taz.de -- Nach der Wahl in Brasilien: Die Verlierer erkennen die Niederlage an

Die Partei von Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro erkennt Lulas Wahlsieg an. Gegen den unterlegenen Kandidaten selbst wird wieder ermittelt.

Bild: Flavio Bolsonaro gesteht seine Niederlage ein

Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro macht einen Rückzieher. Hatte er zunächst verkündet, die Wahlniederlage nicht anzuerkennen und die Annullierung der Wahl zu fordern, trat am Montag der Vorsitzende seiner PL-Partei vor die Presse: „Wir erkennen das [1][Ergebnis der Präsidentschaftswahlen] an, wie es vom Wahlgericht verkündet wurde“, sagte Valdemar Costa Neto.

Bolsonaro seinerseits veröffentlichte ein Video auf Instagram, in dem er erklärt, er werde die Opposition organisieren und „dem Chaos widerstehen“, das sich im Land ausbreiten werde. Damit meint er offenbar vor allem, dass die Justizbehörden nunmehr nach Ende des Wahlkampfes die [2][Strafverfolgung seiner Person] wieder aufnehmen.

Der Oberste Bundesrichter Alexandre de Moraes vom STF hatte nach Veröffentlichung des Wahlergebnisses entschieden, dass Bolsonaro seine Pässe – darunter ein diplomatischer – abgeben müsse und [3][das Land nicht verlassen] dürfe. Hintergrund ist ein neuer Verdacht auf Geldwäsche im Zusammenhang mit Wettplattformen.

Die Bundespolizei ermittelt gegen Bolsonaro, der zusammen mit dem Anwalt Willer Tomaz ein gemeinsames Konto unterhalten und Gelder aus Wettfirmen erhalten haben soll. Zuvor hatte Moraes bereits die Beschlagnahmung des Vermögens von Tomaz bis zum Maximalwert von 6 Millionen Reais verfügt, umgerechnet knapp 1 Million Euro.

Bolsonaro sieht sich als Opfer

In dem Video stellt sich Bolsonaro als Opfer einer „Bundespolizei von Lula“ dar, die ihn „auf offener Straße“ angehalten habe, als er gerade seinen Vater besucht hatte. Er verstehe nicht, warum er seine Pässe abgeben müsse, da er nie vorgehabt habe, das Land zu verlassen.

Flávio hat tatsächlich nie selbst angekündigt, er werde im Fall einer Wahlniederlage Landesflucht begehen. Sein jüngerer Bruder Eduardo, ehemals Abgeordneter, hatte hingegen im März 2025 Brasilien verlassen. Anfang Oktober hatte Alexandre de Moraes gegen ihn einen Haftbefehl ausgestellt und entschieden, dass Eduardo seine Strafe von vier Monaten und zwei Monaten in halboffenem Strafvollzug anzutreten habe. Gleichzeitig annullierte er alle Pässe des ehemaligen Politikers.

Eduardo wurde wegen Nötigung innerhalb des Prozesses gegen seinen Vater verurteilt, weil er zusammen mit der US-amerikanischen Regierung Strafzölle gegen Brasilien artikuliert habe. Er besitzt seit Juli 2025 eine Greencard in den USA, aufgrund derer er auch Visa für Familienangehörige beantragen kann. Vor der Stichwahl hatte Eduardo seinem Bruder in einem Podcast geraten, er solle es ihm gleichtun, falls er verliere. Scherzend hatte er außerdem geäußert, Donald Trump könne doch in diesem Fall die Marineinfanterie nach Brasilien schicken.

Der Senator Flávio Bolsonaro übt ab Januar 2027 zum ersten Mal in 24 Jahren kein politisches Amt aus und verliert dadurch seine Immunität.

27 Oct 2026

[1] /Jubel-nach-Lulas-Sieg/!6224965

[2] /Vor-den-Wahlen-in-Brasilien/!6212651

[3] /Praesidentschaftswahl-in-Brasilien/!6225258

AUTOREN

Christine Wollowski

TAGS

Brasilien

Flávio Bolsonaro

Luiz Inácio Lula da Silva

Justiz

Reden wir darüber

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

Nach Flucht in die USA: Bolsonaro stilisiert sich zum Opfer

Nach seiner heimlichen Ausreise nach Florida wirft Flávio Bolsonaro Wahlsieger Lula „abscheulichen Wahlbetrug“ vor und vergleicht sich mit Charles de Gaulle.

Politikprofessor über linke Wahlerfolge: „Politik ist veränderbar“

Linke Wahlerfolge sind noch keine Trendwende, sagt Politikwissenschaftler Klaus Schlichte. Warum er trotzdem Hoffnung hat.

Brasilien nach der Wahl: Wahlverlierer Bolsonaro setzt sich in die USA ab

Flávio Bolsonaro ist nach wilder Flucht in den USA gelandet, Trump heißt ihn herzlich willkommen. In Brasilien ordnet sich die Rechte bereits neu.

Brasilien nach der Stichwahl: Lulas Sieg crasht Brasiliens Börse

Die brasilianischen Finanzmärkte reagieren fast panisch auf den Wahlerfolg des linken Präsidenten. Neu ist das nicht. Was ist nun zu erwarten?

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro darf das Land vorerst nicht verlassen

Flávio Bolsonaro geht juristisch gegen Lulas Sieg vor, seine Partei erkennt das Wahlergebnis nur unter Vorbehalt an. Trump spricht von Manipulation.

Jubel nach Lulas Sieg: Brasilien im Freudentaumel

Mit 80 Jahren gewinnt Lula da Silva noch einmal eine Präsidentschaftswahl. Sein Gegner, Flávio Bolsonaro, will das Ergebnis nicht anerkennen.

Proxied content from gemini://taz.de/%216225298 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216225298
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.