Mehrere brasilianische Rechtsaußen-Politiker feierten den Angriff und die Festnahme Nicolás Maduros hingegen euphorisch als „Rettung Venezuelas“. Unter Anhängern des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro ist die Auffassung verbreitet, dass die USA durch eine Militär-Intervention für Ordnung in Brasilien sorgen sollten. Der seit Februar 2025 in den USA lebende Eduardo Bolsonaro, Sohn des früheren Staatschefs, hat schon mehrfach eine US-Intervention in Brasilien gefordert.
5 Jan 2026
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AUTOREN
Christine Wollowski
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