taz.de -- Ukrainekrieg: Optimismus ist fehl am Platz

Wer die Evakuierung aus Oleschky für ein Zeichen hält, dass Putin nun zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit wäre, ist komplett weltfremd.

Bild: Viele der Evakuierten aus Oleschky sehen ihre Familien zum ersten Mal nach langer Zeit wieder

Hunderte Menschen sind der Hölle in Oleschky am Wochenende entkommen. [1][Die Evakuierung aus der ukrainischen, von russischen Truppen abgeriegelten Frontstadt ist geglückt.] Das ist angesichts des alltäglichen Kriegsgrauens in der Ukraine zweifellos eine positive Nachricht.

Diejenigen, die jedoch glauben, aus der Mitwirkung Russlands an der Aktion weiterreichende Schlüsse auf eine Bereitschaft zu echten Friedensverhandlungen ziehen zu können, sind komplett wirklichkeitsfern oder unheilbar beratungsresistent – oder beides.

Kremlchef Wladimir Putin plötzlich mit menschlichem Antlitz? Von wegen! Hier lässt sich ein Mann vor allem mit Blick auf die Midterms in den USA am 3. November schamlos hofieren und abfeiern – [2][sein Freund Donald Trump wird das zu schätzen wissen.] Dabei ist Putin für die humanitäre Katastrophe in Oleschky wie für die gesamte Invasion der Ukraine der Hauptverantwortliche. Heuchlerischer und widerwärtiger geht es nicht.

Unlängst ließ Russlands Präsident die Öffentlichkeit zum wiederholten Mal an seinem profunden historischen Wissen teilhaben: Die Territorien im Osten der Ukraine seien russisches Land, die Bewohner*innen hätten ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Russischen Föderation in einem Referendum Ausdruck verliehen. Übersetzt heißt das: Moskau wird seinen Krieg in der Ukraine vorerst weiterführen, und zwar flächendeckend. Wie viele Menschen noch ihr Leben lassen müssen, spielt für den Kreml ohnehin keine Rolle, auch weitere Opfer unter den eigenen Landsleuten nicht.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die „Aktion Oleschky“ als Blaupause für eine temporäre Waffenruhe auch andernorts in der Ukraine dienen könnte und Potenzial für mehr hätte – zum Beispiel im Hinblick auf einen Waffenstillstand. Darauf eine Antwort zu geben, wäre verfrüht. Fest hingegen steht: Optimismus in Bezug auf Russland ist absolut fehl am Platz und grenzenlos naiv.

Wie viel Lehrgeld, noch dazu auf Kosten der Menschen in der Ukraine, wollen die westlichen Staaten noch bezahlen?

1 Nov 2026

[1] /Waffenstillstand-in-Oleschky/!6226243

[2] /Trump-Selenskyj-und-Europa/!6218340

AUTOREN

Barbara Oertel

TAGS

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Wladimir Putin

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Selenskyj ehrt Melania Trump mit Orden für Waffenruhe in Oleschky

In Saporischschja werden nach einem Luftangriff noch 59 Menschen vermisst. Selenskyj ehrt Melania Trump für ihre Vermittlung. Auf der Krim kam es zu Stromausfällen.

Merz empfängt Selenskyj: Der Kanzler will mitspielen

In der kommenden Woche sollen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland weitergehen. Kanzler Merz und Europa wollen mehr als ein Wörtchen mitreden.

+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Merz sichert der Ukraine zusätzliche Winterhilfe zu 

Der bevorstehende Winter wird für die Ukraine schwer. Die Bundesregierung sagt mehr Hilfe zu. Die USA wollen in wenigen Tagen Gespräche in Abu Dhabi ansetzen.

Warn-Apps in Ukraine und Russland: Achtung, Achtung, hier hackt Ihr Desinformant

In der Nacht wurden die Apps für Notfall-Warnungen in Ukraine und Russland möglicherweise gehackt. Die Ukraine vermeldet derweil militärische Erfolge.

+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Moskau und Kyjiw stimmen Waffenruhe in Oleschky zu

Die US-Regierung verkündet eine Feuerpause in der umkämpften Frontstadt. First Lady Melanie Trump solll dabei vermittelt haben. Erneut werden Gefangene ausgetauscht.

Gereizte Stimmung in der Ukraine: Wut in Kyjiw: Trump liefert uns an Putin aus

Die Nähe der Präsidenten der USA und Russlands sorgt für Protest in der ukrainischen Hauptstadt. Auch der Bürgermeister ist Zielscheibe.

Humanitäre Krise in Ukraine: Kaum Essen, kein Entkommen in Oleschky

In der russisch besetzten Stadt Oleschky in der Südukraine sind die Menschen von Versorgung und Evakuierung abgeschnitten. Eine ukrainische Drohnenaktion bringt kurzfristig Hilfe.

Proxied content from gemini://taz.de/%216226440 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216226440
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.