taz.de -- Energiekrisen: Staatliche Eingriffe oft klimaschädlich
Maßnahmen wie der Tankrabatt sind nicht nur teuer, sondern auch klimaschädlich. Forschende raten, in künftigen Krisen lieber die Stromsteuer zu senken.
Bild: Weiter so im Stau: Ein Tankrabatt entlastet vor allem Haushalte und Firmen mit hohem Verbrauch
Staatliche Maßnahmen wie der [1][Tankrabatt], die in der Energiekrise die Preise senken sollen, sind nicht nur teuer, sie schaden auch dem Klima. Davor warnen Ökonom*innen und Klimaforscher*innen in einer neuen Studie. „Senkt ein Staat etwa Steuern auf Benzin, Diesel oder Gas, entlastet er vor allem Haushalte und Firmen mit hohem Verbrauch. Gleichzeitig dämpft er den Preisschock, der eigentlich zum Sparen anregen soll“, sagt Matthias Kalkuhl vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Demnach führten staatliche Maßnahmen der Jahre 2022/23 im EU-weiten Durchschnitt zu einer dauerhaften Subvention von rund 18 Euro pro Tonne CO2 bei Erdgas und 10 Euro bei Öl.
Erstellt wurde die Studie von EconPol Europe, einem europäischen Forschungsnetzwerk unter der Leitung des Münchner ifo-Institutes. Die Forschenden analysierten die Auswirkungen von staatlichen Hilfspaketen im Zuge der durch den [2][Ukrainekrieg 2022/23] ausgelösten Energiekrise. Diese enthielten Maßnahmen wie Steuersenkungen, Preisbremsen oder Direktzahlungen. Allein in Deutschland summierten sich die verschiedenen Maßnahmen Schätzungen zufolge auf bis zu 187 Milliarden Euro.
Damit wollte der Staat die Menschen vor den Auswirkungen steigender Preise schützen, die Unternehmen entlasten und vor allem die Konjunktur stützen. Denn Deutschland ist stark abhängig von Importen fossiler Energieträger. Allein 2023 beliefen sich diese auf einen Wert von 80 Milliarden Euro. Steigen die Weltmarktpreise dauerhaft um 50 Prozent, erhöhten sich die Importkosten um rund 40 Milliarden Euro pro Jahr, warnen die Forschenden. Das entspreche etwa einem Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.
Doch statt fossile Energien für Unternehmen zu verbilligen, sollte die Politik den Studienautor*innen zufolge in künftigen Krisen auf klimafreundlichere Maßnahmen setzen. So raten sie etwa zur Senkung der Stromsteuer, um Elektrizität im Vergleich zu Öl und Gas günstiger zu machen. Auch zielgerichtete Hilfen für einkommensschwache Haushalte, die [3][besonders von Inflationen betroffen] sind, bewerten sie positiver als Maßnahmen wie einen pauschalen Tankrabatt.
22 Jun 2026
LINKS
[1] /Benzinpreise/!6186403
[2] /Ukrainische-Angriffe-auf-Russland/!6189278
[3] /Hoehere-Preise-durch-Iran-Krieg/!6175089
AUTOREN
Simon Poelchau
Energiekrise
Klimaschutz
Inflation
GNS
Tankrabatt
Ölpreis
ARTIKEL ZUM THEMA
Tankrabatt läuft aus: Steigende Preise an den Zapfsäulen erwartet
Das Steuergeschenk für Sprit endet. Das Bundeskartellamt geht davon aus, dass der Rabatt begrenzt bei Autofahrenden ankam, vor allem beim Diesel.
Tankrabatt läuft heute aus: Warnung vor zu starken Preiserhöhungen
Ab morgen wird Tanken teurer: Die Steuersenkung bei Benzin und Diesel endet, der Tankrabatt läuft aus. Was das für Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet.
Klimaschädliche Subventionen: Mehr Milliarden für Fossile
Die Bundesregierung will sparen – steckt aber viel neues Geld in klimaschädliche Finanzhilfen und Steuervorteile, rechnen Forscher:innen vor.
Abkommen zwischen den USA und Iran: Die Weltwirtschaft hofft
Das vorläufige Abkommen zwischen US-Präsident Trump und dem iranischen Mullahregime dürfte der Weltwirtschaft Wachstum bringen. Doch bis dahin ist noch viel Geduld nötig.
Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Das Geld landet auf der Straße
Die Bundesregierung steckt viel Geld in den umstrittenen Bau der A 20. Für den Schienenausbau ist die Finanzierung unsicher. Verbände sind verärgert.
Greenpeace-Analyse: Ölkonzerne haben im Mai 700 Millionen Übergewinn gemacht
Der Tankrabatt soll Autofahrer*innen mit Verbrenner vor hohen Spritpreisen schützen. Teilweise haben davon auch die Ölkonzerne profitiert.