taz.de -- Krieg in Iran und den Golfstaaten: Feuer an Atomkraftwerk, IAEA in Sorge
Nach dem Drohnenangriff nahe einem Kernkraftwerk in Abu Dhabi wollen Israels Premier Netanjahu und Trump sprechen. Noch haben die Emirate keinen Angreifer benannt.
Bild: Das AKW Baraka, als es sich noch im Bau befand. Nun traf dort eine Drohne einen Generator
ap/taz | Ein Drohnenangriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate hat ein Feuer vor einem Atomkraftwerk in Abu Dhabi ausgelöst. Der Brand sei in einem externen Stromgenerator des Baraka-Kernkraftwerks in al-Dhafra ausgebrochen, teilte das Medienbüro von Abu Dhabi am Sonntag mit. Berichte über Verletzte lägen nicht vor.
Es gebe keinen Anstieg der Radioaktivität über die Sicherheitsrichtwerte. Die Atomaufsichtsbehörde der Emirate erklärte, das Feuer habe die Sicherheit des Kraftwerks nicht beeinträchtigt. „Alle Anlagen arbeiten normal“, schrieb die Organisation im Kurznachrichtendienst X.
Es seien insgesamt drei Drohnen über die „westliche Grenze“ des Landes in den Luftraum eingedrungen, [1][schrieb das Verteidigungsministerium der Emirate auf X]. Zwei seien abgefangen worden, die dritte an einem Generator außerhalb der inneren Zone des Baraka-Kernkraftwerks eingeschlagen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien erklärte, wegen des Brandes werde ein Reaktor des Kraftwerks über einen Notgenerator mit Strom versorgt. Generaldirektor Rafael Grossi sagte, er mache sich große Sorgen. Militäraktionen, die die nukleare Sicherheit gefährden, seien inakzeptabel.
Immer wieder Verletzung der Waffenruhe
Die Emirate machten bislang niemand für den Angriff verantwortlich. Dass die Drohnen von Westen kamen, gibt allerdings einen Hinweis – und zwar möglicherweise auf die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen. [2][Der Iran hatte nach Beginn des Kriegs mit den USA und Israel anhaltend seine Nachbarstaaten beschossen]; die Emirate waren am meisten betroffen. Seit dem 8. April gilt zwar eine Waffenruhe, diese wird allerdings immer wieder verletzt. Die Emirate hatten Iran auch in den vergangenen Tagen Angriffe mit Drohnen und Raketen vorgeworfen.
Israels Premierminister kündigte am Sonntag an, noch am selben Tag mit US-Präsident Donald Trump zu sprechen. „Unsere Augen sind bezüglich Iran geöffnet“, sagte er. Man sei für „jedes Szenario“ vorbereitet. Einem Bericht der Times of Israel zufolge soll Netanjahu für den Abend ein Meeting mit „Top-Beratern und Ministern“ einberufen haben, es soll um „Sicherheit“ gehen.
Kraftwerk deckt ein Viertel des Energiebedarfs der Emirate
Das Kernkraftwerk Baraka steht westlich der Metropole Abu Dhabi und verfügt über vier Reaktoren. Es wurde für umgerechnet etwa 17,2 Milliarden Dollar mit Hilfe Südkoreas gebaut und ging 2020 ans Netz. Baraka ist das erste und einzige Atomkraftwerk auf der Arabischen Halbinsel und kann ein Viertel des Energiebedarfs der Emirate decken.
Kernkraftwerke sind bei Kriegen in den vergangenen Jahren zunehmend ins Visier geraten. Im russischen Invasionskrieg gegen die Ukraine ist insbesondere das Atomkraftwerk Saporischschja wiederholt unter Beschuss geraten. Während des Irankriegs behauptete Teheran wiederholt, [3][sein Kernkraftwerk Buschehr sei angegriffen worden], obwohl der von Russland unterstützte Reaktor nicht direkt beschädigt und auch keine radioaktive Strahlung freigesetzt wurde.
17 May 2026
LINKS
[1] https://x.com/modgovae/status/2056010573759049920
[2] /Irankrieg/!6169811
[3] /-Nachrichten-im-Irankrieg-/!6168505
Schwerpunkt Iran-Krieg
Vereinigte Arabische Emirate
Abu Dhabi
Schwerpunkt Atomkraft
ARTIKEL ZUM THEMA
Ausbau Windenergie: Windräder zurückdrehen
Total Energies und BP haben offenbar das Interesse an der Nutzung ersteigerter Seegebiete verloren. Diese waren für Offshore-Windflächen vorgesehen.
Konferenz zu Energiesicherheit: Reiche macht blau statt grün
Schwarz-Rot will von den bitteren Erfahrungen der Ukraine lernen – macht jedoch das Gegenteil. Und das volle Ausmaß der Irankrise steht noch an.
Krieg zwischen den USA und Iran: Das Tauziehen zwischen Washington und Teheran geht weiter
Iran stellt eine Behörde zur dauerhaften Kontrolle der Straße von Hormus vor. Trump droht Teheran erneut mit vernichtenden Militärschlägen.
+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump droht Iran abermals mit Zerstörung
Die USA und Israel bereiten sich laut Medien auf eine Wiederaufnahme ihrer Angriffe in Iran vor. US-Präsident Trump droht: „Für Iran tickt die Uhr“.
Die Wahrheit: Im Innersten der Inzorzisten
Die Weltlage ist düster, schlechte Nachrichten sind an der Tagesordnung. Ein Besuch bei der wohl schaurigsten PR-Agentur Deutschlands.
Vor USA-China-Gipfel: Trump auf schwieriger Mission in Peking
Der US-Präsident braucht China zur Beendigung des Irankriegs und für Investitionen. Denn zu Hause sinken seine Umfragewerte immer weiter.
US-iranische Verhandlungen: Das Wunschkonzert von Hormus
Eine US-iranische Einigung ist weit entfernt. Die entscheidende Frage: Wer kann den wirtschaftlichen Druck der Blockade von Hormus länger aushalten?