taz.de -- Einigung zwischen EU und USA: Europa in der Bredouille

Der Zolldeal mit den USA ist kein guter für das wirtschaftlich schwache Europa. Zum Glück ist er zeitlich bis Ende 2029 befristet.

Bild: Die EU ist zu schwach, um stärker aufzutrumpfen: Kommissionspräsidentin von der Leyen bei bilateralen Gesprächen mit Trump

Die EU steckt in der Bredouille. Da gibt es nur halbgare Lösungen. Zum Beispiel die, den unfairen US-Importzoll von 15 Prozent zu akzeptieren, wenn andernfalls 25 Prozent oder mehr drohen. Dieser Einsicht hat sich jetzt die Europäische Union mit ihrem Kompromiss gebeugt. Das ändert nichts daran, dass [1][das Handelsabkommen] aus europäischer Sicht schlecht ist und einseitig den Interessen der US-Regierung dient.

Der Golfplatz-Vertrag zwischen US-Präsident und EU-Präsidentin vom Sommer 2025 geriet kürzlich wieder ins Trudeln, weil Donald Trump [2][Grönland] haben wollte und das oberste US-Gericht dessen Zollpolitik zurückwies. Da fühlten sich manche in Europa an die nachteilige Absprache nicht länger gebunden – was die US-Regierung mit der Drohung abermals höherer Zölle beantwortete. So stieg der Druck, dass Europa das Abkommen nun doch offiziell beschließt.

Null Prozent wird also der Zoll für viele US-Produkte betragen, wenn sie auf die europäischen Märkte kommen. Umgekehrt dürfen die USA aber 15 Prozent auf EU-Waren erheben. Das verteuert beispielsweise hiesige Fahrzeuge und verschlechtert ihre Absatzchancen jenseits des Atlantiks.

Plausibel dagegen erscheint, dass sich die EU vorbehält, das Abkommen 2029 zu revidieren, wenn Trump hoffentlich weg ist. Auch die Notfallklausel macht Sinn: Sollten die USA sich nicht an ihre Zusagen halten, sieht die EU sich an ihre ebenso wenig gebunden. Ob diese Vorkehrungen in der Praxis halten, muss man allerdings abwarten.

In jedem Fall bleibt die unangenehme Erkenntnis: Die EU ist zu schwach, um stärker aufzutrumpfen. Die [3][wirtschaftliche Stagnation], die Probleme vieler Unternehmen und die militärische Abhängigkeit reduzieren den Spielraum. Doch der Weg in eine bessere Verhandlungsposition führt über eigene Stärke: höhere Produktivität, mehr Erfindungen, teilweise Selbstversorgung und Aufrüstung, damit Europa sich selbst schützen kann. Das wird aber ein Jahrzehnt dauern. Die Bredouille ist zum Teil hausgemacht.

21 May 2026

[1] /Handelsstreit-mit-den-USA/!6180449

[2] /Groenland/!t5017784

[3] /Stagnation-der-deutschen-Wirtschaft/!6173874

AUTOREN

Hannes Koch

TAGS

Europäische Union

USA

Zölle

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

Besänftigung von Trump: EU-Parlament stimmt für US-Zolldeal – mit Sicherheitsnetz

Mit dem Deal wollte die EU einen Handelskrieg abwenden. Das Europaparlament spricht sich trotz Bevorteilung der USA dafür aus, aber unter Vorbehalt.

Zollpolitik der USA: Juristische Niederlage für Donald Trump

Ein Gericht erklärt Zölle in Höhe von zehn Prozent für ungültig. Die Regierung dürfte gegen die Entscheidung in Berufung gehen.

Nach Urteil des Supreme Court: US-Unternehmen fordern Rückzahlung der Zölle

Die US-Regierung nimmt Geld durch die von Donald Trump verordneten Zölle ein – aber heimische Unternehmen blechen. Warum die nun Geld zurück wollen.

Deutschland in der Krise: Wirtschaft wächst seit sechs Jahren nicht

Die Konjunktur stagnierte im Sommer, die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt bleibt aus. Der DGB übt scharfe Kritik an der Bundesregierung.

Proxied content from gemini://taz.de/Einigung-zwischen-EU-und-USA/%216180513 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Einigung-zwischen-EU-und-USA/%216180513
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.