taz.de -- Krach zwischen Selenskyj und Trump: Treffen, versenkt!

Selenskyj bedauert den Eklat im Weißen Haus, will sich bei Donald Trump aber nicht entschuldigen. Der wird von Republikanern und MAGA-Gefolgsleuten bejubelt.

Bild: Schlechte Vibes im Raum: Selenskyj, Trump und Vance beim Schlagabtausch

WASHINGTONtaz | „Respektlos.“ So bezeichneten US-Präsident Donald Trump und sein Vizepräsident J. D. Vance den Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus am Freitag. Selenskyjs Besuch in Washington sollte der nächste Schritt zu einem möglichen Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine sein.

Doch [3][nach einem verbalen Schlagabtausch im Oval Office zwischen Trump, Vance und Selenskyj] scheint nicht nur ein baldiges Ende des Kriegs in weiter Ferne. Auch die anhaltende Unterstützung der Ukraine vonseiten der USA ist nach dem Treffen in Gefahr.

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Präsident Selenskyj nicht zum Frieden bereit ist […] Er kann zurückkommen, wenn er für Frieden bereit ist“, erklärte Trump in einem Post auf Truth Social nach dem hitzigen Wortgefecht.

Die [4][geplante Unterzeichnung eines Rohstoff-Abkommens zwischen den USA und der Ukraine] sowie eine gemeinsame Pressekonferenz wurden daraufhin abgesagt. Selenskyj verließ das Weiße Haus nur wenig später.

Das mit Spannung erwartete Treffen zwischen den beiden Regierungschefs geriet aus der Bahn, nachdem Selenskyj sein Mistrauen gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich zum Ausdruck brachte und konkrete Sicherheitsgarantien von den USA verlangte.

Trump und Vance zeigten sich unbeeindruckt und verlangten im Gegenzug mehr Respekt und Dankbarkeit für die bisherige Unterstützung der USA. „Sie spielen mit dem Dritten Weltkrieg, und was Sie tun, ist sehr respektlos gegenüber diesem Land, das Ihnen weit mehr zurückgibt, als viele Leute sagen, dass es das sollte“, warnte Trump Selenskyj nachdrücklich.

Im weiteren Verlauf des Tages erklärte Trump, dass er weder Putin noch Selenskyj trauen würde. Alles, was er wolle, sei ein Abkommen, um den Konflikt zu stoppen. „Entweder wir beenden es oder wir lassen ihn kämpfen, und wenn er es auskämpft, wird es nicht schön. Denn ohne uns gewinnt er nicht“, sagte der US-Präsident gegenüber Journalisten vor seinem Abflug nach Florida.

Selenskyj bekräftigt seinen Standpunkt im Interview mit Fox News

Der ukrainische Regierungschef Selenskyj sagte nach dem Vorfall im Weißen Haus mindestens einen geplanten Auftritt in der US-Hauptstadt ab. An einem bereits im Vorfeld geplanten Interview mit Trumps Lieblingssender Fox News hielt er allerdings fest. Im Gespräch mit Moderator Brett Baier machte Selenskyj seinen Standpunkt klar.

Er erklärte, dass er kein Vertrauen in Putin habe und dass Russen in den Augen der ukrainischen Bevölkerung „Mörder“ seien. Vor allem deshalb seien für ihn und sein Volk Sicherheitsgarantien von enormer Bedeutung.

Selenskyj sagte auch, dass er die Situation im Oval Office bedauere. Die Frage, ob er sich bei Trump entschuldigen müsse, beantwortete er mit einem klaren: „Nein.“

„Ich respektiere den Präsidenten. Und ich respektiere das amerikanische Volk. Ich glaube, wir müssen offen und ehrlich sein, und ich bin mir nicht sicher, ob wir etwas Schlimmes getan haben“, erklärte Selenskyj im Fox-Interview.

Republikaner stehen hinter Trump

Der Fallout des Treffens zeigte sich vor allem in den sozialen Medien und im Programmplan der US-amerikanischen Nachrichtensender. Der republikanische Senator Lindsey Graham, der als Unterstützer der Ukraine gilt, sagte, er wisse nicht, ob die Beziehung zwischen der amerikanischen Bevölkerung und Selenskyj nach diesem Auftritt repariert werden könne.

„Entweder muss er zurücktreten und jemanden schicken, mit dem wir Geschäfte machen können, oder er muss sich ändern“, erklärte Graham.

Trumps Kabinettsmitglieder und ein Großteil der republikanischen Kongressabgeordneten vertraten eine ähnliche Meinung und lobten Trump und Vance dafür, die amerikanischen Interessen zu vertreten.

„Danke [Präsident Trump], dass Sie sich auf eine Weise für Amerika eingesetzt haben, zu der noch kein Präsident zuvor den Mut hatte. Vielen Dank, dass Sie Amerika an die erste Stelle setzen. Amerika ist bei dir!“, schrieb US-Außenminister Marco Rubio in einem Post auf X.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth postete nur ein kurzes: „Amen, Mr. Präsident“. Und die republikanische Abgeordnete Nancy Mace, die immer wieder mit kontroversen Aussagen von sich reden macht, kommentierte die Situation mit den Worten, „Frieden durch Stärke live aus dem Oval Office“.

Demokraten schießen gegen Trump

Ganz anders war die Reaktion auf demokratischer Seite. Dort war der Tenor der, dass Trump und Vance ein peinliches Verhalten an den Tag gelegt hätten, damit Amerikas Ruf schädigten und Putin stärkten.

„Die ungeheuerliche Darstellung heute Nachmittag von Präsident Trump und Vizepräsident Vance war eine Schande und geradezu unamerikanisch. Wieder einmal haben sie sich auf die Seite eines mörderischen Verbrechers, Putin, gestellt und gegen unsere demokratischen Verbündeten, die Ukraine“, erklärte die demokratische Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, Jeanne Shaheen.

Senator Chris Murphy erklärte, dass Amerika als globale Macht unter Trump gerade zur Ader gelassen würde, [5][weil sich die US-Regierung auf die Seite der „Diktatoren und nicht der Demokratie stellt“].

Der Abgeordnete Chris Van Hollen fügte hinzu, dass Trumps und Vance’ Verhalten ein „Verrat unserer Verbündeten“ sei und dass im Kreml die Champagnerkorken knallen würden. Senator Adam Schiff war vielleicht noch klarer: „Ein Held und ein Feigling treffen sich heute im Oval Office. Und wenn das Treffen vorbei ist, wird der Held in die Ukraine zurückkehren.“

MAGA-Land feiert Trump

Die Bereitschaft in der US-Bevölkerung, die Ukraine nach drei Jahren Krieg weiter mit Milliarden von Dollar zu unterstützen, hat immer weiter abgenommen. MAGA-Anhänger und Influencer feierten daher die direkte Konfrontation zwischen Selenskyj und Trump, der in ihren Augen die US-amerikanischen Interessen vertritt.

[6][Ex-Trump-Berater Steve Bannon] bezeichnete Selenskyj als einen „eingebildeten Punk“, dem von Trump die Leviten gelesen wurden. Milliardär und Regierungsberater Elon Musk sagte, dass sich Selenskyj mit diesem Auftritt in den Augen des amerikanischen Volks „selbst zerstört hätte“. Und der Gründer der konservativen Organisation Turning Point USA, Charlie Kirk, meinte, dass Trump und Vance genau das gesagt hätten, was Millionen von Amerikanern Selenskyj schon lange sagen wollten.

Wie es nun zwischen Trump, Selenskyj und Putin weitergeht und ob sowohl der Rohstoff-Deal zwischen den USA und der Ukraine als auch ein mögliches Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine überhaupt noch eine Zukunft haben, werden die nächsten Tage und Wochen ergeben.

1 Mar 2025

[3] /Ukraines-Praesident-in-Washington/!6072965

[4] /Krieg-in-der-Ukraine/!6068729

[5] /UN-Resolutionen-zum-Ukraine-Krieg/!6068597

[6] /Nach-Hitlergruss-von-Trump-Berater-Bannon/!6071194

AUTOREN

Hansjürgen Mai

TAGS

Schwerpunkt USA unter Trump

Ukraine

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Donald Trump

GNS

J.D. Vance

ARTIKEL ZUM THEMA

Reaktionen auf Alaska-Gipfel: Verwunderung und Empörung

Nach dem Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska blicken die Ukrai­ne­r:in­nen mit gemischten Gefühlen auf den bevorstehenden Empfang von Selenskyj im Oval Office.

Rohstoffabkommen Ukraine-USA: Ein guter Deal – außer Trump ändert seine Meinung

Die USA und die Ukraine haben sich auf ein Rohstoffabkommen geeinigt. Das ist eine Überraschung – nach dem Eklat im Oval Office im Februar.

Bodenschätze in der Ukraine: Sicherheit gegen Rohstoffe

Lithium, Titan, Erdgas: Große Investitionen sind notwendig, um die ukrainischen Reichtümer auszubeuten. Trump und Putin wollen sich Teile dieses Schatzes sichern.

US-Waffenhilfe für die Ukraine: Wir sind dann mal raus

US-Präsident Donald Trump hat mit sofortiger Wirkung die Waffenhilfe für die Ukraine gestoppt. Auch Satelliten-Aufklärungsdaten könnten bald fehlen.

John F. Kennedy über Trump: Abschied von Amerika

Die USA teilen die Welt in hegemoniale Einflusszonen auf und machen sich damit selbst klein. Atmen wir noch dieselbe Luft?

Russlands Beziehungen zur USA: Achse der Freundschaft

In Moskau umschmeichelt man die USA als Freund und Verbündeteten gegen Europa und die Ukraine. Es ist eine 180-Grad-Wende in der russischen Rhetorik.

Nach dem Eklat im Oval Office: Europa, wohin?

Die internationale Ordnung fällt gerade in Trümmer. Das Problem: Europa ist kein einheitlicher Akteur, sondern ein höchst widersprüchliches Gebilde.

Strack-Zimmermann zur politischen Lage: „Das ist eine komplett neue Weltordnung“

Die FDP-Europapolitikerin begrüßt Gespräche über eine Waffenruhe in der Ukraine. Das entbinde die EU jedoch nicht von mehr Verteidigungsinvestitionen.

Europa nach dem Bruch mit Trump: „Koalition der Willigen“ für die Ukraine

Einen Tag nach dem Eklat in Washington ist der ukrainische Präsident in London eingetroffen. Am Sonntag kommen die europäischen Staatschefs hinzu.

Nach dem Eklat im Weißen Haus: Die USA sind nun kein Partner mehr

Im Krieg Russlands gegen die Ukraine hat ein völlig neues Kapitel begonnen. Trump spielt jetzt im Club mit den Rechtsradikalen und Autokraten der Welt.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Selenskyj zu Besuch in London

Die EU, Frankreich und Deutschland stellen sich demonstrativ hinter die Ukraine, während sich der britische Premierminister in Zurückhaltung übt. Nun trifft Starmer auf Selenskyj.

Ukraines Präsident in Washington: Trump und Vance provozieren Eklat im Weißen Haus

Eigentlich wollten Selenskyj und Trump das Rohstoffabkommen unterzeichnen. Stattdessen kommt es zu einem heftigen Wortgefecht und zum Abbruch der Gespräche.

Annäherung zwischen Putin und Trump: Dartschijew wird Russlands neuer Botschafter in den USA

Moskau und Washington arbeiten an der Wiederaufnahme vollwertiger diplomatischer Beziehungen. Nun erzielt der Kreml einen wichtigen Erfolg.

Keir Starmer in Washington: Den Frieden gewinnen

Der Krieg in der Ukraine war das Top-Thema beim Treffen des britischen Premiers Keir Starmer und US-Präsident Trump. Unter anderem ging es um Sicherheitsgarantien.

Proxied content from gemini://taz.de/Krach-zwischen-Selenskyj-und-Trump/%216072970 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Krach-zwischen-Selenskyj-und-Trump/%216072970
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.