taz.de -- Regierungspläne für Fahrschulen: Geht doch

Die Koalition will die exorbitant teuer gewordenen Führerscheine billiger machen – gut so. Bei der Kostentransparenz ist aber noch Luft nach oben.

Bild: Der Preis des deutschen Führerscheins ist in den vergangenen Jahren noch einmal sprunghaft angestiegen

Immerhin unterstellt aktuell niemand mehr, Teenager hierzulande seien einfach etwas blöder als im Rest der Welt. Diesen Unterton hatte die Debatte über die explodierenden Führerscheinkosten bisher an mancher Stelle. Doch ist der Gesetzentwurf von CDU-Verkehrsminister Patrick Schnieder sehr geeignet, sich nunmehr den eigentlichen Kostentreibern im Führerscheingeschäft zuzuwenden: Das sind natürlich die Fahrschulen selbst.

Welche 18-Jährige oder ihre Eltern widersprächen, wenn der Fahrlehrer (es ist weiterhin meist ein Mann) sagt: „Du brauchst unbedingt noch ein paar weitere Stunden, sonst bist du eine Gefahr für den Straßenverkehr“? In diesem Markt entscheiden die Anbieter, was sie verdienen wollen. Sie durften über Jahrzehnte damit rechnen, dass ganze Familien zusammenlegen würden, um dem Kind den Lappen zu finanzieren.

Weder Sprit- noch Werkstattkosten können erklären, warum der Preis des deutschen Führerscheins – der immer schon höher war als fast überall sonst – in den vergangenen Jahren noch einmal sprunghaft angestiegen ist. Die vom Minister selbst genannten Durchschnittskosten von 3.400 Euro kommen vielen Eltern noch untertrieben vor, doch mag es außerhalb der großen Städte mehr Gelegenheiten geben, Fahrpraxis informell zu erwerben. Jedenfalls lässt es sich sehr gut begründen, zum Beispiel österreichische Verhältnisse anzupeilen, wo ein Führerschein in der Regel nicht mehr als 2.000 Euro kostet.

Industrie braucht mobile ArbeitnehmerInnen

Der [1][Führerscheinmarkt durfte jahrzehntelang vor sich hin wuchern], weil das Auto und damit auch die Autofahrbefähigung in Deutschland eher religiösen als rationalen Regeln unterworfen ist – Hauptsache, der Verbrenner brummt. Gut möglich, dass die schwarz-rote Koalition nur deshalb auf das Thema einsteigt, weil die Kosten sich prohibitiv auswirken und junge Leute vom motorisierten Individualverkehr abgeschreckt werden könnten.

Natürlich aber verlangt die Wirtschaft nach mobilen ArbeitnehmerInnen. Zu Rekrutierungszwecken für die Bundeswehr hat sich [2][das Argument des Gratisführerscheins, den es dort gibt], außerdem vielleicht ein wenig erschöpft. Aus Sicht der Regierung jedenfalls dürften die Interessen der ArbeitgeberInnen an flexiblen Nachwuchskräften jetzt schwerer wiegen als die Soldatengewinnung per Fahrerlaubnis.

Es ist also unnötig anzunehmen, der Bundesregierung ginge es um die jungen Leute selbst – dann sähe ihre Politik insgesamt anders aus. Immerhin klingen die Vorschläge des Verkehrsministeriums, unter anderem die absurd hohe Zahl an „Sonderfahrt“-Pflichtstunden herabzusetzen und eine öffentliche Vergleichbarkeit der Preise herbeizuführen, in der konkreten Sache zielführend. Bei der Transparenz könnte jedoch noch nachgelegt werden: Im Kostenvergleichsportal für Fahrschulen müsste auch ausgewiesen werden, in welcher durchschnittlichen Stundenzahl die FahrschülerInnen durchkommen.

Denn erst dann hätten die FahrschülerInnen überhaupt eine Chance in diesem eigentümlichen Markt.

22 May 2026

[1] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/kabinett-beschluss-fuehrerschein-reform-102.html

[2] https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/neuer-wehrdienst/fuehrerschein

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Ulrike Winkelmann

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