taz.de -- Angriff auf islamistische TV-Kanäle: Auch Hisbollah-Journalisten sind Journalisten
Die Ermordung von drei Medienschaffenden im Libanon verstößt gegen das Völkerrecht. Israel muss dafür bestraft werden, sonst droht eine Wiederholung.
Bild: Wütender Trauermarsch: Hisbollah-Anhänger begleiten die Leichen der drei getöteten Journalisten auf dem Weg zum Friedhof
Journalist:innen zu töten ist ein Kriegsverbrechen – auch wenn sie Propaganda verbreiten. Das israelische Militär hat am Samstag mit einem [1][gezielten Anschlag zwei Journalisten und einen Videografen ermordet]. Sie waren im Auto auf einer Straße unterwegs, die nicht in der [2][aktiven Kampfzone im Südlibanon] liegt. Fatima Ftouni soll überlebt haben und geflohen sein, als ein zweiter Anschlag sie tötete.
Ftouni war Reporterin bei dem der Hisbollah ideologisch nahestehenden Sender al-Mayadeen. Ali Choeib arbeitete bei dem Hisbollah-finanzierten Sender-Al Manar. Der Sender verbreitet direkt Hisbollah-Propaganda. Doch selbst wenn Journalist:innen ideologische Extreme vertreten oder Propaganda verbreiten, gelten sie völkerrechtlich als Zivilist:innen. Sie zu töten ist ein eklatanter Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.
Das israelische Militär behauptet, die getöteten Journalist:innen seien Terrorist:innen, weil sie Verbindungen zur Hisbollah oder zur Hamas hätten. Aber auch eine ideologische Zugehörigkeit ist kein legitimer Grund, Journalist:innen zu ermorden.
Wäre Ali Choeib ein hochrangiger Miliz-Kommandeur gewesen, hätte er sich nicht über 30 Jahre lang vor Kameras gezeigt. Im September 2023 stand er direkt gegenüber von israelischen Soldaten, die im Südlibanon einmarschiert sind und filmte. Wäre er ein Hisbollah-Kommandeur, hätten sie ihn direkt erschossen oder festgenommen.
Mitte März bombardierte Israel das Haus von Mohammad Cherri, Leiter der Politik-Programme von al-Manar, tötete ihn und seine Frau. Israel hat im Libanon zwischen Oktober 2023 und Oktober 2025 insgesamt 13 Medienschaffende getötet. In einigen Fällen, wie der Tötung des Reuters-Videojournalisten Issam Abdallah im Oktober 2023, war der Angriff laut internationalen Untersuchungen vorsätzlich.
Libanon muss dem Internationalen Strafgerichtshof endlich erlauben, Kriegsverbrechen im Land zu untersuchen. Israel hat so viele Journalist:innen getötet wie kein anderer Staat [3][in der Geschichte der Aufzeichnungen], vor allem in Gaza. Ohne Strafverfolgung droht Wiederholung.
29 Mar 2026
LINKS
[1] /Krieg-in-Nahost/!6166826
[2] /Krieg-im-Libanon/!6162543
[3] https://cpj.org/issue/israel-gaza-war/
AUTOREN
Julia Neumann
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