taz.de -- Höcke-Auftritt in Düsseldorf: Tausende kommen zum Gegenprotest
Tausende gehen in Düsseldorf gegen Auftritte des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke auf die Straße. Der will im parteiinternen Machtkampf den rechtsextremen Flügel stärken.
Bild: Protestaktion in Düsseldorf gegen den Auftritt des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke am 23. Februar 2026
Mehr als 10.000 Menschen haben am Sonntag und am Montag in Nordrhein-Westfalen gegen Auftritte des rechtsextremen AfD-Politikers Björn Höcke demonstriert. Allein im migrantisch geprägten Düsseldorfer Vorort Garath schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmenden am frühen Montagabend auf rund 7.000. Von einer Bühne der Protestierenden war die Zahl 10.000 zu hören.
Zuvor hatten sich am Sonntag rund 3.300 Menschen dem Fraktionsvorsitzenden der AfD im Landtag von Thüringen entgegengestellt, [1][der wegen der Verwendung der nationalsozialistischen Parole „Alles für Deutschland“ zweimal rechtskräftig verurteilt] wurde. „Björn Höcke ist ein Nazi“ war deshalb in Düsseldorf auf Plakaten von Demonstrierenden zu lesen.
„Gegen Rechtsruck, Rassismus und rechte Gewalt“ oder schlicht „Keine Böcke auf B. Höcke“ stand auf anderen – und „AfD-Verbot jetzt“. In NRW [2][hat eine Initiative], die von der schwarz-grünen Landesregierung die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens über den Bundesrat fordert, innerhalb von 17 Tagen bereits knapp 38.000 Unterschriften gesammelt.
In Garath sei „kein Platz für Faschismus, kein Platz für Hass“, erklärte die DGB-Geschäftsführerin der Landeshauptstadt, Sigrid Wolf, bei der Auftaktkundgebung der Initiative „Düsseldorf stellt sich quer“. „Wir lassen nicht zu, dass rechtsextreme Ideologien mehrheitsfähig werden“, erklärte die Gewerkschafterin. „Wir sind mehr“, rief Wolf nicht nur mit Blick auf die rund 400 AfD-Anhänger:innen, die den Auftritt des Rechtsextremen im städtischen Kulturhaus Süd sehen wollten.
Parteiinterner Machtkampf
Der Veranstaltungsort wurde von den Demonstrierenden fast vollständig umringt. Höcke konnte das Gebäude um kurz nach 19 Uhr deshalb nur unter massivem Polizeischutz und mit leichter Verspätung betreten. Bereits am Sonntag hatte der Thüringer AfD-Landesvorsitzende die [3][Externsteine im Kreis Lippe] im Osten Nordrhein-Westfalens besucht, die im Nationalsozialismus zur völkischen Kultstätte erklärt worden waren. Eine eigentlich geplante Visite des an einen germanischen Fürsten erinnernden [4][Hermannsdenkmals] war an rund 350 Gegendemonstrant:innen gescheitert.
Hintergrund der Tour des Rechtsextemen durch Nordrhein-Westfalen ist ein parteiinterner Machtkampf im NRW-Landesverband der AfD. Denn beim am 7. und 8. März anstehenden Landesparteitag muss der amtierende, für AfD-Verhältnisse als gemäßigt geltende [5][Landesvorsitzende Martin Vincentz um seine Wiederwahl bangen]. Höckes ultrarechter Parteiflügel hat die beiden Bundestagsabgeordneten Christian Zaum und Fabian Jacobi in Stellung gebracht, die als Doppelspitze gegen Vincentz antreten wollen.
Als Strippenzieher hinter den Kandidaturen gilt der Dortmunder AfD-Bundestagsabgeordnete [6][Matthias Helferich], der sich selbst – angeblich ironisch – als das „freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet hat. Landesparteichef Vincentz hatte den Rechtsanwalt Helferich im vergangenen Sommer wegen völkischer Tendenzen aus dem AfD-Landesverband werfen lassen, nachdem dieser etwa Migrant:innen in Social-Media-Posts pauschal als „Viecher“ beleidigt hatte.
Bei der als „Neujahrempfang“ der AfD-Ratsfraktion getarnten Veranstaltung der Rechtsextremen im Dortmunder Rathaus am Sonntag trat Helferich als Vorredner Höckes auf – und verheimlichte seine Gesinnung keinesfalls: „Fremde“ dominierten „unsere Straßen“, erklärte der 37-Jährige. „Die Linken haben uns mittels ihrer kulturellen Hegemonie unseres Selbstbehauptungswillens beraubt“, klagte Helferich. Nötig sei deshalb ein „Kulturkampf“, in dem Helferich der „Opfer der Dortmunder Bombennächte gedenken“ und „Kriegerdenkmäler“ restaurieren lassen will.
24 Feb 2026
LINKS
[1] /Zweites-Urteil-gegen-AfD-Politiker/!6017922
[2] https://nrw-appell-afd-verbot.de/
[3] /Germanische-Kultstaette-der-Nazis/!5061923
[4] /150-Jahre-Hermannsdenkmal/!6106020
[5] https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/zaum-jacobi-fordern-vincentz-raus-afd-100.html
[6] /AfD-mit-Helferich-und-Krah/!6068620
AUTOREN
Andreas Wyputta
Schwerpunkt AfD
Björn Höcke
Anti-AfD-Proteste
NRW
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