taz.de -- Feuerwehrmann zur Hitzewelle: „So etwas haben wir noch nicht erlebt“

Die Hitzewelle brachte Rettungskräfte in ganz Deutschland an ihre Grenzen. Vinzenz Kasch von der Berliner Feuerwehr fordert mehr Personal.

Bild: Notfall Hitze: Ein Thermometer in Berlin-Mitte zeigt am 19. Juni 35 Grad Celsius

taz: Herr Kasch, die Hitzewelle ist gerade vorbei, jetzt steigen die Temperaturen zum Wochenende schon wieder an. Wie haben Sie die heißen Tage Ende Juni erlebt?

Vinzenz Kasch: Ich war als Pressesprecher fast jeden Tag im Einsatz, aber vor allem die Kolleginnen und Kollegen in den Einsatzfahrzeugen mussten durchziehen. Ein Stück weit ist der Stress für uns normal – wir sind 24/7 im Einsatz – aber während der Hitzewelle war die Belastung unnormal hoch.

taz: Zum Höhepunkt der Hitzewelle im Juni mussten Feuerwehr und Rettungsdienst in Berlin täglich zu über 2.000 Einsätzen ausrücken, normalerweise sind es 1.500 im Schnitt. Wie ist die Lage jetzt?

Kasch: Die Situation hat sich danach leider nicht beruhigt: Wir mussten immer wieder zu 100 bis 300 Alarmen täglich mehr ausrücken als normalerweise.

taz:Warumgehen immer noch so viele Notrufe ein?

Kasch: Wir können noch nicht sagen, warum die Zahlen weiterhin so hoch sind. Vielleicht wurden Menschen mit Vorerkrankung durch die Hitze weiter geschwächt, sodass die gesundheitlichen Probleme verzögert auftreten.

taz: Wie viele Fälle sind durch die Hitze selbst bedingt?

Kasch: Es ist für uns gar nicht so leicht auszuwerten, ob es ein hitzebedingter Notfall ist oder nicht. Wenn wir kommen, sehen wir, dass die Menschen dehydriert sind oder Kreislaufprobleme haben. Was dafür die Ursache ist, können wir erst mal gar nicht sagen, wir können es nur vermuten. Aber wenn sich die Patienten in sehr heißen Wohnungen befinden, dann ist der Zusammenhang natürlich eindeutig.

taz: Welche Menschen sind betroffen?

Kasch: An der Hitze haben besonders Ältere, Kinder und Babys gelitten. Es gab Personen, die mutmaßlich aufgrund der Hitze bewusstlos wurden. Mir haben Kollegen berichtet, dass sie in so aufgeheizte Wohnungen gekommen sind, dass klar war: Wir müssen hier sofort raus mit dem Patienten, weil es sonst gefährlich wird.

taz: Wie wirkt sich der Einsatz bei diesen Temperaturen auf Ihre Leute aus?

Kasch: In Berlin ist Notfallrettung wirklich ein harter Job. Wir fahren hier so viele Alarme wie nirgends sonst in Deutschland. Wenn jetzt nochmal ein Drittel an Einsätzen obendrauf kommt, dann ist das die maximale Belastung für die Kolleginnen und Kollegen. Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie intrinsisch motiviert die Kollegen ihren Job gemacht haben, obwohl sie selbst getrieft haben vor Schweiß.

taz: Haben Sie für die nächste Hitzewelle genügend Ressourcen?

Kasch: Wir versuchen, mit den Mitteln, die wir haben, das Maximum für die Berlinerinnen und Berliner herauszuholen. Am Ende muss man aber sagen, die Ressourcen sind zu knapp bemessen. Ganz konkret haben wir zu wenige Rettungswagen und zu wenig Personal. Gerade was den teils überalterten Fuhrpark angeht, wünschen wir uns mehr Investitionen. Die ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden sind für uns als Berufsfeuerwehr eine extrem wichtige Stütze. Extremsituationen, wie Ende Juni, sind für uns ohne freiwillige Feuerwehr nur schwer zu händeln.

taz: Hitzeperioden werden künftig häufiger sein und länger andauern.

Kasch: Das ist ein Fakt, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Wie gehen wir damit um, wenn weniger Löschwasser zur Verfügung steht oder die Einsatzzahlen weiter ansteigen. Wir werden da unsere Einsatzkonzepte anpassen müssen. Denn klar ist: Wir als Berliner Feuerwehr gehen davon aus, dass das nicht die letzte Hitzeperiode war, die wir überstehen müssen.

10 Jul 2026

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Pascal Maier

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