taz.de -- „Ausländer raus“ in Südafrika: Massenproteste und vereinzelte Übergriffe

Aktivisten gegen „illegale“ Migranten in Südafrika bringen Zehntausende Menschen auf die Straßen. Weitere Aktionen sind geplant.

Bild: „Tag der Angst“ in Südafrika, 30. Juni, hier: Kundgebung gegen Einwanderung in Durban

Zehntausende Menschen sind am Dienstag in zahlreichen Städten Südafrikas zu Demonstrationen gegen „illegale“ Migration zusammengekommen. [1][Videos in südafrikanischen Medien] zeigten am Nachmittag große Menschenmengen, die teils fahnenschwingend, teils mit Stöcken bewaffnet die Straßen von Johannesburg und [2][Durban] entlangliefen, teils unter Polizeischutz. Viele riefen ausländerfeindliche Parolen. Die meisten Geschäfte auf den Demonstrationsrouten hatten vorab aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Südafrikas ausländerfeindliche Protestbewegung „March and March“ hatte den 30. Juni zum Stichtag erklärt, bis zu dem alle Ausländer ohne regulären Aufenthaltsstatus Südafrika verlassen sollten oder legitime Angriffsziele werden würden. Rund 25.000 Migranten aus anderen afrikanischen Ländern verließen daraufhin aus Angst das Land, auch am Dienstag sammelten sich an Verkehrsknotenpunkten noch Tausende Menschen. Die Regierung hatte ein hartes Vorgehen gegen mögliche Gewalttaten angedroht.

Jacintha Ngobese-Zuma, die Anführerin von „March and March“, zeigte sich am Nachmittag mit dem Verlauf ihrer Aktion zufrieden. „Wir möchten der Regierung danken, dass sie uns tatsächlch zuhört“, [3][rief sie vor Tausenden Demonstranten] auf einer Kundgebung in der Hafenstadt Durban. Sie kündigte einen Generalstreik innerhalb der kommenden drei Monate an sowie wöchentliche Demonstrationen gegen „illegale“ Migranten bis Ende dieses Jahres. „Wir marschieren jeden Donnerstag für die nächsten sechs Monate, bis alle unregistrierten Migranten das Land verlassen“, erklärte sie.

Vereinzelt kam es am Nachmittag zu Zusammenstößen dort, wo Demonstrationen durch Straßen mit einem hohen Ausländeranteil zogen. Im Migrantenviertel Hillbrow in Johannesburg versammelte sich eine angriffsbereite Menschenmenge vor Gebäuden, in denen hauptsächlich Nigerianer leben.

30 Jun 2026

[1] https://x.com/BDliveSA/status/2071905400278901237

[2] https://x.com/ZANewsFlash/status/2071916452639039810

[3] https://x.com/SiphamandlaGoge/status/2071945254417133817

AUTOREN

Dominic Johnson

TAGS

Südafrika

Schwerpunkt Rassismus

ARTIKEL ZUM THEMA

Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Zehntausende auf der Flucht

Immer mehr afrikanische Migranten verlassen Südafrika. Die Grenze zu Simbabwe wird zum wichtigsten Transitpunkt. Auch dort sollen sie nicht bleiben.

Proteste gegen Ausländer in Südafrika: Ein Klima von Einschüchterung und Angst

Der Protesttag gegen „illegale“ Migranten in Südafrika eskalierte vielerorts in Gewalt. Viele Ausländer fliehen, aber so einfach ist das nicht.

Fremdenfeindlichkeit in Südafrika: Eine Schande für die einstige Regenbogennation

Bis zum 30. Juni sollen Ausländer ohne gültige Papiere Südafrika verlassen. Aus dem Land der Freiheit ist eins der Remigration geworden.

Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Der Tag, vor dem ein ganzes Land Angst hat

Bis 30. Juni, sagen radikale Kampagnen, sollen „illegale“ Zuwanderer Südafrika verlassen. Angst geht um: Geschäfte schließen, Migranten reisen aus.

Migration in Südafrika: Warum Südafrikas Ausländerfeinde falschliegen

Südafrika sei von illegalen Migranten überlaufen, und die seien an wachsenden sozialen Missständen schuld, so der Vorwurf. Forscher widersprechen.

Proxied content from gemini://taz.de/Auslaender-raus-in-Suedafrika/%216192257 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Auslaender-raus-in-Suedafrika/%216192257
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.