taz.de -- Champions-League-Sieger PSG: Fußball ohne jede Kontrolle
Spielerisch überlegen, weil ökonomisch überlegen? Ja, aber der Sieg von PSG war auch ein politisches Symbol.
Bild: Martialischer Jubel nach Gewinn der Champions League
Nach dem Erfolg einer stolzen Republik hört sich das nicht an. Paris sei „endlich König von Europa“, schriebt Le Parisien, und Le Monde hat „eine lang ersehnte Krönung“ erblickt. Die Zeitungen kommentieren den [1][5:0-Sieg], mit dem der [2][Paris Saint-Germain Football Club] am Samstag in München die [3][Champions League] der Männer gegen Inter Mailand gewonnen hat.
Sensationell gewonnen, das muss man hinzufügen, denn ein 5:0-Sieg in so einem Spiel, auf dem Niveau fußballerischer Weltklasse, das drückt eine unfassbare Dominanz aus. Es ist eine derartige Überlegenheit, dass sie nicht allein sportlich, mit den Mitteln der Fußballanalyse, zu erklären ist. Die Überlegenheit ist allerdings auch nicht allein ökonomisch zu erklären. Denn das Team, das der katarische Staatsfonds [4][Qatar Sports Investment]s zusammengekauft hat, ist zwar etwas weniger als eine Milliarde Euro wert, aber das ist kaum mehr als Bayern München und weniger als Manchester City.
Um ganz zu verstehen, was sich da am Samstagabend ereignet hat, müssen wir noch mindestens eine weitere Kategorie bemühen: Der 5:0-Sieg war – wollen wir mal nicht übertreiben: auch – ein politisches Symbol. Er zeigt uns nämlich, wie wir uns über die Jahre an Zustände gewöhnen, von denen wir wussten, dass sie schlimm sind.
Dass das [5][Emirat Katar] nicht mit Profitinteresse in den Fußball investiert hat, war immer klar. Dass die Millionen an Petrodollars nicht aus Liebe zum Sport flossen, war noch klarer.
[6][Sportswashing] lautet der Fachausdruck. Doch auch der erklärt noch nicht alles. Die fußballerische Herrschaft des Emirats, ausgeübt von dem Milliardär Nasser al-Khelaïfi, versinnbildlicht, dass es im durchkapitalisierten Fußball immer noch ein bisschen schlimmer geht. Gerade weil der Fußball ohne jegliche demokratische Kontrolle agiert, werden Entwicklungen wie der Triumph von PSG möglich. Der 5:0-Sieg am Samstag symbolisiert die Normalisierung von Zuständen, von denen wir doch wissen, dass sie unhaltbar sein sollten. Da von „Krönung“ und „König“ zu sprechen, drückt also unbeabsichtigt eine traurige Wahrheit aus.
1 Jun 2025
LINKS
[1] /Finale-der-Champions-League/!6091082
[2] /Paris-St-Germain/!t5007805
[3] /Champions-League/!t5007807
[4] https://taz.de/!360401/
[5] /Katar/!t5015691
[6] /Sportswashing/!t6018727
AUTOREN
Martin Krauss
Kommentar
Champions League
Paris St. Germain
Katar
Fußball
GNS
ARTIKEL ZUM THEMA
PSG gewinnt die Champions League: Ganz schön zäh
Es war ein wenig unterhaltsames Spiel und ein spannendes Elfmeterschießen. Am Ende verteidigt Paris SG seinen Champions League Titel gegen Arsenal.
Wie den FC Bayern bremsen?: Make Bavaria Small Again
Gegen die erschreckende Überlegenheit des FC Bayern München können nur neue Regeln helfen. Ein bescheidener Vorschlag zur Selbstverzwergung.
Luis Enrique: Warum er nach dem Fußball-Triumph an seine Tochter dachte
Der Weltklassetrainer von Paris Saint-Germain gewinnt schon das zweite Mal in seinem Leben die Champions-League. Sein Arbeitgeber das erste Mal.
Neue Generation startet neue Proteste: Kleben jetzt für die Demokratie
Am Sonntag ging das „Parlament der Menschen“ der Neuen Generation zu Ende, die früher Letzte Generation hieß. Das Kleben können sie nicht lassen.
Finale der Champions League: Triumph für Katar
Paris Saint Germain gewinnt nach einem furiosen Auftritt den wichtigsten Titel im Klubfußball. Es war ein Horrorabend für Fußballromantiker.
Doppelmoral im Weltsport: Bei den eigenen Verbrechen wegsehen
Für alle gleich geltende Regeln im Weltsport sind eine Illusion. Der politische Westen gibt den Ton an – und die, die das Geld geben.
Katar-Klub vor dem Gewinn des Triple: Pariser Fußballromantik der anderen Art
Trainer Luis Enrique etabliert bei Paris Saint-Germain den Teamgedanken. Nach dem Abgang der Superstars steht der Verein vor dem größten Erfolg.