taz.de -- Huthi-Miliz: Wann handelt Europa?

Die Huthi-Miliz übt eindeutig Terror aus, steht aber nicht auf der Terrorliste der EU. Sie sollte es endlich tun – so wie die USA.

Bild: Angriff der Huthi auf eine Ölforderanlage bei Riad Anfang Oktober

Welche Miliz greift seit über drei Jahren immer wieder die internationale Schifffahrt an? Welche Miliz hat allein seit Anfang Oktober mindestens 19 Zivilisten in einem Nachbarstaat getötet und über 300 verletzt? Welche Miliz hat sich [1][„Tod Israel, Tod Amerika“] auf die Fahnen geschrieben? Welche Miliz steht zwar auf der Terrorliste der USA, bis heute aber nicht auf jener der Europäischen Union? Es ist die von Iran unterstützte Miliz Ansar Allah im Jemen, meist nach ihren Anführer „Huthi“ genannt. Und die wichtigste Frage: Weshalb steht sie denn nicht darauf?

Triftige Gründe gibt es nämlich zuhauf: systematische Angriffe auf die internationale Schifffahrt und damit auf Handelswege, die Millionen Menschen versorgen. Brutales Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung, inklusive massiver Einschränkungen der Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit und brutalem Vorgehen gegen jede Opposition. Seit Jahren anhaltende Angriffe auf Länder in der Region – [2][allen voran Saudi-Arabien], aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel. Wiederholte Erklärungen zur Vernichtung Israels, aber auch gegen das saudi-arabische Königshaus.

Das ist eigentlich ein eindeutiger Fall. Und die Europäische Union müsste sich nicht einmal auf unbekanntes Gebiet vorwagen, könnte sich inhaltlich etwa an der Einstufung der Huthi durch die USA orientieren. EU-Sanktionen bestehen außerdem bereits, auf denen die Mitgliedsstaaten aufbauen könnten.

Erst in der vergangenen Woche hat Kanzler Friedrich Merz bei einem Anruf in Riad die Huthi-Angriffe „auf das Schärfste“ verurteilt. Dem sollten Taten folgten. Die Bundesregierung sollte sich für die Terror-Einstufung der Huthi ins Zeug legen. So wie sie es – allerdings reichlich spät – auch bei den iranischen Revolutionsgarden getan hat.

Die Huthi zeigen seit Jahren, wer sie sind. Man sollte es ihnen glauben – und Konsequenzen ziehen.

18 Oct 2026

[1] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/jemen-huthi-angriffe-rotes-meer-100.html

[2] /-Nachrichten-im-Nahost-Krieg-/!6220528

AUTOREN

Lisa Schneider

TAGS

Huthi-Rebellen

Jemen Bürgerkrieg

Saudi-Arabien

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

Krieg im und um den Jemen: Immer mehr Menschen im Jemen durch Kämpfe vertrieben

Laut UN wurden seit August durch Kämpfe 280.000 Menschen vertrieben, die für Helfer immer schwerer zu versorgen sind. Derweil gibt es wieder neue Angriffe.

Krieg im Jemen: Neue Eskalation zwischen Huthis und Saudi-Arabien

Laut Huthi-Miliz kommt im Jemen mehr als ein Dutzend Menschen durch Angriffe Saudi-Arabiens ums Leben. Die Huthis beschießen den Flughafen von Aden.

Saudi-Arabien in Huthi-Krise: USA ziehen Diplomaten aus Golf-Region ab

Immer neue Angriffe der islamistischen Huthi-Miliz nötigen Washington zum Handeln. Ein Mensch starb bei einem Angriff auf den Flughafen der Ölstadt Dammam.

Humanitäre Krise in Jemen: „In Europa erst eine Nachricht, wenn der Ölpreis steigt“

Itta Helland-Hansen ist mit Ärzte ohne Grenzen in Jemen aktiv. Sie erzählt von unterernährten Schwangeren, Cholerapatienten und Hoffnungsschimmern.

+++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Huthis greifen erneut saudische Flughäfen an

Wieder greifen die jemenitischen Huthi-Rebellen Flughäfen in Saudi-Arabien an. Irans Außenminister will eine „diplomatische Lösung“ finden.

+++ Nahostkriege +++: Saudi-Arabien will noch keine Waffenruhe mit Huthi-Miliz

In Riad werden drei Menschen bei Angriffen durch die Huthi-Miliz getötet. Trump schließt vorerst einen weiteren Angriff auf Iran vor den US-Midterms aus.

Proxied content from gemini://taz.de/Huthi-Miliz/%216222311 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Huthi-Miliz/%216222311
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.