taz.de -- Hamburg braucht Olympische Spiele: Ein Weg aus der starren Verweigerungshaltung
Olympische Spiele mögen sich wirtschaftlich nicht rechnen. Aber es täte Hamburg als Gemeinwesen gut, sich auf ein solches Ziel hin auszurichten.
Bild: Olympische Spiele wären ein Programm, um Hamburg neuen Schwung zu verleihen: Findet auch Bürgermeister Peter Tschentscher
Das „Schmidt Theater“ auf St. Pauli hat für sein Musical „Heiße Ecke“ eine Zeitlang mit dem Slogan geworben „In Hamburg weltberühmt“. Dieser Satz ironisiert auf feine Weise die Sicht der Hamburger auf sich selbst: Sie leben in der schönsten Stadt der Welt, die schon wegen ihres Hafens weltbekannt ist. Aber dass Hamburg von Edith Piaf besungen wurde, ist schon eine Weile her und schon in Frankreich fragen einen die Leute: Wo liegt das eigentlich?
Auf eine Bewerbung für die Olympischen Spiele zu verzichten, könnte man als Ausdruck einer Selbstzufriedenheit lesen, die nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt viele Häfen, die größer, viele Städte, die dynamischer sind als Hamburg.
Einer [1][Studie der OECD zufolge] hat sich die Metropolregion Hamburg selbst innerhalb Deutschlands langsamer entwickelt als andere Regionen. Mit Bewunderung berichten die Leute von ihren Reisen nach Asien, um zugleich das Lied von der Rückständigkeit, wenn nicht gar vom Niedergang ihrer Heimat anzustimmen.
Olympische Spiele wären ein Programm, um Hamburg neuen Schwung zu verleihen. Sie wären eine Chance, von der starren Verweigerungshaltung wegzukommen, die von Teilen der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht wird, ohne dass sie selbst eine mitreißende Zukunftsvision anbieten könnten.
Sicher: Dass sich die Spiele für die Ausrichterin [2][finanziell und im streng ökonomischen Sinne nicht rechnen], scheint Konsens unter Wirtschaftswissenschaftlern zu sein. Dem stehen aber schwer zu beziffernde weiche Effekte entgegen, für die sich eine Bewerbung lohnen würde.
Die Spiele verbunden mit dem Zwang, bis zu einem bestimmten Datum etwas auf die Beine stellen zu müssen, könnten ungeahnte Kräfte freisetzen, Dinge möglich machen, die normalerweise an der allseits beklagten Bedenkenträgerei scheitern würden. Sie könnten den Gemeinschaftsgeist stärken und den bitter nötigen Zukunftsoptimismus verbreiten.
Dabei käme es darauf an, die Spiele als Chance für Ziele zu nutzen, die darüber hinausreichen. Die Chance, dem Hafen ein größeres Gebiet für die Stadtentwicklung abzutrotzen, ist mit der gescheiterten Bewerbung 2015 vertan worden. Jetzt wirbt der rot-grüne Senat damit, eine Art [3][olympischen Grüngürtel durch die Stadt] zu ziehen, mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und [4][Inklusion].
Er könnte deutlich noch mehr daraus machen: [5][Hamburg muss bis 2040 klimaneutral werden], so hat es das Volk entschieden. Das ist keine einfache Aufgabe, mit viel Widerstand ist zu rechnen. Warum nicht den Schwung nutzen, der mit einer Ausrichtung der Spiele verbunden wäre, um dieses Klimaziel zu erreichen.
Die Hamburger Wirtschaft, die ja für die Spiele wirbt, könnte sich im Endspurt vor dem [6][Olympiareferendum] dazu bekennen und explizit verpflichten. Auch für die Bewerbung wäre das sicher kein Schaden. Und sie könnte das Gelaber vom „einfach machen“ mal in die Tat umsetzen.
15 May 2026
LINKS
[1] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2019/09/oecd-territorial-reviews-hamburg-metropolitan-region-germany_3927783b/6843d6f0-de.pdf
[2] /Hamburgs-Olympia-Finanzplanung/!6162075
[3] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/senat/presseservice-des-senats/landespressekonferenz/olympia-konzept-1157286
[4] /Hamburger-Bewerbung-fuer-Paralympics/!6171096
[5] /Volksentscheid-in-Hamburg/!6116890
[6] /Hamburger-Olympia-Referendum/!6168015
AUTOREN
Gernot Knödler
Reden wir darüber
Hamburg
Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
Nolympia
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