taz.de -- Deutschland gegen Côte d’Ivoire: Das Recht auf den eigenen Namen
Côte d’Ivoire heißt das Land, aus dem der nächste Gegner des DFB-Teams kommt. Doch immer noch wird der Kolonialbegriff Elfenbeinküste verwendet.
Bild: Jubel und Selbstbewusstsein: Les Éléphants aus Côte d’Ivoire nach 1:0-Sieg über Ecuador
Am Samstag hat Deutschland bei der Fußball-WM der Männer sein zweites Spiel vor sich. Doch statt Côte d’Ivoire wird der kommende Gegner der DFB-Elf auch außerhalb des Fußball-Kontextes fast ausschließlich „Elfenbeinküste“ genannt. Ein kolonial geprägter Name, der seit über 40 Jahren eigentlich nicht mehr verwendet werden soll.
Während der Kolonialzeit war Elfenbein eines der wichtigsten Exportgüter, Frankreich beutete das Land systematisch wirtschaftlich aus. Der Name Côte d’Ivoire ist dabei die wortwörtliche französische Bezeichnung für „Küste des Elfenbeins“. Seit dem 7. August 1960 ist das Land [1][unabhängig] von Frankreich.
Um den Zusammenhalt der vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu stärken, wurde der offizielle Staatsname Côte d’Ivoire am 6. November 1985 gesetzlich festgeschrieben. Eine alternative Bezeichnung ist im Inland verboten, zudem wurde die Weltgemeinschaft darum gebeten, den Staatsnamen nicht zu übersetzen.
Die Meinungen der Ivorer*innen gehen hierbei auseinander. Auf der einen Seite wird dies als Akt der Dekolonisierung gesehen, auf der anderen Seite wird sich ein gänzlich unabhängiger Name gewünscht, der in keinem Zusammenhang mit der Besatzung steht. Ghana etwa hat sich nach deren Unabhängigkeit vollständig von der kolonialen Fremdbezeichnung „Goldküste“ gelöst.
Deutungshoheit zurückgewinnen
Die internationale Durchsetzung des Namens Côte d’Ivoire könnte jedoch auch als Versuch gelesen werden, die Deutungshoheit über einen historisch kolonial geprägten Begriff zurückzugewinnen. So oder so ist es auch nicht die Rolle eines Landes wie Deutschland, einer anderen Nation vorzuschreiben, wie sie in der Weltgemeinschaft bezeichnet werden möchte.
Tatsächlich hält sich die Bundesregierung auch daran und gebraucht im diplomatischen Kontext, wie etwa den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts, ausschließlich den Begriff Côte d’Ivoire. In der Gesellschaft ist das allerdings noch nicht angekommen. Und das scheint angesichts der zahlreichen Debatten über koloniale Straßennamen und Denkmäler fast schon absurd. Auch in der taz war bislang von [2][Elfenbeinküste] die Rede.
Als der Content Creator [3][„Dein Bruder Steve“] vor zwei Jahren auf Instagram über das Thema aufklärte, zeigte sich ein Großteil der Kommentare uneinsichtig. Und die Fifa? Für das Spiel am Samstag heißt es nach wie vor „Deutschland – Elfenbeinküste“. Lediglich auf der englischen Version der Website heißt es Côte d’Ivoire – und nicht, wie man hätte befürchten können, Ivory Coast.
20 Jun 2026
LINKS
[1] https://taz.de/Afrika-macht-sich-frei/!284596/
[2] /Elfenbeinkueste/!t5017316
[3] https://www.instagram.com/deinbrudersteve/
AUTOREN
Fridolin Haagen
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