taz.de -- Frühling, Freiheit und Widerstand: Berlin feiert Newroz
Gleich zwei Berliner Kulturinstitutionen laden zum kurdisch-persischen Neujahr. Damit würdigen sie Communities, die in ihren Herkunftsländern teils unterdrückt sind.
Bild: Feuer als Einstimmung auf Nowrouz bei einer Demo zur Unterstützung der aktuellen Angriffe auf den Iran am Mittwoch in Berlin
Von Afghanistan über Zentralasien und Iran bis in die heutige Türkei begrüßen Menschen jedes Jahr den Frühling mit einem besonderen Fest. Gefeiert wird es zur Tag-und-Nacht-Gleiche am 20. und 21. März. Und mit dem Humboldt-Forum und dem Haus der Kulturen der Welt geben gleich zwei große Berliner Kulturinstitutionen dieses Jahr Newroz – auch Nowruz oder Nauroz – einen Raum.
Beide begehen Newroz zum ersten Mal in diesem Rahmen. Sie [1][würdigen damit ein kulturelles Fest, das in der Vergangenheit oft verboten war] (und es aktuell etwa in Afghanistan und Iran noch ist) und für das Menschen in ihren Herkunftsländern teils Repressionen ausgesetzt sind oder waren. Und das [2][autokratische Regime teils versuchten], für eigene Interessen zu instrumentalisieren.
Das [3][Humboldt Forum widmet dem Frühlingsfest den ganzen Samstag] und hat sich dazu sieben Berliner Vereine an die Seite geholt. Yekmal, Mittani und Royavida bringen kurdische Traditionen ein, GAFCA – German Association for Central Asia und San’at zentralasisatische und usbekische, wo Nauroz/Nav'roz ebenfalls teils groß gefeiert wird. Meehr und PUK e. V. tragen iranische und afghanische Perspektiven bei. „Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, erklärt eine Sprecherin vom Humboldt-Forum. „Das wäre bei einem Fest, das rund 300 Millionen Menschen in über 20 Ländern feiern, schlicht unmöglich.“
Die Vereine verfügten zum Teil bereits über Erfahrung in der Organisation von nachbarschaftlichen und kulturellen Festen, sie wüssten damit, „wie man Menschen erreicht“, heißt es vom Humboldt Forum, das den Tag als „kulturenübergreifendes Familienfest“ im Rahmen ihres Jahresprogramms „Beziehungsweise Familie“ ausrichtet. Dabei sei ihnen bewusst, dass sie dies in einer Zeit tun, in der viele Familien in Unsicherheit leben.
Fest in schmerzvollen Zeiten
Ein Ziel sei es, die Geschichte und die Traditionen rund um dieses Frühjahrsfest zu vermitteln. Besucher*innen könnten Drachen nach usbekischer oder afghanischer Tradition bauen, Eier bemalen oder Tänze probieren. Um viele Zielgruppen anzusprechen, gibt es sowohl klassische Musik als auch kurdischen Rock. Und mit einem Gespräch zum Thema „[4][Nowruz zwischen Schmerz und Hoffnung – Iranische und afghanische Perspektiven]“ wollen die Veranstalter*innen der Frage nachgehen, wie Menschen in so schmerzvollen Zeiten wie nach den Massakern im Iran vom Januar mit dem Fest umgehen und wie Menschen das Fest begehen, wenn das Feiern wie etwa in Afghanistan unter Strafe steht.
Im [5][Haus der Kulturen der Welt wiederum hat die Kuratorin Ava Irandoost] sich kurzfristig und bewusst dafür entschieden, den Schwerpunkt ganz auf persische Kultur und Künstler*innen zu legen und Iran in den Mittelpunkt zu stellen. „Nowruz ist das wichtigste iranische Fest, das islamische Regime hat es fast 50 Jahre unterdrückt, [6][es ist immer auch eine Form von Widerstand]“, sagt sie. Die Stimmung im Land sei dann besonders, Familien kämen zusammen, es sei vergleichbar mit Weihnachtsstimmung, aber mit dem „Geruch von Frühling“ in der Luft.
In der Vergangenheit habe sie für Nowruz auch mit kurdischen und usbekischen Künstler*innen zusammengearbeitet, sagt Irandoost. „Doch dieses Jahr hat es noch mal eine besondere Bedeutung vor dem Hintergrund der Demonstrationen, des Massakers und jetzt des Kriegs im Iran“, sagt sie. In Berlin zusammenzukommen, um das Fest gemeinsam zu feiern, das sei auch „eine Gelegenheit, Hoffnung zu schöpfen“. „Am Dienstag vor Nowruz ist traditionell das Feuerfest“, sagt sie. „Trotz der Repressionen habe ich Videos aus dem Iran gesehen, in denen sie übers Feuer springen, um den Frühling willkommen zu heißen.“ Die Menschen feierten Nowruz, obwohl das Regime in diesem Jahr noch mal mehr versuche, es zu unterdrücken.
[7][Nouruz, Newroz, Nauroz] – Neujahrs- und Frühlingsfest im Humboldt Forum am Samstag von 11 bis 20.30 Uhr, Eintritt frei. [8][Nowruz – Ein neuer Tag]. Performative Lesung, Konzert, DJ-Set von 20.30 bis 0.00 Uhr im Haus der Kulturen der Welt, Eintritt frei sowie [9][Newroz!] mit Konzert und Party ab 21 Uhr im Gorki Theater. Am Oranienplatz ist außerdem von 13 bis 19:30 Uhr eine Versammlung zu Newroz angemeldet. Schon am Freitag feiern die [10][kurdischen Gemeinde und andere ein Newroz-Fest] mit Tanz und Musik ab 19 Uhr am Waterloo Ufer 7
20 Mar 2026
LINKS
[1] /Kurdisches-Neujahrsfest-Newroz/!5492040
[2] /Nowruz-Fest-in-Berlin/!6071841
[3] https://www.humboldtforum.org/wp-content/uploads/2026/03/Nouruz_Gesamtablauf-A4-1.pdf
[4] https://www.humboldtforum.org/de/programm/termin/gespraech/nowruz-zwischen-schmerz-und-hoffnung-161104/
[5] https://www.hkw.de/programme/events/nowruz-2026
[6] /Fruehlingsfest-in-Berlin/!5919897
[7] https://www.humboldtforum.org/de/programm/termin/fest/nouruz-newroz-nauroz-158320/
[8] https://www.hkw.de/programme/events/nowruz-2026
[9] https://www.gorki.de/de/newroz
[10] https://www.instagram.com/p/DV5SmpYjpa0/
AUTOREN
Uta Schleiermacher
Schwerpunkt Iran-Krieg
Kurden
Schwerpunkt Afghanistan
Zentralasien
Neujahr
Widerstand
Frühling
Newroz
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