taz.de -- Ebola in der DR Kongo: Die Todeszahlen steigen schnell

Kongos Regierung bestätigt 131 Tote beim Ebola-Ausbruch in der Provinz Ituri. Ein dort tätiger Arzt aus den USA wird nach Deutschland ausgeflogen.

Bild: Vor dem Krankenhaus von Rwampara, Ituri, DR Kongo: Unter Aufsicht eines Gesundheitsmitarbeiters wäscht sich eine Frau die Hände

Die Zahl der Ebola-Opfer in der Demokratischen Republik Kongo steigt schnell. Laut offiziellen Angaben vom Montagabend sind bereits 131 mutmaßlich Infizierte an der tödlichen Viruskrankheit gestorben – 80 waren es zwei Tage zuvor gewesen. Weitere 513 Menschen stünden unter Beobachtung, bis ihre Testergebnisse im Labor bestätigt seien, so [2][Kongos Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba] am Dienstag. Kongos Präsident Félix Tshisekedi rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und erklärte, alle notwendigen Maßnahmen würden getroffen.

Das Epizentrum des derzeitigen Ausbruchs liegt in der von Gewalt geprägten Provinz Ituri im Nordosten der DR Kongo entlang der Grenze zum Nachbarland Uganda. [3][Die ersten Fälle] traten Ende April in den Städten Bunia, Rwampara und Mongbwalu auf. Bunia ist die Provinzhauptstadt, Mongbwalu ein Zentrum des Goldbergbaus. Dort leben Abertausende Vertriebene aus den umliegenden Krisengebieten dicht gedrängt, die Gesundheitsstationen sind ohnehin überlastet. Anfang Mai wurden die ersten Verdachtsfälle auf Ebola getestet – da grassierte das Virus offenbar schon wochenlang.

Als Ende vergangener Woche zwei positive Fälle in Uganda bestätigt wurden, [4][stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)] den Ausbruch offiziell als internationale Gesundheitsnotlage ein. Am Dienstag beriet die WHO in Genf über weitere Schritte, die daraus folgen könnten. Diese Epidemie werde nicht in wenigen Monaten besiegt sein, warnte die WHO-Vertreterin in der DR Kongo, Anne Ancia: [5][Der letzte vergleichbare Ausbruch dauerte zwei Jahre], von 2018 bis 2020.

Bei den beiden Infizierten in Uganda handelt es sich um Kongolesen, die von Ituri aus nach Uganda gereist waren. Sie kamen in der Hauptstadt Kampala mit Ebola-typischen Symptomen wie hohem Fieber und Blutungen aus Körperöffnungen ins Krankenhaus. Einer verstarb direkt, der andere Patient – laut ugandischen Angaben sein Schwager – werde behandelt, sei aber stabil, so Ugandas Regierung am Dienstag.

Kongo hat Erfahrung mit Ebola

Für die DR Kongo ist dies schon der 17. Ebola-Ausbruch, die Regierungen beider Länder sind erfahren im Umgang mit der Seuche. Der letzte Ausbruch in Uganda war im Januar 2025, der letzte in der DR Kongo wurde im Dezember 2025 offiziell für beendet erklärt. Dementsprechend haben beide Regierungen nun grenzübergreifende Maßnahmen eingeleitet, mobile Labore und Testeinrichtungen an der Grenze eingerichtet.

Geschulte Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden in Uganda suchen und testen alle Kontaktpersonen, die mit den beiden infizierten Kongolesen in Berührung gekommen sind. Insgesamt befinden sich in Uganda schon über 100 Kontaktpersonen in Quarantäne, darunter Krankenhausmitarbeiter.

In der DR Kongo ist das deutlich schwieriger, weil weite Gebiete aus Sicherheitsgründen schwer zugänglich sind. [6][Ein Fall wurde in der ostkongolesischen Millionenstadt Goma positiv getestet]: die dorthin gereiste Ehefrau eines Ebola-Toten aus Bunia. Goma steht unter Kontrolle der Rebellen der M23 (Bewegung 23. März), wo die Regierung faktisch keine Hoheit hat. Die M23-Führung bestätigte jedoch am Montag, dass sie 22 Blutproben an das staatliche Nationale Institut für Biomedizinische Recherche geschickt hat. Alle Tests seien negativ ausgefallen.

Uganda trifft Schutzmaßnahmen

Als Vorsichtsmaßnahme hat Ugandas Regierung eine jährlich stattfindende Pilgerreise mit anschließendem Gebet an den Märtyrerschrein von Kampala nächste Woche abgesagt. In der Regel kommen da Tausende Gläubige zusammen, auch aus der DR Kongo.

Am Montag hat [7][die US-Gesundheitsbehörde CDC bekanntgegeben], dass in Ituri auch sieben US-amerikanische Missionare mit Infizierten in Kontakt gekommen sind. Ein US-Amerikaner, der als Arzt im Krankenhaus von Nyankunde südlich von Bunia tätig war, wurde positiv getestet und nach Deutschland ausgeflogen, wo er behandelt werden soll. Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin bestätigt, die US-Behörden hätten „die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-Bürgers gebeten“ – offenbar weil die Flugzeiten nach Deutschland kürzer sind als in die USA.

Die US-Regierung verbietet nun allen Nicht-US-Staatsbürgern, die in den vergangenen Wochen die DR Kongo, Uganda oder Südsudan besucht haben, die Einreise in die USA. Sie hat den Regierungen Ugandas und der DR Kongo 13 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Seuchenbekämpfung zugesagt.

19 May 2026

[2] https://x.com/MinSanteRDC

[3] /Ebola-Ausbruch-im-Kongo/!6179423

[4] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON602

[5] /Ein-Jahr-Ebola-Virus-im-Kongo/!5610235

[6] https://kivupost.com/article/ebola-reaches-goma-rwanda-closes-border-as-who-declares-global-emergency

[7] https://www.cdc.gov/ebola/situation-summary/index.html

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Simone Schlindwein

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