taz.de -- Kultursenator über Bismarck-Denkmal: „Wir wollen nicht nur sanieren“
Wie sollte Hamburg mit dem Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark umgehen? Kultursenator Carsten Brosda setzt auf eine Neukontextualisierung.
Bild: Gereinigt wurde schon: Das 34 Meter hohe Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark Anfang April 2020
taz: Herr Brosda, Bismarck gilt vielen als Wegbereiter des Kolonialismus. Warum investiert die Stadt jetzt so viel Geld in die Sanierung seines Denkmals?
Carsten Brosda: Die Sanierung geht auf einen Beschluss des Deutschen Bundestages zurück und wie bei solchen Projekten üblich, ist eine Kofinanzierung des Landes notwendig. Uns kommt es jetzt darauf an, dass wir eben nicht nur das Denkmal sanieren, sondern parallel einen Prozess organisieren, in dem wir für seine Kontextualisierung sorgen.
Was meinen Sie damit?
Ich hielte es für unerträglich, wenn wir Bismarck nur baulich und denkmalpflegerisch sanieren. Stattdessen müssen wir uns aus unserer jetzigen Perspektive mit diesem Zeugnis unserer Geschichte auseinandersetzen. Wie das geschieht, soll unter anderem heute diskutiert werden.
Ist der Kolonialismus überhaupt das Zentrale, über das wir bei Bismarck sprechen müssen?
Mit Bismarck wird heute deutlich mehr in Verbindung gebracht als Kolonialismus, auch wenn sich die aktuelle Denkmaldebatte darauf konzentriert. Einige betonen den Kulturkampf, andere die Einführung der Sozialgesetzgebung unter Bismarck. Ich denke, er ist eine Figur, die sich nur aus ihrer Zeit heraus erklären lässt. Gleichzeitig müssen wir uns aber heute zu Bismarck vor dem Hintergrund unseres jetzigen Wissens und unserer Werte verhalten.
Wie kann das Denkmal dem gerecht werden?
Einerseits muss es erhalten bleiben, andererseits im Heute sichtbar kontextualisiert werden. Das wird auf verschiedenste Art und Weisen passieren – fest steht schon, dass wir partizipativ ein künstlerisch-didaktisches Konzept für eine Neukontextualisierung entwickeln werden.
Warum diskutieren Sie denn erst jetzt darüber?
Der aktuelle Anlass ist die Sanierung des Denkmals. Zudem findet zurzeit eine internationale Debatte darüber statt, wie wir mit Denkmälern umgehen, die für eine Zeit stehen, die nicht mehr die unsere ist. Damit hat Hamburg übrigens bereits Erfahrungen gemacht – denken wir daran, dass die Kolonialdenkmäler vor der Uni in den 60er Jahren gestürzt worden sind. Dass solche Diskussionen immer wieder aufkommen, ist wichtig und gehört zu einer offenen Gesellschaft.
19 Nov 2020
AUTOREN
Paula Bäurich
Denkmal
Bismarck
Hamburg
Deutscher Kolonialismus
Carsten Brosda
Deutsche Geschichte
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