taz.de -- Baustart der A20 in Niedersachsen: Ringen um Monsterautobahn geht weiter

Naturschutzverbände versuchen seit Jahren, die A20 zu stoppen. Bald startet der erste Bauabschnitt in Niedersachsen, Initiativen rufen zur Demo auf.

Bild: Nahe Westerstede soll ein neues Autobahndreieck von der A28 und der neuen A20 entstehen: Die Baugenehmigung liegt bereits vor

Neue Autobahnen sind ja letztlich immer Stückwerke – und um nahezu jedes Stück wird gerungen. So ist das auch bei der A20. Die endet bislang vom polnischen Stettin kommend östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein, soll aber in einem weiten Bogen um Hamburg herumführen, bei Glückstadt die Elbe queren und [1][nach Ostfriesland verlängert werden].

Jetzt hat die bundeseigene Autobahngesellschaft mitgeteilt, dass in diesem Frühjahr die Bauarbeiten für die ersten 13 Kilometer auf niedersächsischem Boden beginnen – und zwar zwischen Westerstede und Jaderberg nahe Oldenburg. Für Samstag hat ein Bündnis zum Protest aufgerufen.

Das 13-Kilometer-Stück ist der erste von sieben Abschnitten der insgesamt 114 Kilometer langen A20 in Niedersachsen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und mehrere Landwirte hatten dagegen geklagt, weil sie schwere Schäden für Moore und Wälder fürchteten.

Im November aber [2][hatte der BUND eine Klage zurückgenommen] und im Gegenzug sagte das Land zu, eine 14 Millionen Euro schwere Stiftung für den Fledermausschutz zu gründen. Im Dezember gab das Bundesverkehrsministerium dann grünes Licht für den Bau der A20 im Ammerland und bei Bad Segeberg.

Von mindestens drei bis vier Jahren Bauzeit allein für den ersten Bauabschnitt mit 21 Brücken- und Querungsbauwerken sowie vierspuriger Trasse geht die Autobahn GmbH aus. „Belastbare Angaben zur Fertigstellung des Abschnittes können angegeben werden, wenn die Hauptarbeiten vergeben worden sind“, teilte ein Sprecher der Autobahngesellschaft mit.

Für den ersten Abschnitt werden die Baukosten auf mindestens 300 Millionen Euro geschätzt. Insgesamt belaufen sich die Baukosten für die A20 nach Angaben der Bundesregierung mittlerweile bereits auf 8,5 Milliarden Euro.

A20: zu teuer und umweltschädlich

Ein Bündnis um Fridays for Future, den VCD-Landesverband und den BUND ruft für Samstag zu einer Demonstration samt Fahrrad-Sternfahrt unter dem Titel „A20 nie – Verkehrswende jetzt“ auf. Die Veranstalter rechnen mit rund 500 Teilnehmern. Sie fordern einen Baustopp der A20, denn die sei das umwelt- und klimaschädlichste Autobahnprojekt Deutschlands.

Die [3][Studie „Vom Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 zur Bundesverkehrswege- und Mobilitätsplanung“], die im vergangenen September veröffentlicht und vom vormalig grün geführten Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde, stützt die These der A20-Gegner. Die Studie sollte einschätzen, ob die mit dem geltenden Bundesverkehrswegeplan 2016 angeschobenen Vorhaben zehn Jahre später immer noch als sinnvoll gelten können. Ergebnis: Die drei norddeutschen Autobahn-Neubauprojekte A20, A26 und A39 sind [4][zu teuer und umweltschädlich]. Mehr als die Hälfte der geplanten Strecke der A20 führt zudem über wertvolle Moorböden.

„Die A20 ist mit ihren potenziellen Milliardenschäden für Klima und Umwelt vollkommen aus der Zeit gefallen“, kritisierte Sarah Trudewind von Fridays for Future Oldenburg. „Statt mit klimaschädlichen Monsterautobahnprojekten unsere Zukunft zuzubetonieren, sollte die Bundesregierung endlich in Bahn, ÖPNV und Radwege investieren.“

Unabdingbar, um „verteidigungsfähig“ zu bleiben

Die seit 2018 beim Bundesverkehrsministerium angesiedelte Autobahn GmbH hingegen [5][misst der A20 große strategische Bedeutung zu]. Demnach übernehme die A20 in Norddeutschland verkehrspolitisch eine herausragende Funktion für den internationalen und nationalen Wirtschaftsverkehr, überwinde die räumliche Trennung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen und lasse die Nord- und Ostseeanrainerstaaten näher zusammenrücken. Sie verbinde gar Ost- und Westeuropa und öffne das nordöstliche Niedersachsen für den internationalen Tourismus.

Auch die CDU ist Fan der A20, die seit den 1990ern geplant wird. Sie sei unabdingbar, um „verteidigungsfähig“ zu bleiben. „Allein aus sicherheitspolitischen Aspekten können wir überhaupt nicht mehr mit dem Bau warten“, sagte etwa Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bereits vor etwa einem Jahr vor der Industrie- und Handelskammer. Die Autobahn sei strategisch wichtig für die Logistik im Bündnisfall, so Günther. Ein neuer Elbtunnel solle Truppenverlegungen möglich machen, wenn zum Beispiel Brücken zerstört wurden.

BUND reicht nächste Klage ein

Naturschutzverbände versuchen seit Jahren, die A20 mit Protesten wie jetzt am Samstag und Klagen aufzuhalten. Und das Ringen um die nächsten Stücke geht weiter. Am Dienstag hat der BUND Niedersachsen beim Bundesverwaltungsgericht [6][Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für das A20-Stück zwischen Bremervörde und Elm im niedersächsischen Landkreis Rotenburg eingereicht].

„Die A20 gilt als das umwelt- und klimaschädlichste Neubauprojekt des Bundesverkehrswegeplans“, teilte Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen, mit. Der Autobahnbau zerschneide wertvolle Naturflächen, zerstöre Moorböden und verursache zusätzliche CO₂-Emissionen. „In Zeiten einer immer sichtbarer werdenden Klimakrise ist der Bau neuer Fernstraßen in wenig besiedelten Gebieten und überwiegend unzerschnittenen Naturräumen für den BUND nicht akzeptabel.“

11 Mar 2026

[1] /Umstrittene-Kuestenautobahn/!6129128

[2] /Kompromiss-fuer-umstrittenen-Bauabschnitt/!6128392

[3] https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/voeko/die-professur/news/veroeffentlichung-studie-vom-bvwp-2030-zur-bundesverkehrswege-und-mobilitaetsplanung-bvmp

[4] /Falsche-Prioritaeten-beim-Strassenbau/!6109877

[5] https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/a20-neubau-1

[6] https://www.bund-niedersachsen.de/service/presse/detail/news/bund-niedersachsen-reicht-klage-gegen-6-abschnitt-der-a-20-bei-bremervoerde-ein/

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Ilka Kreutzträger

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