taz.de -- AfD-Parteiausschluss gescheitert: Auch ein freundlicher Nazi ist ein Nazi

Matthias Helferich, selbst ernanntes „freundliches Gesicht des NS“, darf in der AfD bleiben. Seine krassen Aussagen zeigen die völkische Seele der Partei.

Bild: Matthias Helferich darf Mitglied der AfD bleiben

In ihrem Gutachten zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD hat die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gerade erst 2.500 Belege dazu gesammelt, dass Demokratie, Menschenwürde und die AfD nicht zusammenpassen. Die extrem rechte Partei steht gegen die Menschenwürde und das demokratische Prinzip, das schlossen die Juristen der GFF aus Millionen unappetitlicher Social-Media-Posts und Hunderttausenden Dokumenten. Kurz: Die AfD ist verfassungsfeindlich.

In einem Punkt ist das Gutachten der GFF dagegen zurückhaltend: der Verbindung der AfD zum Nationalsozialismus. Selbst wenn es in der Partei unkritische und teilweise positive Bezugnahmen auf den NS gebe, sei eine Wesensverwandtschaft ausdrücklich nicht festzustellen. Auch unterscheide sich der Antisemitismus der Partei klar von dem der NSDAP. Ebenso sei der in der AfD weit verbreitete Geschichtsrevisionismus kein Indiz.

Dass der Weg zu den Brüdern und Schwestern in Braun trotzdem nicht weit ist, zeigt der gerade gekippte Parteiausschluss des ultrarechten AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Das selbst ernannte [1][„freundliche Gesicht des NS“] darf bleiben, schloss ein Schiedsgericht.

Der Landesvorstand der AfD Nordrhein-Westfalen hatte Helferich vorgeworfen „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielstellung artikuliert“ zu haben. Im Juli 2025 beschloss das Landesschiedsgericht in Düsseldorf den Rauswurf, den das Bundesschiedsgericht jetzt kippte. Das mit der Verfassungsfeindlichkeit mache sich der Landesvorstand „zu einfach“.

Helferich nennt Migranten „Viecher“

Zu einfach? Helferich spricht von der „Bedrohung unserer Heimat“ durch „globalistische Zirkel“. Er fordert die „millionenfache Remigration“ von deutschen Staatsbürgern zur „Rettung unserer Heimat“ und teilt die Deutschen damit in Bürger:innen erster und zweiter Klasse. Helferich beschwört die „Rückkehr in die Heimat“ von allen, „die in Deutschland keine Perspektive haben“. Migrantinnen und Migranten nennt er auch mal „Viecher“.

Die Bundesregierung, findet Helferich, wolle „das eigene Volk (z)ersetzen“. Damit zeigt Helferich klar seine Ideen von völkischer Reinheit. Gemeinsam mit vielen weiteren Parteikollegen, [2][Björn Höcke vorneweg], treibt er die stetige Radikalisierung der AfD voran. Immer mehr [3][Verbindungen in völkische Kreise werden öffentlich].

Konservative mit schwarz-blau leuchtenden Augen sollten hier genau hinschauen: Wer damit rechnet, dass eine AfD mit Machtoption sich selbst entschärft, verschließt die Augen vor der Realität. Ihre ausgestreckte Hand gilt einer Partei, in der völkische Ideologie vollkommen ungehindert gedeiht.

3 Jul 2026

[1] /AfD-mit-Helferich-und-Krah/!6068620

[2] /AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6193084

[3] /Vernetzung-unter-extrem-Rechten/!6189672

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Raoul Spada

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