taz.de -- Ermittlungen wegen Bestechlichkeit: Hausdurchsuchung bei Berliner SPD-Spitzenkandidat Krach
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in Berlin. Die Vorwürfe beziehen sich auf ein Vergabeverfahren im Gesundheitswesen.
Bild: Ermittlungen zur Unzeit: Steffen Krach
Gegen den SPD-Spitzenkandidaten zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin, [1][Steffen Krach], ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen Bestechlichkeit. Am Mittwoch durchsuchten Ermittler:innen Krachs Privatwohnung in Berlin-Schöneberg, die Zentrale der Berliner SPD im Ortsteil Wedding sowie die Landesparteizentrale in Hannover. Zuerst hatten die Hannoversche Allgemeine Zeitung und der Tagesspiegel berichtet.
Die Vorwürfe beziehen sich auf Krachs Amtszeit als Regionspräsident der Region Hannover, ein Amt, das er ausübte, bis er Anfang des Jahres in das Rennen um das Amt des Berliner Regierenden Bürgermeisters einstieg.
In der Region Hannover mit 1,1 Millionen Einwohner:innen stand er dem Aufsichtsrat der kommunalen Krankenhauskette mit zehn Krankenhäusern vor. Der Verdacht: Krach habe eine Spende von einem Träger im Gesundheitswesen erhalten, um sich in einem Bieterverfahren bei einem Grundstücksverkauf für diesen einzusetzen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Kein Zuschlag für das von Krach unterstützte Konzept
Konkret geht es dabei um den Fall eines alten Krankenhauses in der Gemeinde Lehrte. Krachs Regionalverwaltung hatte vor drei Jahren entschieden, das Krankenhaus bis 2030 zu schließen und durch ein Gesundheitszentrum zu ersetzen. Steffen Krach habe sich dabei für einen Bewerber ausgesprochen, der letztlich den Zuschlag nicht erhielt. Inwiefern Krach oder die SPD der Region Hannover von jenem Anbieter eine Spende erhielt, ist nun Gegenstand der Ermittlungen.
Laut Hannoverscher Allgemeiner Zeitung handelt es sich bei dem unterlegenen Bewerber, für den sich Krach im Aufsichtsrat ausgesprochen hatte, um die G&W Vermögensverwaltung. Gegen diese und ihren Geschäftsführer laufen ebenfalls Ermittlungen. Durchsuchungen habe es demnach bereits im Mai 2026 gegeben. Der Vorwurf: Korruption.
Krachs Sprecher Matthias Kuder bestritt gegenüber dem Spiegel die Vorwürfe: „Als SPD Berlin und im Namen unseres Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Steffen Krach weisen wir die Anwürfe in aller Entschiedenheit zurück.“ Ebenso hieß es: „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich und transparent mit den Ermittlungsbehörden, um den Sachverhalt unverzüglich zu klären und die Unterstellungen auszuräumen.“
Dennoch kommen die Vorwürfe für Krach, der im Mai auch den Landesvorsitz der Berliner SPD übernommen hatte, zur Unzeit. In anderthalb Wochen wird in Berlin gewählt. Zuletzt stand die SPD in Umfragen abgeschlagen zwischen 11 und 15 Prozent. Dabei sollte Krach als frisches Gesicht von außen den Niedergang der Partei stoppen, die bereits bei der vergangenen Abgeordnetenhauswahl 2023 mit 18,4 Prozent ihr schlechtestes Berlin-Ergebnis eingefahren hatte. Gleichwohl wird eine Regierungsbildung ohne SPD kaum möglich sein.
Krach war von 2021 an Regionspräsident in Niedersachsen. Zuvor hatte er sieben Jahre als Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin gearbeitet. In dieser Funktion war er auch für die Charité zuständig.
9 Sep 2026
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AUTOREN
Erik Peter
Steffen Krach
Schwerpunkt Wahlen in Berlin
GNS
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