taz.de -- Farblosigkeit in der Fußball-Bundesliga: Liga der grauen Mäuse
Leipzig gewinnt Spiel um Spiel, doch kaum jemand bemerkt es. Auch anderen Klubs gelingt es nicht so recht, mit ihren Erfolgen durchzudringen.
Bild: Schaut her! Ridle Baku macht nach seinem Tor gegen Union auf sich aufmerksam
Sie sind das Team der Stunde in der Fußball-Bundesliga. Nein, es geht nicht um den FC Bayern, der gegen Mainz zum 26. Mal in dieser Saison ein Spiel gewonnen hat. [1][Der Meister] gewinnt jetzt sogar, wenn er den Gegnern drei Tore Vorsprung lässt. Es geht um RB Leipzig. Die haben am Freitagabend 3:1 gegen Union Berlin und damit zum fünften Mal in Serie gewonnen. Als Tabellendritter stehen sie kurz vor der Qualifikation für die Champions League. Eine derartige Serie hatten die sogenannten Rasenballsportler zum letzten Mal vor drei Jahren hingelegt. Bemerkenswert, oder?
Aber hat es jemand bemerkt? Kaum einer spricht über Leipzigs Weg in die Königsklasse. Und das würde sich wohl auch kaum ändern, wenn Leipzig die letzten drei Saisonspiele auch noch gewinnen würde. Wie kann es sein, dass ein Champions-League-Anwärter nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt als die grauste Maus der Bundesliga?
Diesen Ehrentitel trägt ja traditionell der FC Augsburg. Der hatte sich mit der Verpflichtung des Dampfplauderers Sandro Wagner zu Beginn der Saison mal kurz einen bunten Anstrich gegeben. Als Augsburg aber zu Beginn der Rückrunde unter dem neuen Trainer Manuel Baum plötzlich mal [2][zu den stärksten Teams der Liga zählte], hat kaum mehr einer über den Klub gesprochen.
Kein Abheben
Auch [3][die wirklich irren Erfolge des SC Freiburg] in der Europa League haben lange nicht die verdiente Anerkennung gefunden. Da musste der Klub schon ins Halbfinale einziehen, bis es ein wenig Anerkennung dafür gegeben hat, dass der Klub in diesem Wettbewerb bislang nur ein Spiel verloren hat.
Auch vom Tabellenzweiten Borussia Dortmund ist nicht allzu viel zu hören. Dabei ist der BVB doch die zweitbeste Mannschaft des Landes hinter dem FC Bayern. Vielleicht liegt das ja am Fußball, den Nico Kovac spielen lässt, jener Schlafwagenvariante dieser Sportart, die für alle, die unter Einschlafproblemen leiden, eine gute Medizin sein dürfte.
Und doch bleibt die Frage, warum es so wenig Glanz gibt in der Liga. 17 graue Mäuse haben sich da hinter dem FC Bayern München eingereiht. Und sie scheinen ganz zufrieden zu sein mit dieser Rolle. „Auf dem Boden bleiben!“, „Jetzt bloß nicht abheben!“ oder „Wir müssen von Spiel zu Spiel denken!“. Das sind so typische Trainer- oder Spielersätze, wenn es mal läuft bei einem Klub.
Leipzigs Trainer Ole Werner meinte nach dem Sieg gegen Union immerhin: „Das müssen wir nun aufrechterhalten, und genau mit dieser Performance auch in die letzten Spiele gehen.“ Ob das nun dazu führt, dass endlich alle mal schauen, was da gerade in Leipzig los ist? Wohl kaum. Andreas Rüttenauer
26 Apr 2026
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AUTOREN
Andreas Rüttenauer
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