taz.de -- Gemeinsam mit Airbnb: Spanien stoppt illegale Airbnb-Unterkünfte

Madrid macht Ernst: Unregistrierte Ferienwohnungen fliegen von der Plattform. Nur 1.131 von 20.000 Wohnungen in Madrid haben eine Lizenz.

Bild: Wer kennt sie nicht, die Schlüsseltresore zur kontaktfreien Übergabe? Spanien sagt illegaler Vermietung den Kampf an

Madridtaz | In Spanien sollen Vermieter unregistrierte Ferienunterkünfte nicht mehr über Airbnb anbieten können. Airbnb und die spanische Ministerin für Wohnungswesen und Stadtentwicklung, Isabel Rodríguez García, einigten sich darauf, Wohnungen ohne gültige Registrierungsnummer auf der Internetplattform zu identifizieren und zu entfernen.

Damit ist Spanien das erste EU-Land, das [1][eine EU-Verordnung zu Kurzzeitvermietungen umsetzt,] die die Einrichtung von Registrierungs- und Überwachungssystemen in allen Mitgliedstaaten vorschreibt.

Die Zahl der Kurzzeitunterkünfte aus Spanien auf der Airbnb-Plattform wird auf um die 400.000 geschätzt. Bereits vor zwei Monaten [2][ordnete das spanische Verbraucherschutzministerium an, 65.000 Unterkünfte zu löschen, weil sie nicht ordentlich registriert waren.] Die neue Vereinbarung „unterstreicht das Engagement von Airbnb für Transparenz und eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden“, erklärte Jaime Rodríguez de Santiago, General Manager für Spanien bei Airbnb Marketing Service.

Vor allem in den großen Städten wie Madrid und Barcelona, aber auch in bei Touristen beliebten Zielen wie Sevilla, Málaga oder Palma de Mallorca ist ein beachtlicher Teil der Ferienwohnungen nicht registriert. So besitzen etwa in der spanischen Hauptstadt nur 1.131 der über 20.000 Ferienunterkünfte eine Lizenz. Durch die Ferienvermietungen kommt der Wohnungsmarkt stark unter Druck. In den letzten Jahren kam es in [3][Spanien deshalb immer wieder zu Protesten gegen Massentourismus und für erschwinglichen Wohnraum].

Ohne Lizenz rasch gelöscht

Ab August wird AirBnB monatlich Informationen zu den inserierten Wohnungen und Zimmern bei den Behörden einreichen. Gibt es Unklarheiten, benachrichtigt Airbnb die Vermieter und gibt ihnen zehn Werktage Zeit, die Mängel zu beheben. Geschieht dies nicht, wird die Anzeige gelöscht.

Bei Unterkünften, die eine staatliche Registrierung beantragt haben und abgelehnt wurden, wird die Löschung der Anzeige höchstens 48 Stunden dauern, so die Vereinbarung der Internetplattform mit dem Ministerium der spanischen Linkskoalition unter Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Wer eine Unterkunft auf der Airbnb-Seite anmeldet, muss bislang schon eine Registriernummer eintragen. Künftig werden es zwei sein, eine regionale und eine nationale. Die landesweite Registrierung wurde 2024 eingeführt, um eine einheitliche Regelung für ganz Spanien zu ermöglichen. Diese Registrierung ist seit 1. Juli Pflicht.

Bis Anfang Juli sind bei den nationalen Behörden – so das Wohnungsministerium – 255.172 Anträge für Registrierung von Kurzzeitvermietungen eingegangen. Ein Zehntel davon wurde bereits abgelehnt. Andalusien, die Balearen, [4][die Kanarischen Inseln, Katalonien und die Autonome Gemeinschaft Valencia machen knapp 83 Prozent der Anträge für touristische Vermietungen aus].

17 Jul 2025

[1] https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20231127STO15403/kurzfristige-vermietung-von-unterkunften-neue-eu-regeln-fur-mehr-transparenz

[2] /Illegale-Ferienwohnungen-in-Spanien/!6085984

[3] /Massentourismus-auf-Mallorca/!6021682

[4] /Uebertourismus-in-Spanien/!6042728

AUTOREN

Reiner Wandler

TAGS

Wohnen

Tourismus

Airbnb

ARTIKEL ZUM THEMA

„Unlautere Praktiken“: Spanien belegt Airbnb mit Millionenbußgeld

Ferienwohnungen gelten als Treiber der Wohnungsnot in dem beliebten Reiseland. Die Regierung greift nun hart durch.

Regierung gegen Wohnungsnot: Spanien streicht mehr als 50.000 illegale Ferienwohnungen

Die Linke will, dass Deutschland sich ein Vorbild an Spanien nimmt: Dort geht die Regierung gegen illegale Ferienwohnungen auf Onlineplattformen vor.

Schau zum Spanientourismus: Urlaub machen, wo andere unterdrückt werden

Als Spanien zum Sehnsuchtsort der Deutschen wurde, war es noch mitten in der Diktatur. Eine Schau in Berlin reflektiert die Ambivalenz.

Korruption in Spanien: Gesetze auf Bestellung – und gegen Bezahlung

Ein Ermittlungsrichter wirft dem spanischen Ex-Finanzminister Montoro Korruption vor. Der Konservative soll Unternehmen einen speziellen Service angeboten haben.

Kriminalität auf Urlaubsinsel: Bali, das Malle Australiens

Auf Bali wurde ein Mann erschossen. Als unsere Autorin dort arbeitete, brachten Touris vor allem Müll mit sich. Dass es jetzt Gewalt ist, ist nur logisch.

Kampf gegen Airbnb-Vermietungen: Hannover zieht nach

Kurzzeitvermietungen und Leerstände belasten die Mietmärkte in Großstädten. Eine Zweckentfremdungssatzung soll nun auch in Hannover Abhilfe schaffen.

Urlaub auf den Kanaren: Tausende protestieren gegen Massentourismus

Feiertage, nahender Sommer: Worauf sich viele Menschen überall freuen, das macht anderen Sorge. Zu viel Gäste zerstören die Urlaubsparadiese.

Digitale Plattformen und Gentrifizierung: „Ostberlin ist in der Hand von Airbnb“

Welchen Einfluss hat die Vermietungsplattform auf Großstädte wie Berlin? Ein Interview mit den So­zio­lo­g:in­nen Christina Hecht und Simon Pohl.

Proxied content from gemini://taz.de/Gemeinsam-mit-Airbnb/%216101146 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Gemeinsam-mit-Airbnb/%216101146
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.