Die Uni Hamburg ist zum Sparen verpflichtet: Drei Studiengänge an der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften sollen schließen.
Bild: Nagelneu und nun umso weniger benötigt: Hörsaal im Haus der Informatik der Uni Hamburg
Die Universität Hamburg wird im nächsten Jahr aus Spargründen insgesamt drei Studiengänge einstellen. Keine Zukunft mehr gibt es laut Uni-Sprecher Alexander Lemonakis für den [1][Studiengang „Software-System-Entwicklung“], der zuletzt 51 Studienanfänger pro Jahr hatte. Zum Start des nächsten Wintersemesters ausgesetzt wird zudem der Studiengang [2][Wirtschaftsinformatik]. Somit reduziert sich die Zahl der [3][Bachelor-Studiengänge] am Fachbereich Informatik von sechs auf vier. Auch der Studiengang Kosmetikwissenschaft steht vor dem Aus.
Bislang hieß es auf der [4][Homepage der Universität], dass derzeit keine Schließung von Studiengängen aufgrund von Sparmaßnahmen geplant sei. Diese Information hat die Universität am Donnerstag geändert, nachdem zuerst der [5][NDR über die Einsparungen berichtet] hatte.
Dass es einen Abbau an Studienkapazität von Hamburgs größter Hochschule geben wird, steht spätestens fest, seitdem im September die „Ziel- und Leistungsvereinbarungen“ zwischen Uni-Präsident Hauke Heekeren und Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) vorlagen. Demnach sollen die Zahl der Studienanfängerplätze gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent sinken. Konkret müssen 675 von derzeit 9.485 Anfängerplätzen abgebaut werden.
Anders als bei [6][früheren Vereinbarungen] enthalten die aktuellen Zielvereinbarungen noch keine Reduktionsvorgaben für die einzelnen Fakultäten. Dies wird für die acht Fakultäten nun offenbar Stück für Stück nachgeholt: Die Fakultät der Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) ist die erste, von der die Folgen bekannt werden.
Demo gegen Sparmaßnahmen angekündigt
Ob weitere Studiengänge in den übrigen Fachbereichen eingestellt werden, ließ Sprecher Lemonakis auf Nachfrage offen. Im Frühjahr wurde bekannt, dass das Grundbudget der Uni so knapp ist, dass bis 2033 ein struktureller Abbau von mindestens 10,5 Prozent der Ausgaben nötig ist.
Für den Bachelor-Studiengang Sofware-System-Entwicklung soll es ab 2027 keine Studienbeginner mehr geben. Diejenigen, die gerade erst das Studium aufgenommen haben, könnten selbstverständlich zu Ende studieren, betont Lemonakis.
Für den Bachelor- und Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik sei die Zulassung zunächst nur für das kommende Wintersemester „ausgesetzt“. Die daran beteiligten Fakultäten MIN und Betriebswirtschaft (BWL) prüften derzeit aber noch, ob eine „Fortführung in veränderter Form“ möglich sei oder ob wesentliche Inhalte auf andere Weise erhalten werden könnten. Auch hier könnten die eingeschriebenen Studenten ihr Studium noch abschließen.
Ebenfalls eingestellt wird an der MIN-Fakultät der Masterstudiengang Kosmetikwissenschaft. Ausschlaggebend seien auch hier „aktuelle Sparmaßnahmen“, sagt Lemonakis. „Die einzige Professur kann im Zuge dessen nicht wiederbesetzt werden.“ Auch entspreche der Studiengang nicht mehr der Ausrichtung der Fakultät.
Lemonakis verweist darauf, dass ein Teil der eingesparten Studienplatzkapazitäten dem Bachelorstudiengang Informatik zugutekommen soll, wo es nun mehr Studienplätze geben soll. Xenija Melnik-Üzüm, hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, übt dennoch scharfe Kritik: „Das ist der erste Sargnagel für die freie Wissenschaft“, sagt sie. Sie sieht vor allem die grün-geführte Wissenschaftsbehörde in der Verantwortung, die die Uni zum Abbau zwingt.
Hamburgs Wissenschaftssenatorin Blumenthal hatte im Frühjahr als Erste öffentlich einen Abbau von Studienplätzen ins Spiel gebracht, damit die Uni Hamburg aus ihrem Defizit kommt. An der Universität kämpft seither eine [7][AG Ausfinanzierung] für eine Erhöhung des Budgets. Für den 26. November ist deshalb unter dem Motto [8][„Wissen schafft Zukunft!“] kurz vor der Verabschiedung des Hamburger Doppelhaushalts noch mal eine große Demonstration geplant.
29 Oct 2026
LINKS
[1] https://www.inf.uni-hamburg.de/studies/bachelor/sse.html
[2] https://www.inf.uni-hamburg.de/studies/bachelor/wiinf.html
[3] https://www.inf.uni-hamburg.de/studies/bachelor.html
[4] https://www.uni-hamburg.de/uhh/organisation/zukunftssichere-universitaet
[5] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/hamburger-uni-streicht-nun-doch-studiengaenge,wirtschaftsinformatik-104.html
[6] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bwfg/unsere-themen/hochschulen-und-studium/hochschullandschaft-hamburg/ziel-und-leistungsvereinbarungen-196322
[7] https://ag-ausfinanzierung.blogs.uni-hamburg.de/
[8] https://ag-ausfinanzierung.blogs.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2026/09/Aufruf-Demo-26.11.26.pdf
AUTOREN
Kaija Kutter
Sparpolitik
Universität Hamburg
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Wissenschaft
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