taz.de -- Kongos Armee beschießt Rebellen in Goma: Kampfdrohne tötet UN-Mitarbeiterin im Schlaf
Goma, wo Kongos M23-Rebellen residieren, wird Ziel eines Drohnenangriffs der von Franzosen unterstützten Regierungsarmee. Eine Französin wird getötet.
Bild: Volltreffer: Nach dem nächtlichen Drohneneinschlag in Goma bewachen UN-Blauhelme das Haus, in dem eine UN-Mitarbeitern starb
Es war noch vor dem Morgengrauen, als die Kampfdrohnen der kongolesischen Armee über Goma kreisten. Die Millionenstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo liegt direkt an der Grenze zu Ruanda und wird seit über einem Jahr von den Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) kontrolliert, die von Ruandas Militär unterstützt werden. Die M23-Führung sitzt in schicken Villen in Goma am Ufer des Kivu-Sees. Genau dorthin zielten nun die ferngesteuerten Drohnen der Gegenseite.
Die erste Drohne feuerte laut Angaben der M23 ihr Geschoss offenbar zu spät ab, es versank im See. Das Geschoss der zweiten Kampfdrohne traf kurz darauf ein Haus in Ufernähe im Stadtviertel Himbi, wo viele UN-Mitarbeiter wohnen. [2][Videos auf X] zeigen ein eingestürztes Dach, das Schlafzimmer darunter steht in Flammen.
Der Einschlag tötete eine französische Mitarbeiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, die in der getroffenen Doppelhaushälfte wohnte. Einen offiziellen Kommentar gab Unicef in Goma zunächst auf Anfrage nicht ab. Nach lokalen Quellen wurden auch mindestens zwei Kongolesen getötet.
„Dieser Angriff ist eine Provokation, die wir nicht tolerieren können!“, [3][erklärte M23-Sprecher Lawrence Kanyuka]. Die Drohne habe ein „dicht besiedeltes Stadtgebiet anvisiert und damit das Leben unschuldiger Zivilisten in Gefahr gebracht“.
War das eigentliche Ziel Joseph Kabila?
Das eigentliche Ziel der Drohne, so spekulieren kongolesische Augenzeugen, dürfte eine schicke Villa nur wenige Hundert Meter entfernt gewesen sein. Dort wohnt derzeit [4][Kongos Ex-Präsident Joseph Kabila]. Er besitzt seine luxuriöse Residenz am Kivu-See seit seiner Zeit als Präsident.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2019 und seinem Bruch mit Nachfolger Félix Tshisekedi ein Jahr später war Kabila ins Exil in Südafrika, Namibia und Simbabwe gegangen. Vor knapp einem Jahr kam Kabila nach Goma, suchte bei den M23-Rebellen Zuflucht – ohne sich diesen jedoch offiziell anzuschließen.
Kongos Regierung beschuldigte Kabila des Landesverrats, ein Militärgericht in Kinshasa [5][verurteilte ihn im September in Abwesenheit zum Tode]. Seitdem ist er einer der meistgesuchten Männer des Landes und wird in Goma von den Rebellen beschützt.
Die Kampfdrohnen starten in Kisangani
Trotz eines im Dezember 2025 unterzeichneten Friedensvertrags und einem erklärten Waffenstillstand mit den M23-Rebellen startete Kongos Armee vor zwei Wochen [6][eine neue Offensive im Ostkongo]. Vom internationalen Flughafen in Kisangani aus, rund 500 Kilometer westlich von Goma, starten immer wieder Kampfdrohnen. Die hat Kongos Armee im vergangenen Jahr in China und der Türkei eingekauft.
Mit diesen Drohnen nimmt die Regierungsarmee nun die M23-Führung gezielt ins Visier. Ende Februar feuerte sie auf ein Farmhaus in den Masisi-Bergen westlich von Goma, wo das M23-Oberkommando kurz zuvor getagt hatte. Eine Drohne [7][traf M23-Militärsprecher Willy Ngoma] in seinem Auto tödlich.
Seitdem wird in den Masisi-Bergen unweit von Goma heftig gekämpft. Kongos Armee schickt die mit ihr verbündeten Milizionäre „Wazalendo“ (Patrioten) vor, um die Frontlinien zu durchbrechen. In den letzten Tagen war sogar in Goma das dumpfe Grollen von schweren Waffen aus den Bergen zu hören.
Die Drohne, die am Mittwochmorgen das Schlafzimmer der französischen Unicef-Mitarbeiterin traf, verdeutlicht jedoch die Bereitschaft der Regierungsarmee, auch zivile Opfer in Kauf zu nehmen.
Gesteuert und gewartet werden die hochmodernen, teuren Geräte nicht von Kongolesen, sondern von [8][französischen Ausbildern] – darunter Drohnenpiloten –, die Kongos Armee angeheuert hat. Nun treffen sie in Goma ausgerechnet eine französische UN-Angestellte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron [9][bestätigte] am Mittwoch ihren Tod und rief zur Respektierung des humanitären Völkerrechts auf.
11 Mar 2026
LINKS
[2] https://x.com/byobe_malenga/status/2031614552316539266
[3] https://x.com/LawrenceKanyuka/status/2031560100645613657
[4] /Machtkampf-in-der-DR-Kongo-/!6090511
[5] /Militaerprozess-in-der-DR-Kongo/!6113009
[6] /Krieg-in-DR-Kongo-eskaliert/!6159118
[7] /Ende-der-Waffenruhe-in-der-DR-Kongo/!6157802
[8] https://x.com/AmbaFranceRDC/status/2029142291772743787
[9] https://x.com/EmmanuelMacron/status/2031677780409135352
AUTOREN
Simone Schlindwein
Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
M23-Rebellen
Goma
Kampfdrohnen
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